Früher Pfarrscheune, heute Feuerwehr
28.08.2026 GelterkindenDas Magazin am Kirchrain feiert sein 75-Jahr-Jubiläum
Anlässlich des Geburtstags des Feuerwehrmagazins Gelterkinden erzählt Kommandant Reto Kunz die Geschichte des Gebäudes – eines der ältesten im Dorf. Bevor dieses zum Feuerwehrmagazin umgebaut wurde, ...
Das Magazin am Kirchrain feiert sein 75-Jahr-Jubiläum
Anlässlich des Geburtstags des Feuerwehrmagazins Gelterkinden erzählt Kommandant Reto Kunz die Geschichte des Gebäudes – eines der ältesten im Dorf. Bevor dieses zum Feuerwehrmagazin umgebaut wurde, diente es als Pfarrscheune.
Lea Wieser
Seit 75 Jahren ist die Feuerwehr Region Gelterkinden im historischen Kirchrain zu Hause. Unterhalb des Pfarrgartens befindet sich das kleine gelbe Haus, das ohne seine Tore wohl kaum als Feuerwehrmagazin wahrgenommen würde. Was man dem Gebäude nicht ansieht, ist die lange Geschichte, die dahintersteckt.
«Ursprünglich wurde dieses Gebäude erbaut, um als Pfarrscheune verwendet zu werden», erklärt Reto Kunz, Kommandant der Feuerwehr Region Gelterkinden. Damals habe es den Kindergarten Kirchrain noch nicht gegeben, wodurch der Pfarrgarten direkt an die damalige Scheune grenzte. «Da ein Pfarrer früher noch nicht die heutige Besoldung erhielt, gab es hier einen Stall mit ein paar Kühen, Hühnern und Schweinen, damit der Pfarrer sich selbst versorgen konnte», sagt der 56-Jährige. Dort, wo jetzt die Feuerwehrtore sind, sei früher ein Rundbogentor gewesen, daneben der Stall und auf dem Dachboden der Heustock. «Die Luke, über die Heu in den Stall hinuntergeworfen wurde, gibt es immer noch. Genauso die Vorrichtung eines alten Flaschenzugs, mit dem wohl schwere Lasten in den oberen Stock transportiert wurden», sagt Kunz.
«Als wir vor einigen Jahren die Tore erneuert haben, ist uns beim Aushub ein Stein mit eingravierter Jahreszahl praktisch vor die Füsse gefallen.» Seither ziert er die Frontfassade und zeigt, dass das Gebäude, in dem sich das Feuerwehrmagazin befindet, 1596 erbaut wurde. Bevor aus der Scheune ein Feuerwehrmagazin wurde, sei einiges verändert worden, um das Gebäude für seinen neuen Zweck tauglich zu machen. «Die Mauern sind allerdings immer noch die alten», sagt Kunz. «Das merkt man schnell im Vergleich zu den dünnen Mauern, die im Nachhinein hinzugefügt wurden.»
Ein geschütztes Stück Kirchrain
Wie das Gebäude zwischen seiner Zeit als Pfarrscheune und dem Umbau zum Feuerwehrmagazin genutzt wurde, wisse man nicht. «Ich kann mir auch vorstellen, dass das Haus sich selber überlassen wurde, als es seine Verwendung verloren hatte», sagt Kunz. Abgerissen werden konnte es nicht, da die schmucken Gebäude des Kirchrains unter historischem Schutz stehen.
Auch der vorherige Standort der Gelterkinder Feuerwehr sei nicht bekannt. Ein Magazin vergleichbar mit dem heutigen habe es damals wahrscheinlich nicht gegeben. «Wir vermuten, dass vielmehr ein oder mehrere Gebäude irgendwo im Dorf zur Unterbringung von Materialien verwendet wurden», sagt Kunz. Ein eigentliches Magazin sei damals auch weniger nötig gewesen, da die Feuerwehr Gelterkinden ausser Anhängern noch keine Fahrzeuge besass und die Feuerwehrleute ihre Uniformen früher zu Hause aufbewahrten.
Von 1950 bis 1951 wurde das Gebäude dann zum Magazin umgebaut. «Seither nennt die Feuerwehr Region Gelterkinden den Kirchrain 4 ihr kleines, aber feines Zuhause», sagt Reto Kunz. Regelmässig werde der Kommandant gefragt, wie in dieses Haus ein ganzes Feuerwehrmagazin passe. Die Frage sei berechtigt, denn für die Grösse heutiger Feuerwehrautos sei das Gebäude bestimmt nicht errichtet worden.
Für die früheren Fahrzeuge wie den alten Militärjeep, der 1951 zum ersten Gelterkinder Feuerwehrauto umgespritzt wurde, reichte der Platz gut. Heute würde man definitiv nach anderen Standards bauen. «Eines ist sicher: Wir schöpfen das volle Potenzial aus unserem Magazin. Jeder Winkel wird für etwas verwendet. Der Platz ist knapp, aber mit einem guten System und motivierten Feuerwehrleuten ist es durchaus machbar.» Ausserdem seien die meisten Interessierten, sobald sie es von innen gesehen haben, überrascht, dass das Magazin doch einiges an Raum hergebe.
Das Haus ist eines der ältesten in Gelterkinden und gleichzeitig das am längsten als Feuerwehrmagazin genutzte Gebäude des Kantons Baselland. So blickt es auf eine mehr als 400-jährige Geschichte zurück. Anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums öffnet die Feuerwehr dieses Wochenende ihre Tore, um Interessierten einen Einblick zu gewähren und gemeinsam mit ihren Gästen auf den Geburtstag des Magazins anzustossen. «Neben Verpflegung und Unterhaltungsprogramm wird es auch eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Feuerwehr Region Gelterkinden und deren Magazin geben», sagt Reto Kunz.
Das Jubiläumsfest «75 Jahre
Feuerwehrmagazin Gelterkinden» findet morgen von 11 bis 21 Uhr und am Sonntag von 11 bis 16 Uhr beim Feuerwehrmagazin am Kirchrain statt.


