Fürs Schwingen ist kein Weg zu weit Schwingen
10.09.2026 Sport, Weitere SportartenJoana Fankhauser ist die einzige aktive Baselbieter Schwingerin
Joana Fankhauser nimmt im Baselbiet eine besondere Rolle ein: Die 20-jährige Lupsingerin ist die einzige aktive Schwingerin des Kantons. Für ihre Leidenschaft nimmt sie einigen Aufwand in Kauf – erst recht im ...
Joana Fankhauser ist die einzige aktive Baselbieter Schwingerin
Joana Fankhauser nimmt im Baselbiet eine besondere Rolle ein: Die 20-jährige Lupsingerin ist die einzige aktive Schwingerin des Kantons. Für ihre Leidenschaft nimmt sie einigen Aufwand in Kauf – erst recht im Hinblick auf das «Eidgenössische».
Thomas Ditzler
Mehr als 900 Kilometer trennen Joana Fankhauser derzeit vom Trainingsort ihres Schwingclubs in Wolhusen. Statt sich im Sägemehl auf den Saisonhöhepunkt, das Eidgenössische Frauen- und Meitlischwingfest, vorbereiten zu können, absolviert die 20-jährige Lupsingerin derzeit einen Teil ihrer Ausbildung zur Besamungstechnikerin in Berlin.
Eine besondere Vorbereitung für eine besondere Athletin. Denn wenn Fankhauser am 26. September am «Eidgenössischen» im luzernischen Schachen in die Zwilchhosen steigt, vertritt sie das Baselbiet allein: Fankhauser ist zurzeit die einzige aktive Schwingerin des Kantons. Dass ihr Verein, der Frauenschwingclub Steinhuserberg und Umgebung, das «Eidgenössische» in diesem Jahr selbst ausrichtet, macht den Saisonabschluss nochmals spezieller. «Ich freue mich auf das letzte Schwingfest des Jahres», sagt Fankhauser, auch wenn ihre Vorbereitung nicht wie gewohnt verlaufe. Wegen des Ausbildungsblocks in Berlin habe sie vier Wochen nicht im Sägemehl trainieren können und so auch das vorletzte Schwingfest Ende August in Dotzigen verpasst: «Wo ich derzeit stehe, kann ich deshalb schwer abschätzen. Der Fokus lag die vergangenen Wochen bewusst auf meiner Ausbildung», so die 20-Jährige.
Fussstapfen von Rickenbacher
Aus der Ruhe bringen sie die derzeitigen Umstände aber keineswegs. Als einzige aktive Baselbieter Schwingerin musste sie in ihrer noch jungen Karriere schon einige Hürden überwinden. Dazu gehört auch, dass die gelernte Landwirtin mangels Alternativen einmal in der Woche am Abend von ihrem Wohnort Lupsingen nach Wolhusen ins Training fährt. Dass ihre Wahl auf den Frauenschwingclub Steinhuserberg und Umgebung fiel, lag für sie auf der Hand: «Es war der nächstgelegene Frauenschwingclub zu meinem Wohnort.»
Dass es sich dabei um denselben Verein handelt, in dem einst auch die Itingerin Franziska Rickenbacher aktiv war, sei Zufall. Die Karrieren von Rickenbacher und Fankhauser haben sich nie gekreuzt. Während Rickenbacher 2024 vom aktiven Schwingsport zurücktrat, lancierte Fankhauser ihre Karriere erst Anfang 2025. Bei der Lupsingerin begann alles mit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2022 in Pratteln: «Ich war vom Esaf so fasziniert, dass ich damals alle Kennzahlen zum Fest auswendig kannte.»
Über Beziehungen ihres Nachbarn kam sie zu Tickets für das Esaf und war danach derart angetan von der Sportart, dass sie sich für ein Schnuppertraining in Wolhusen angemeldet hat. 2025 absolvierte Joana Fankhauser ihre erste Schwingsaison, die sie in der Jahreswertung auf dem 14. Rang von 54 Schwingerinnen beendete.
