Friedvoll über Krieg und Frieden
29.09.2026 SissachJo Lang und Peter Huber zu Gast im monatlichen Mäder-Talk
Jo Lang, einstiger links-grüner Nationalrat, und Unternehmer Peter Huber liessen es bei Ueli Mäder im Sissacher «Cheesmeyer» nicht krachen. Zu ernst war die Frage: Wie rüsten wir uns für die ...
Jo Lang und Peter Huber zu Gast im monatlichen Mäder-Talk
Jo Lang, einstiger links-grüner Nationalrat, und Unternehmer Peter Huber liessen es bei Ueli Mäder im Sissacher «Cheesmeyer» nicht krachen. Zu ernst war die Frage: Wie rüsten wir uns für die internationale Bedrohungslage?
Jürg Gohl
In der Mitte des Podiums sass Jo Lang. Der einstige Nationalrat der Grünen, inzwischen 72 Jahre alt, gilt in der Schweizer Politik auch heute noch als der Pazifist schlechthin. Der älteste Sohn einer kinderreichen Bauernfamilie erlebte vor 25 Jahren im Zuger Parlament das Attentat mit. Berühmt und gefürchtet wurde er aber bereits zwölf Jahre früher, weil er 1989 mit seiner GSoA, der Gruppe Schweiz ohne Armee, das Schweizer Militär abschaffen wollte. Das radikale Begehren – die Älteren erinnern sich – lockte fast 70 Prozent der Schweizer Stimmbürger an die Urne.
Mit 35,6 Prozent Ja-Stimmen blieb das radikale Ansinnen wohl chancenlos, erschütterte aber die Schweiz gleichwohl erheblich. Im «Cheesmeyer» wagte der streitbare Politiker am Donnerstag sogar eine Prognose für die Abstimmung drei Tage später. «Vielleicht schlossen wir damals sogar mit einem besseren Resultat ab als die Neutralitätsinitiative von Herrn Blocher am Sonntag.» Damit erntete er am Donnerstag mehr Skepsis als Zustimmung.
Zu Jo Langs Linken moderierte Soziologe Ueli Mäder, der vor 37 Jahren auch ein Ja eingelegt haben dürfte, und zu seiner Rechten hat sich Peter Huber eingerichtet, Langs vermeintlicher Antipode. Huber, ein Unternehmer, der im Militär den Rang eines Majors bekleidet, ist schon mehrfach im «Cheesmeyer» unter den Zuhörern gesessen und hat sich auch pointiert geäussert, wenn es zu harmonisch wurde. Politisch sei er ein Ur-Liberaler, sagt er über sich selber.
Beide auf der Seite der Nato
Obwohl alleine ihre gegensätzlichen Biografien es anders erwarten liessen, gingen die beiden Gesprächspartner sehr pfleglich miteinander um. Das lag zu einem wesentlichen Teil an Jo Lang. Das Provozieren ist offensichtlich nicht mehr seine Sache, zumal er zuletzt Teile seiner GSoA gegen sich aufgebracht hat, als er im Ukraine-Konflikt Position gegen Aggressor Putin bezog und die Waffenlieferungen an die Ukraine begrüsste. Diese Position nahm er auch im «Cheesmeyer» ohne Wenn und Aber ein. Der einstige Armee-Abschaffer redete sogar einem Zusammengehen mit der Nato das Wort.
Auch Peter Huber ist überzeugt, dass in der aktuellen Bedrohungslage die Schweizer Armee in ihrer gegenwärtigen Verfassung das Land nicht mehr verteidigen kann. Sie sei in ihrer jetzigen Form «unbrauchbar». Deshalb fordert er entschieden höhere Investitionen und eine Annäherung an die Nato. Er nennt auch den Preis, den die Schweiz zu bezahlen hat: entweder höhere Steuern oder Abbau von Sozialleistungen. Und jeder müsse sich die Frage stellen, ob er bereit sei, für die Demokratie zu kämpfen.
Huber bezeichnet die Schweiz als «reich und militärisch schwach». Das mache das Land zu einem idealen Ziel für einen Nachbarn, zumal selbst die Nato-Mächte aktuell politisch sehr instabil und unberechenbar wirken. In diesem Punkt gibt sich Lang aus zwei Gründen etwas gelassener. Erstens würden Trump und Putin mit ihren Kriegen scheitern und damit Nachahmer abschrecken, zweitens rücke nach diesem Sommer das Thema Umweltschutz wieder in den Vordergrund.
Ueli Mäder, der in seiner Gesprächsreihe normalerweise eine Doppelrolle als Gesprächsleiter und zugleich -teilnehmer einnimmt, beschränkte sich für einmal auf das Moderieren. Wie immer forderte er seine Gäste eingangs auf zu definieren, was für sie «Heimat» bedeute. Peter Huber beschrieb sie als die Gegend, in der seine Freunde und sein Umfeld leben. Jo Lang hingegen nannte den Lärm und Betrieb auf dem Stadtberner Fussballplatz des Multikulti-Vereins FC Breitenrain.
Noch drei Mal wird der Soziologe aus Rheinfelden in diesem Jahr diese Einstiegsfrage stellen. Danach nimmt Mäder mehr als vier Jahre nach der Premiere den nächsten Jahrgang seiner Gesprächsreihe in Angriff. Das Programm, so war am Donnerstag zu vernehmen, stehe bereits.

