Und wieder schaut die Tenniswelt nach Basel. Längst gehören die Swiss Indoors zu den grössten Sportveranstaltungen des Landes. Für eine Woche wird die Stadt zum internationalen Brennpunkt. Auch heuer geizen die Organisatoren nicht mit Leckerbissen: Novak Djokovic wurde ...
Und wieder schaut die Tenniswelt nach Basel. Längst gehören die Swiss Indoors zu den grössten Sportveranstaltungen des Landes. Für eine Woche wird die Stadt zum internationalen Brennpunkt. Auch heuer geizen die Organisatoren nicht mit Leckerbissen: Novak Djokovic wurde verpflichtet, Stan Wawrinka wählte Basel als sein letztes Turnier vor dem Karriereende, und die regionale Tennishoffnung Mika Brunold schaffte es zum ersten Mal ins Hauptfeld eines ATP-Turniers. Dass Weltstars in der St.-Jakobs-Halle ein- und ausgehen, ist nicht neu. Björn Borg gewann das Turnier 1977, Pete Sampras triumphierte 1996. Und Lokalmatador Roger Federer ab 2006 gar zehn Mal. Gemessen an jenen Zeiten, hat das Turnier an Strahlkraft eingebüsst. Roger Federer füllte nicht nur die Hallen, er lockte auch Menschen vor den Fernseher, die sonst mit Tennis kaum etwas anfangen konnten. Seine Erfolge hoben die Swiss Indoors auf eine Ebene, die zuvor kaum vorstellbar gewesen wäre.
Federer fiel mir dieser Tage wieder ein. Nicht wegen eines legendären Matches oder eines Grand-Slam-Titels. Sondern wegen einer kurzen Begegnung vor über 25 Jahren. Es muss im Jahr 2000 gewesen sein. Zum ersten Mal durfte ich die Swiss Indoors besuchen. Meine Mutter war von der regionalen Bank dazu eingeladen worden, und so fanden wir uns im VIP-Dorf wieder. Was für mich als 14-Jährige allein schon eindrücklich und aufregend war. Und dann sass an einem Stand auch noch ein junger Tennisspieler mit langen Haaren, der seelenruhig Autogrammkarten signierte und mit den Leuten ringsum plauderte. Keine Sicherheitskräfte, nirgends Absperrungen. Und auch keine lange Warteschlange, wie es sie wohl gäbe, würde Roger Federer heute am Stand einer regionalen Bank Autogramme schreiben – was er natürlich schon längst nicht mehr nötig hat. Item. Mutter knipste sogar ein Bild von mir mit ihm, wenngleich dies mir, dem Teenager-Mädchen, eher unangenehm war. Rückblickend betrachtet war es doch eine gute Idee: Das Foto hat inzwischen Seltenheitswert.
Vielleicht macht genau dies den Reiz der Swiss Indoors aus. Zwischen grossen Namen und glänzenden Pokalen entstehen Jahr für Jahr kleine Geschichten. Die meisten geraten in Vergessenheit. Manche gewinnen mit den Jahren an Wert. Wie die Autogrammkarte eines jungen Baselbieters, von dem niemand ahnte, dass er dereinst zu den grössten Sportlern der Geschichte zählen würde. Deshalb aufgepasst: Vielleicht erleben Sie heute Historisches – und merken es nicht mal.
Seraina Degen
Seraina Degen (1986) ist in Niederdorf aufgewachsen. Als Torhüterin spielte sie lange leidenschaftlich Fussball, heute bleibt sie beruflich am Ball – als Redaktorin bei SRF Sport.