«Die Motivation fehlte»
Bei ihren bisherigen Schwingfestteilnahmen platzierte sich Fankhauser stets im vorderen Teil der Ranglisten. Der erste Kranzgewinn lässt jedoch noch auf sich warten, auch wenn sie sich wie im vergangenen Jahr in Brig mit Rang 6b oder in diesem Sommer in Fribourg (7b) und Hochdorf (8a) nur knapp hinter den Kranzrängen einreihte. Obwohl sie sich auf diese Auszeichnung noch gedulden müsse, sei sie mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden – gerade deshalb, weil die Vorbereitung für sie nicht optimal verlaufen sei und mit dem Start ihrer Ausbildung im Frühling der Hauptfokus nicht immer auf dem Schwingen lag. «Zu Beginn der Vorbereitung fehlte mir zwischenzeitlich auch etwas die Motivation», gesteht Fankhauser.
Den Aufwand, den sie für ihre geliebte Sportart Woche für Woche auf sich nimmt, dürfe nicht unterschätzt werden. Die Freude am Schwingen habe sie aber bald wieder gefunden: «Ich wusste, ich bin noch nicht dort angelangt, wo ich im Schwingen hin will.» Ihr Ziel sei es, konstant in die Kranzränge zu schwingen. Dazu müsse aber alles stimmen: die Leistung, die Technik und die mentale Einstellung. Gerade bei Letzterem sehe sie noch Potenzial: «Ich studiere manchmal zu oft an einem Gang oder an der Gegnerin herum», sagt Fankhauser. Mit Mentaltrainings im Verein möchte sie in dieser Hinsicht einen Schritt vorwärts machen.
«Darauf bin ich stolz»
Sie fühle sich als «Auswärtige» in ihrem Verein gut aufgenommen und integriert. «Natürlich würde ich mir wünschen, dass es für Schwingerinnen auch etwas in unserer Region gibt», so die Lupsingerin. Für die zwei Stunden Fahrtweg, die sie wöchentlich fürs Schwingtraining auf sich nimmt, brauche es etwas Überwindung. Davon abhalten lasse sie sich aber nicht. Zusätzlich halte sie sich im Fitnessstudio fit. «Mein landwirtschaftlicher Beruf trägt dazu bei, dass ich körperlich in Bewegung bin», so Fankhauser. Die Tatsache, dass sie als einzige Baselbieterin unterwegs sein wird, störe sie nicht allzu sehr: «Es macht mich stolz, die einzige Aktive aus unserem Kanton zu sein.»
Dass sie in der unmittelbaren Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt andere Wege gehen muss als ihre Konkurrentinnen, nimmt Joana Fankhauser ebenfalls gelassen. Schliesslich ist sie es gewohnt, für ihre Leidenschaft etwas längere Wege auf sich zu nehmen.
Baselbieter Trio im Nachwuchs
td. Mit den Läufelfinger Schwestern Ronja und Tarja Bieneck sowie Emma Weber aus Buus ist das Baselbiet auch im Nachwuchsbereich an Frauen- und Meitlischwingfesten vertreten. Das Trio konnte bereits auf sich aufmerksam machen: Ronja und Tarja Bieneck erreichten in den vergangenen Jahren mehrfach Spitzenplätze, Ronja stand dieses Jahr in Fribourg im Schlussgang der Kategorie Meitli 1. Emma Weber schaffte es in Cousset bei den «Zwergli» in den Schlussgang.
Die Saisonbeste wird «Königin»
td. Anders als bei den Schwingern entscheidet bei den Frauen nicht allein das Resultat am «Eidgenössischen» über den Königinnentitel. Massgebend dafür ist die Jahreswertung: Die an den Kranzfesten erzielten Punkte werden über die Saison zusammengerechnet. Wer am Saisonende die höchste Punktzahl aufweist, wird Schwingerkönigin. Der Sieg am jährlich stattfindenden «Eidgenössischen» und der Königinnentitel müssen nicht an dieselbe Schwingerin gehen. Joana Fankhauser hat 2026 sieben von acht Schwingfesten absolviert. Vor dem letzten Schwingfest liegt sie in der Jahreswertung auf Rang 15a. Die Jahreswertung führen die amtierende Schwingkönigin Jasmin Gäumann (1a; Wichtrach) und Mélissa Suchet (1b; Grandvillard) an.


