Freude und Sorgen nahe beieinander
11.08.2026 LangenbruckEinblick in das Leben auf einem historischen Hofgut
Wenn ein Mitglied einer Bauernfamilie unerwartet ausfällt, stehen viele vor einer schwierigen, wenn nicht existenziellen Zeit. Das hat auch die Familie Portmann vom Hofgut Spittel erlebt. Doch sie halten an ihrem Berufsstand fest ...
Einblick in das Leben auf einem historischen Hofgut
Wenn ein Mitglied einer Bauernfamilie unerwartet ausfällt, stehen viele vor einer schwierigen, wenn nicht existenziellen Zeit. Das hat auch die Familie Portmann vom Hofgut Spittel erlebt. Doch sie halten an ihrem Berufsstand fest – mit Leidenschaft und Kreativität.
Elmar Gächter
Aus dem metallenen Rohr fliesst ergiebig Wasser in das Brunnenbecken auf dem Hof der Familie Portmann. An diesem gegen 35 Grad heissen Juli-Nachmittag ist es eine Wohltat, seine Arme in das kühle Nass zu tauchen. Nicht nur die Menschen leiden unter der Hitze, auch die Schar Truthähne, welche die Wiese um das Stallgebäude bevölkert, tut sich schwer.
Dass sich am nahegelegenen Wald unübersehbare Zeichen der Trockenheit zeigen und die Weiden sich weitgehend braun präsentieren, bereitet Thomas Portmann und seiner Frau Regula Sorgen. Sie haben 2017 den Hof Spittel auf halber Höhe zwischen Waldenburg und Langenbruck von Thomas’ Eltern übernommen und bewirtschaften auf 700 Metern über Meer rund 40 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche sowie etwa 70 Hektar Wald. Es ist ein historischer Ort, der erstmals im Jahr 1130 urkundlich erwähnt wurde und an dem in früheren Zeiten ein Hospital – daher der Name «Spittel» – betrieben wurde: nicht als Spital, sondern als Herberge für Pilgerinnen und Pilger.
Regula Portmann ist ausgebildete Bereiterin, die an Dressurturnieren teilnimmt. Es freut sie daher, dass ihre beiden Töchter, acht- und siebenjährig, sich ebenfalls dem Pferdereitsport verschrieben haben. «Die Pferde sind meine Leidenschaft», sagt Portmann. Sie lebt inzwischen ihren Traum mit einer eigenen Reitschule. Ihre zeitlichen Möglichkeiten sind jedoch begrenzt, auch wenn ihre Kinder sehr selbstständig sind. Als gelernte Kauffrau ist sie auf dem Betrieb vor allem für das Administrative zuständig und kümmert sich zudem um die 180 Truthähne und rund 60 Weidegänse, die ein wichtiges Nebeneinkommen darstellen.
Noch vor wenigen Jahren herrschte Aufbruchstimmung auf dem «Spittel». Der Bestand an Milchkühen erweiterte sich sukzessive von rund 30 Einheiten auf mehr als 40. Dann zwang Hans Portmann, Vater von Thomas und unverzichtbare Arbeitskraft, ein tragischer Unfall mit dem Motormäher zu mehreren Monaten Rehabilitation und Ausfall. «Das hat uns alle durchgeschüttelt und uns bewusst gemacht, wie sich das Leben von einem Tag auf den andern ändern kann», blickt Thomas Portmann auf die schwierige Zeit zurück.
Wie es mit dem Hof weitergeht, sei eines der beherrschenden Themen der vergangenen drei Jahre gewesen. Die Frage, was wichtiger ist, Umsatzsteigerung oder etwas mehr Zeit für sich selbst, beschäftigt die Familie seither stark. Sie haben den Viehbestand bereits reduziert und prüfen weitere Umstrukturierungen. Eine Anstellung externer Arbeitskräfte kommt aus finanziellen Gründen nicht infrage. Sie überlegen sich jedoch, eine landwirtschaftliche Lehrstelle anzubieten und prüfen, ob eine Umstellung auf Mutterkuhhaltung sinnvoll wäre.
Gute Entscheidung
Der «Spittel» wird als Trinkwasserschloss betitelt. Auch in diesen Tagen des allgemeinen Wassermangels dürfen sich Portmanns auf ihre beiden Quellen verlassen. «Wie sich die Situation entwickelt, ist schwer abzuschätzen, besonders wegen der frühen Trockenheit. Würde das Quellwasser versiegen, müssten wir unseren Bedarf mit Zisternen decken, da wir keinen Anschluss an das öffentliche Netz haben», so Thomas Portmann. Dass man vor ein paar Jahren mit grossem finanziellem Aufwand das Quellwasser neu fassen und eine UV- und Ultrafiltrationsanlage einbauen liess, erweist sich gerade in diesen Tagen als besonders wertvoll.
Mit ihrem «Bed & Breakfast» und Hofbeizli bietet Trudi Portmann, Mutter von Thomas, seit 2008 Unterkunft und Verpflegung an, der Tradition aus frühesten Hospital-Zeiten folgend. Aus ganz Europa, ja sogar Übersee, nehmen Vorbeireisende die Gelegenheit wahr, im «Spittel» meist eine oder zwei Nächte zu geniessen. Neben vier Zimmern ist «Schlafen im Stroh» angesagt, wobei auch immer wieder Familien aus der Landwirtschaft übernachten und sich im heimeligen Hofbeizli verpflegen lassen. «Unsere Gäste schätzen das Bodenständige sowie die familiäre Atmosphäre», erklärt Trudi Portmann. Besonders freut es sie, wenn Kinder ihre Kochkünste mit den Worten loben, sie koche wie ihr Grossmami. «Ja, ich koche sehr gern und schätze das direkte Feedback.»
Neu gibt es im «Zauberwald», ganz in der Nähe des Hofes, in idyllischer Umgebung mit begehbarem Bach und Grillstelle einen «Zwärgliweg». Dort begegnen Besucherinnen und Besucher Zwergen und finden in einer Schatzkiste eine Geschichte über das Leben der Zwerge im Wald, verfasst von Trudi Portmann. «Ich möchte Kinder und Eltern einladen, die Natur mit allen Sinnen zu erleben und damit einen Gegenpol zur Handysucht zu schaffen.» Ihr Gastro-Angebot sei möglich, weil sie sich darauf verlassen könne, dass die ganze Familie im Bedarfsfall anpackt. Dazu zählen auch ihre zehn Grosskinder, die unter anderem kreative Signaltafeln für den «Zwärgliweg» gestaltet haben.
Auch wenn die aktuelle Dürre und der damit verbundene Mangel an Futter auf den Weiden Sorgen bereiten, bleiben Thomas und Regula Portmann der Landwirtschaft treu – trotz reduziertem Viehbestand. «Die Freude und Leidenschaft am Bauernstand sind nach wie vor da», betonen die beiden.
Filmpremiere «Hof Spittel, Langenbruck» und «Lange Nacht der Bauernfilme»,
Samstag, 15. August, ab 19 Uhr,
Gemeindesaal Waldenburg. www.kulturraum-waldenburg.ch

