Für ein gutes Schweizer Brot
02.06.2026 BuusWo das Saatgut fürs Getreide herkommt
Eine traditionelle Feldbegehung führte Regierungsrat Thomi Jourdan und leitende Mitarbeitende seiner Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion zum Hof des Bauernpräsidenten Marc Brodbeck in Buus.
Elmar ...
Wo das Saatgut fürs Getreide herkommt
Eine traditionelle Feldbegehung führte Regierungsrat Thomi Jourdan und leitende Mitarbeitende seiner Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion zum Hof des Bauernpräsidenten Marc Brodbeck in Buus.
Elmar Gächter
Etwas unterhalb der «Buuseregg» im Gemeindebann von Buus bewirtschaftet die Familie Brodbeck seit mehreren Generationen den «Grienhof». Landwirt Marc Brodbeck ist begeisterter Saatgutproduzent und hat als Präsident des Bauernverbands beider Basel im Rahmen eines traditionellen Vernetzungstreffens den Baselbieter Landwirtschaftsminister Thomi Jourdan mit leitenden Mitarbeitenden seiner Ämter sowie Kolleginnen und Kollegen seines Verbands zu einer Feldbegehung eingeladen. Mit dabei war ferner die Vermehrungsorganisation Semag, die den Besucherinnen und Besuchern wichtige Aspekte über den Anbau von schweizerischem Saatgut für Brotgetreide näherbrachte.
Marc Brodbeck baut seit vielen Jahren Weizensaatgut an. Als er 2009 den Hof seiner Familie übernommen hat, trat er ein traditionelles Erbe an, denn bereits sein Grossvater hatte in den 1950er-Jahren mit dem Saatgutanbau begonnen. «Damals gab es noch eine Aufbereitungsanlage in Gelterkinden, inzwischen hat sich vieles geändert, wie generell in der Landwirtschaft», sagte der Landwirt. Heute liefert er seine Produktion nach Lyssach, wo die Semag als Vermehrungsorganisation Saatgut aufbereiten lässt.
Die Semag Saat- und Pflanzgut AG ist 1996 aus dem Zusammenschluss der operativen Tätigkeiten von fünf Saatzuchtgenossenschaften aus den Kantonen Bern, Solothurn und Baselland entstanden. Sie organisiert und betreut die Produktion von anerkanntem Saatgetreide und von Pflanzkartoffeln sowie die Übernahme, Bereitstellung und Vermarktung des Saatguts. Ihrem Netz gehören rund 150 Betriebe an, darunter nur noch vier aus dem Baselbiet. Alle sind auch Aktionäre der Firma.
Die Agronomin Valerie Sandmeier erläuterte als Verantwortliche für die Getreideanbauplanung bei der Semag die Besonderheiten der rund 4,2 Hektar grossen Parzelle der Familie Brodbeck. Marc Brodbeck baut seit drei Jahren die ihm zugeteilte Winterweizensorte Montalbano an, eine der momentan gefragtesten Brotweizensorten im Sortiment der Semag. Es handelt sich um zertifiziertes Saatgut der 5. Generation, das nach den ersten Vermehrungsstufen aus dem ursprünglichen Zuchtmaterial – in der Schweiz gezüchtet – nochmals vermehrt werden kann, bevor es als kommerzielles Saatgut in den Verkauf gelangt.
Aus 200 Kilo werden 6 Tonnen
Unter optimalen Bedingungen vermehren sich 200 Kilo Saatgut auf rund 6 Tonnen pro Hektar, wovon 70 bis 80 Prozent als Saatgut aufbereitet werden können. Die Restmenge gelangt in den Futterkanal. «Ein Unterschied zwischen der Produktion von Saatgetreide und Brotgetreide liegt in der Selektion. Die Produzenten kontrollieren die Saatgutparzellen regelmässig und reissen unerwünschte Fremdpflanzen aus», erklärte Sandmeier. Sorten-Verunreinigungen des Erntematerials, wie beispielsweise beim Mähdreschen, seien zu vermeiden, was im Betrieb von Brodbeck mit eigenen Mähdreschern einfacher möglich sei.
Ziel des Anbaus sei neben der Qualität vor allem eine grosse Saatgutausbeute, heisst es von Semag. Es sei ihr erklärtes Ziel, im konventionellen Bereich intensiv anzubauen, was bedeute, dass ein Fungizid und ein Wachstumsregulator eingesetzt werden. Der Pflanzenschutz liege allerdings in der Verantwortung der Produzenten. Die Semag vermehrt auch Biosaatgut. Es gebe ein paar wenige Sorten, die ausschliesslich für den Bioanbau eingesetzt werden. Laut Geschäftsführer Adrian Krähenbühl stammen schweizweit rund 95 Prozent des Brotgetreides aus Saatgut, das im Inland gezüchtet und produziert wird.
Marc Brodbeck war während zwei Jahrzehnten Zertifizierungsexperte. Für ihn steht fest, dass er sich auch weiterhin als Saatzüchter engagieren wird. «Es ist eine Leidenschaft, auch wenn es ertragsmässig lukrativere Betriebszweige gibt. Für mich ist es einfach eine Freude, wenn ich durch meine Getreidefelder laufe, um sie von fremden Pflanzen zu befreien.»

