Fit für die Lehrstellensuche dank realistischer Rückmeldungen
19.05.2026 SissachSchule und Gewerbe arbeiten erneut eng zusammen
Heute und am Freitag kommen Vertreterinnen und Vertreter des Sissacher Gewerbes an die Sekundarschule und simulieren mit 250 Schülerinnen und Schülern Bewerbungsgespräche. Auf dieses Jahr hin hat die Schule ihre ...
Schule und Gewerbe arbeiten erneut eng zusammen
Heute und am Freitag kommen Vertreterinnen und Vertreter des Sissacher Gewerbes an die Sekundarschule und simulieren mit 250 Schülerinnen und Schülern Bewerbungsgespräche. Auf dieses Jahr hin hat die Schule ihre Bemühungen nochmals intensiviert.
Tobias Gfeller
Während die Jugendlichen oftmals mit der Nervosität kämpfen, erwarten die Betriebe beim Bewerbungsgespräch für ihre Lehrstellen gut vorbereitete Schülerinnen und Schüler, die sich der besonderen Bedeutung der Situation bewusst sind. Für beide Seiten geht es um viel: Für die Jugendlichen um ihre berufliche Zukunft, für die Betriebe um das Besetzen der Lehrstellen – und damit um die Personalsituation der nächsten Jahre.
An den Sekundarschulen im Kanton Baselland werden die Schülerinnen und Schüler mittlerweile intensiv auf den Übertritt ins Berufsleben vorbereitet. Die Frage, ob es nach der neunten Klasse eine weiterführende Schule oder eine Lehrstelle sein soll, muss gut abgewogen sein. Während des zweiten Sekundarschuljahrs steht das Fach Berufliche Orientierung (BO) auf dem Stundenplan, in welchem die Jugendlichen unter anderem auf den Bewerbungsprozess für eine Lehrstelle vorbereitet werden.
«Mega» gab zusätzlichen Schub
Die Sekundarschule Sissach engagiert sich dabei besonders stark. Seit Jahren lädt sie Vertreterinnen und Vertreter des Gewerbes ein, um mit den Schülerinnen und Schülern Bewerbungsgespräche zu üben. Bisher stellten Lehrpersonen die Kontakte zum Gewerbe her. In diesem Jahr sind erstmals auch die Wirtschaftskammer Baselland, der Gewerbeverein Sissach und Umgebung (Gesi) und der Gewerbeverein KMU Homburger-/Diegtertal und Umgebung (HDU) involviert.
Während die Wirtschaftskammer die Administration im Hintergrund organisiert, vermitteln die Gewerbevereine aus ihrem Mitgliederbestand Gewerblerinnen und Gewerbler. Für die beiden Bewerbungstage im Rahmen der BO-Spezialwoche im Mai, in denen die Schülerinnen und Schüler unter anderem in Betrieben schnuppern, haben sich 21 beziehungsweise 18 Gewerbevertreterinnen und -vertreter angemeldet. Einzelne kommen sogar an beiden Tagen. Die Zusammenarbeit zwischen Gewerbe und Schule nahm im vergangenen Jahr im Rahmen der Gewerbeausstellung Mega und dem Projekt «Schule@Gewerbe» weiter Fahrt auf.
Die rund 250 Schülerinnen und Schüler der zweiten Sekundarstufen werden den Gewerbetreibenden im Vorfeld ihr Bewerbungsdossier zukommen lassen. An den beiden Tagen an der Schule führen sie fiktive Bewerbungsgespräche durch. Über einen Fragebogen erhalten die Jugendlichen anschliessend schriftlich und mündlich ein Feedback zu ihrem Dossier, ihrem allgemeinen Verhalten im Gespräch sowie zu den Inhalten des Gesprächs.
Äussern Schülerinnen und Schüler im Vorfeld berufliche Präferenzen, werden ihnen wenn möglich entsprechende Branchenvertreterinnen und -vertreter zugeteilt. Dadurch könnten erste Kontakte zwischen potenziellen Lehrbetrieben und Jugendlichen entstehen, betont Sandra Meyer, Laufbahnverantwortliche der Sekundarschule Sissach.
Bemühungen zeigen Wirkung
Zu den Vertretungen des Gewerbes, die dabei sein werden, gehört Martina Rohn, Geschäftsführerin der Bläuer Holzbau AG aus Sissach. Die Zimmerei kann sich zwar nicht über einen Mangel an jungen Bewerberinnen und Bewerbern beklagen, für Martina Rohn bedeutet das Engagement der Schule trotzdem einen grossen Mehrwert. «Wir im Betrieb spüren die intensive Arbeit der Sekundarschule Sissach, indem wir unter anderem die Lehrstellen früher besetzen können.» Es bestehe grundsätzlich eine positive Tendenz hin zu mehr Lehren im Handwerk, obwohl für viele Familien die weiterführende Schule noch immer als Königsweg gelte.
Bei Bläuer Holzbau stellte man zuletzt auch fest, dass Lehrabbrüche abnehmen, weil die Jugendlichen auf den Übergang ins Berufsleben besser vorbereitet sind. Martina Rohn greift bei der Besetzung der Lehrstellen sehr gerne auf Schülerinnen und Schüler aus Sissach und der Umgebung zurück, weil die Bläuer Holzbau AG damit zuletzt sehr gute Erfahrungen gemacht hat.
Corina Küng, Stufenverantwortliche für die Berufliche Orientierung an der Sekundarschule Sissach, ist überzeugt, dass die intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten und Laufbahnwünschen zentral ist. Die Vorbereitung auf die Bewerbungsgespräche kann bei den Jugendlichen die Motivation erhöhen, eine Schnupperlehre zu absolvieren und mögliche Hemmschwellen abbauen, mit Erwachsenen des Gewerbes in Kontakt zu kommen. «Die Schülerinnen und Schüler erleben die Personen der Unternehmen direkt und persönlich, anstatt nur auf einer Website.» Auch gehe es darum, dass sich die Schülerinnen und Schüler verstärkt selber Gedanken um ihre berufliche und schulische Zukunft machen und sich dabei nicht nur von den Wünschen der Eltern leiten lassen.
Vorbereitung gehört dazu
Mit dem Hinweisen auf wesentliche Punkte eines Bewerbungsgesprächs könne schon viel bewirkt werden, sagt Martina Rohn. «Da geht es um den ersten Eindruck, der vermittelt wird, die Kleidung, ein grundsätzlich freundliches Erscheinungsbild und sich bei der Begrüssung und Verabschiedung in die Augen schauen.» An der Schule werde vermittelt, bestätigt Sandra Meyer, dass man sich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten muss. Dazu gehört die Information über den Beruf und die Firma, erklären können, was einem daran gefällt und welche Stärken man dafür mitbringt.
Wichtig sei auch, ergänzt Corina Küng, schlechte Noten erklären zu können und aufzuzeigen, wie mögliche Defizite wettgemacht werden könnten. Zu einem gelungenen Bewerbungsgespräch aus Sicht einer Schülerin oder eines Schülers gehöre auch, als Erstes nicht gleich nach dem Lohn, den Ferien und dem Feierabend Fragen zu stellen, sagt Sandra Meyer mit einem Schmunzeln.
Die Verantwortlichen der Sekundarschule Sissach sind den Vertreterinnen und Vertretern des Gewerbes für deren Engagement sehr dankbar. Sandra Meyer, Corina Küng und Martina Rohn sind überzeugt, dass von der verstärkten Zusammenarbeit alle Seiten profitieren: Die Schule, die Unternehmen und vor allem die Jugendlichen.

