Frauenmehrheit in Reichweite
16.04.2026 MaisprachCéline Graf und Elea Moser wollen in den Gemeinderat
Um die Nachfolge des zurücktretenden Maispracher Gemeinderats Felix Bosshard bewerben sich zwei Frauen: Kirchenschreiberin Céline Graf und Treuhänderin Elea Moser. Gewählt wird am kommenden Sonntag.
...Céline Graf und Elea Moser wollen in den Gemeinderat
Um die Nachfolge des zurücktretenden Maispracher Gemeinderats Felix Bosshard bewerben sich zwei Frauen: Kirchenschreiberin Céline Graf und Treuhänderin Elea Moser. Gewählt wird am kommenden Sonntag.
Christian Horisberger
In Maisprach bahnt sich Historisches an: Egal, wer am Sonntag die Gemeinderats-Ersatzwahl gewinnt, ab dem 1. Juli wird das Dorf erstmals in der Geschichte von einer Frauenmehrheit regiert. Denn dem fünfköpfigen Gremium gehören heute mit Susanne Küng und Carin Steinberg zwei Frauen an und für die Nachfolge des Ende Juni zurücktretenden Finanzchefs Felix Bosshard kandidieren zwei Frauen: Céline Graf und Elea Moser.
Die 52-jährige Céline Graf ist parteilos und wohnt mit ihrer Familie auf dem Talhof. Das Amt reize sie, weil sie dazu beitragen möchte, dass sich die Menschen in Maisprach wohl und gut aufgehoben fühlen, sagt die Kandidatin. Andererseits finde sie es spannend, in «etwas Neues» hineinzublicken und neue Erfahrungen zu sammeln.
Bei den Gesamterneuerungswahlen vor zwei Jahren hatte Graf ohne zu kandidieren von den nicht Gewählten die meisten Stimmen erhalten. Sie habe trotz diverser Anfragen nicht an der Nachwahl teilgenommen, weil sie kurz zuvor eine neue Stelle angetreten habe, erklärt Graf: Im Jahr 2024 wurde sie Kirchenschreiberin der Reformierten Kirche Baselland. In einem 60-Prozent-Pensum unterstützt sie den Kirchenrat als Exekutive und die Synode als Legislative der Reformierten Kirche Baselland. Für die 31 Kirchgemeinden ist sie zudem Ansprechperson für diverse Fragestellungen. «Eine vielfältige, tolle Aufgabe», schwärmt Graf, die einst in der Gemeindeverwaltung Gelterkinden eine kaufmännische Lehre absolviert hatte.
Sozialhilfe und Kirchenrat
Neben ihrer verwaltungs- und politiknahen beruflichen Erfahrung kann Céline Graf zehn Jahre in der Maispracher Sozialhilfebehörde vorweisen, ausserdem präsidierte sie bis zum Amtsantritt bei der Kantonalkirche die Kirchgemeinde Buus-Maisprach. Die politischen Prozesse und die Abläufe in der Verwaltung sind ihr somit vertraut.
Aufgewachsen ist Graf in Rünenberg. Seit knapp 20 Jahren lebt sie mit ihrem Ehemann Markus auf dem Landwirtschaftsbetrieb, wo sie überall dort mithelfe, wo es sie brauche, wie sie sagt. Das Paar hat eine 15-jährige Tochter. Vielleicht ist die Teenagerin der Grund, weshalb Graf als Erstes «eine gut funktionierende Schule» nennt, als wir sie nach Themen fragen, die ihr besonders am Herzen liegen. Nach weiterem Überlegen korrigiert sie sich: Sie könne eigentlich nichts herausstreichen. Ihr liege alles am Herzen, was zu einem intakten Dorf- und Vereinsleben und einer zufriedenen Bevölkerung beiträgt.
Letzteres gilt auch für Elea Moser, die zweite, ebenfalls parteilose Anwärterin auf den frei werdenden Gemeinderatssitz. Sie schätze den gelebten Dorfgeist und die Traditionen, die in Maisprach gepflegt werden. Denen gelte es Sorge zu tragen.
Treuhand und Mittagstisch
Die in Binningen und Basel aufgewachsene 36-Jährige zog 2015 nach Maisprach zu ihrem Lebenspartner. Das Paar hat eine gemeinsame siebenjährige Tochter. Viertes Familienmitglied ist der erwachsene Sohn ihres Partners. Nach der Ausbildung und mehrjähriger Erfahrung bis hin zur Mandatsleiterin stieg sie 2021 in die Treuhand-GmbH ihrer Mutter ein, die sie Anfang dieses Jahres übernehmen konnte. Durch den Beruf habe sie unter anderem gelernt, dass gute Lösungen nur durch Vertrauen erreicht werden können, so Moser. Diese Erkenntnis, ihre Genauigkeit, ihre Gewissenhaftigkeit und ihr Fachwissen möchte sie in den Dienst der Gemeinde Maisprach stellen.
Das frei werdende Finanzressort würde sie aufgrund ihrer Kompetenzen und ihrer Erfahrung am meisten reizen, so die Kandidatin. Doch sei ihr bewusst, dass eine Umverteilung der Ressorts nach der Ersatzwahl nicht ausgeschlossen ist. Als weiteren Grund für ihre Kandidatur nennt sie ihr Mitwirken am Mittagstisch für die Kinder bis zur 6. Klasse aus Maisprach und Buus: Diese Arbeit, die gemeinschaftlichen Erlebnisse und die Freude sowie das positive Echo darauf hätten ihre Lust geweckt, sich noch stärker für ihr Dorf zu engagieren, so Elea Moser. Zudem sei die Idee einer Kandidatur auch von aussen an sie herangetragen worden.
Der politische Betrieb wäre für Moser Neuland. Themen zu benennen, die sie für die Gemeinde angehen möchte, hält sie deshalb für unangemessen. Sie handle normalerweise erst nach genauem Überlegen, nach Absprache mit anderen Beteiligten, und «ohne grossen Wirbel».
Die Wahl wurde auf den kommenden Sonntag angesetzt. Es gilt das absolute Mehr. Eine allfällige Nachwahl findet am 14. Juni statt.


