Freude herrscht (frei nach Adolf Ogi)
13.02.2025EINWURF
In den 1990er-Jahren wurde ich Nachwuchschef beim FCB. Diese Abteilung habe ich mit ausgebildeten Mitarbeitern zu einer der besten der Schweiz aufgebaut. Wir waren durch die Unterstützung von René C. Jäggi mit einem kleinen Budget, aber einer Vision ...
EINWURF
In den 1990er-Jahren wurde ich Nachwuchschef beim FCB. Diese Abteilung habe ich mit ausgebildeten Mitarbeitern zu einer der besten der Schweiz aufgebaut. Wir waren durch die Unterstützung von René C. Jäggi mit einem kleinen Budget, aber einer Vision angetreten. Diese konnte ich in den sechs Jahren fast überall durchsetzen. Mit den Sportämtern Basel-Stadt und Baselland wurde eine Sportklasse eingeführt. So konnten wir am Morgen trainieren. Der Schwerpunkt lag auf der individuellen Ausbildung. Jetzt habe ich gelesen, dass dies wieder ein Schwerpunkt auf dem FCB-Campus ist. Wahrscheinlich haben sie in einer Schublade mein Trainingskonzept gefunden …
Zu Beginn der 2000er-Jahre war Concordia Basel in der NLB abstiegsgefährdet. Der sportliche Leiter fragte mich an, ob ich dem Team helfen würde. Mit Gigi Oeri, damals noch im Vorstand, fand ich eine Lösung und das «Abenteuer Concordia» begann. Wir haben mit Schweiss und Teamgeist den Ligaerhalt geschafft. Ein weiteres erfolgreiches Jahr kam dazu.
Danach habe ich das Angebot als Sportdirektor bei YB übernommen. Es war herausfordernd, aber auch lehrreich. Das Stade de Suisse war noch nicht fertig gebaut und wir spielten daher im Stadion Neufeld. Später wurde das Stadion, damals wie heute «Wankdorf» genannt, mit einem Turnier und einem Fest eingeweiht. Auf das Stadiondach wurde erstmals in der Schweiz von der BKW eine riesige Solaranlage installiert.
Das Team wurde auf die kommende Saison aus Finanzgründen verjüngt. Ich musste mit Stéphane Chapuisat einen der besten
Spieler verabschieden.
Wie beim FCB, als wir ins neue «Joggeli» einzogen und die Erfolge nicht kamen, war es auch in Bern: Der Druck wuchs von Spiel zu Spiel. Es blieb mir nichts anderes übrig, als einen neuen Trainer, Gernot Rohr, einzustellen. Zum Saisonende lagen wir auf dem 3. Platz und qualifizierten uns für den Europacup. Die erste Runde überstanden wir. In der zweiten trafen wir auf Marseille. Im Heimspiel verloren wir vor über 28 000 Fans 0:1. Nach Jahrzehnten wieder ein ausverkauftes Stadion, es war ein Highlight … Das Rückspiel hatte es auch in sich. Im «Vélodrome» gibt es auf beiden Seiten hinter dem Tor total verrückte Fans. Der Spielereingang ins Stadion ist nicht in der Mitte der Tribüne, sondern neben der Eckfahne. So mussten wir zur Pause einen Spurt hinlegen, um heil zur Garderobe zu gelangen. Lange stand es 0:0 und in letzter Minute köpfelte ein Spieler von uns den Ball an die Latte.
Bei meinen Tätigkeiten durfte ich viel Schönes erleben. Das ist das, was einem bleibt nach der aufreibenden Arbeit.
Marcel Hottiger
Marcel Hottiger hat als Fussball-Instruktor und Trainer vom Nachwuchs bis zu den Profis gearbeitet. Beim FC Basel war er lange Nachwuchschef, bei YB Sportdirektor. Bis vor Kurzem trainierte er die AC Rossoneri.

