Fund aus adliger Zeit
27.01.2026 GelterkindenArchäologen haben «Weiherhaus» aus dem Mittelalter freigelegt
Archäologen haben ein lange vermutetes «Weiherhaus» aus dem späten Mittelalter freigelegt. Der Steinbau mit Wassergraben gilt «ziemlich sicher» als adeliger Wohn- und Wehrsitz der ...
Archäologen haben «Weiherhaus» aus dem Mittelalter freigelegt
Archäologen haben ein lange vermutetes «Weiherhaus» aus dem späten Mittelalter freigelegt. Der Steinbau mit Wassergraben gilt «ziemlich sicher» als adeliger Wohn- und Wehrsitz der Herren von Gelterkinden.
Janis Erne
Mitten im Dorf in Gelterkinden, an der Rünenbergerstrasse 19, ist in den vergangenen Monaten ein Stück mittelalterlicher Geschichte freigelegt worden, das lange nur als Vermutung existierte. Archäologen des Kantons stiessen nach einem Hinweis auf die Überreste eines massiven Steingebäudes mit dicken Mauern. Nach heutigem Kenntnisstand handelt es sich «ziemlich sicher» um das sogenannte Weiherhaus der Herren von Gelterkinden – einen adeligen Wohn- und Wehrbau aus dem späten Mittelalter. Dies schrieb die Archäologie Baselland gestern in einer Mitteilung.
Die Vermutung ist nicht neu. Bereits 1936 hatte der Gelterkinder Kunstmaler und Heimatforscher Fritz Pümpin an dieser Stelle Mauerreste beobachtet und sie als mittelalterlichen Wehrbau gedeutet. Er brachte sie mit einem Weiherhaus in Verbindung, das der Chronist Aegidius Tschudi um 1540 als Ruine erwähnte. Spätere Sondierungen, unter anderem im Jahr 2021, bestätigten zwar die Existenz von Mauerzügen, liessen aber weder eine sichere Datierung noch eine eindeutige Einordnung zu.
Erst die aktuelle Rettungsgrabung brachte nun Klarheit. Seit November untersucht die Archäologie Baselland ein Grundstück. Dabei kam ein Gebäudegrundriss von mindestens 14 Metern Breite und 18 Metern Länge zum Vorschein. Die Mauern sind rund einen Meter dick und reichen bis zu eineinhalb Meter in die Tiefe. Das Erdgeschoss war in mehrere Räume unterteilt, deren Böden mindestens einmal erneuert wurden. Spuren zweier Brandereignisse sind deutlich erkennbar: Ein erster, begrenzter Brand führte zu Umbauten, ein zweiter, heftiger Brand markierte das Ende des Baus. Danach wurden die Mauern teilweise bis auf Fundamenthöhe abgetragen. Südlich des Gebäudes stiessen die Archäologen zudem auf einen tiefen Graben, der einst wohl mit Wasser gefüllt war und dem Bau zusätzlichen Schutz bot.
Für Kantonsarchäologe Reto Marti fügt sich der Fund in ein grösseres Bild ein. Baselland sei zwar als Burgenland bekannt, sagt er auf Anfrage, doch dazu zählten nicht nur die Burgen auf Anhöhen und in Wäldern. «Auch in den Tälern gab es befestigte Adelssitze, sogenannte Weiherschlösser. In Gelterkinden haben wir nun erstmals ein solches Weiherhaus in seiner ursprünglichen Form archäologisch fassen können.» Andere Anlagen dieser Art seien über die Jahrhunderte ausgebaut worden und hätten sich zu eigentlichen Schlössern entwickelt, etwa in Bottmingen.
Fund muss Bauprojekt weichen
Die Qualität des Bauwerks und die Funde sprechen für einen Adelssitz aus dem 14. oder 15. Jahrhundert. Möglich ist, dass das Weiherhaus den Herren von Gelterkinden als Ersatz für die um 1320 aufgegebene Höhenburg Scheidegg diente. Solche mit Wasser umgebenen Sitze in der Talniederung waren im späten Mittelalter verbreitet und oft langlebiger als die exponierten Burgen, so die Archäologie Baselland. Warum das Gelterkinder Weiherhaus bereits im 15. Jahrhundert einem Brand zum Opfer fiel und danach verfiel, ist Gegenstand weiterer Untersuchungen.
Die laufenden Arbeiten stehen unter Zeitdruck. «Es handelt sich um eine Notgrabung», erklärt Marti. Die Funde würden sorgfältig dokumentiert und – soweit möglich – geborgen. Die Mauern selbst könnten jedoch nicht vor Ort erhalten bleiben. Das Grundstück ist in Privatbesitz, und ein Bauprojekt soll realisiert werden. Entsprechend wird das archäologische Fenster bald wieder geschlossen.
Um der Öffentlichkeit dennoch Einblick zu geben, lädt die Archäologie Baselland am kommenden Samstag zu einem «Tag der offenen Ausgrabung» ein. Interessierte können sich zwischen 14 und 16 Uhr ein Bild davon machen, was jahrhundertelang verborgen lag.


