Finger weg von den Eigenheimen!
30.04.2026 PolitikMarkus Meier, Landrat SVP, Ormalingen
Es ist keine Neuigkeit, dass die Schweizer Bevölkerung deutlich schneller wächst als das Angebot an Wohnraum in unserem Land. Bezüglich Bevölkerungswachstum gibt es keine Massnahmen, und viele wollen (oder ...
Markus Meier, Landrat SVP, Ormalingen
Es ist keine Neuigkeit, dass die Schweizer Bevölkerung deutlich schneller wächst als das Angebot an Wohnraum in unserem Land. Bezüglich Bevölkerungswachstum gibt es keine Massnahmen, und viele wollen (oder dürfen) nicht einmal darüber reden. Auf der anderen Seite wird zu wenig neuer Wohnraum erstellt. Gründe hierfür sind unter anderem die ungenügende Verdichtung nach innen, die hohe Regulierungsdichte, langwierige Baubewilligungsverfahren und überzogene Schutzmassnahmen beim bestehenden Gebäudepark. Darüber wird zwar viel geredet, aber passieren tut auch hier wenig bis gar nichts.
Aus dieser «Doppelblockade» errettet werden soll unser Land nun durch die ins Alter gekommenen Babyboomer respektive mit deren Einfamilienhäusern mit Umschwung. Ausgangspunkt dazu ist eine Studie mit der viel sagenden Bezeichnung «Verdichtung der Schweizer Einfamilienhausquartiere». Die Behörden wollen genau wissen, wie sich aus den Eigenheimquartieren der Babyboomer-Jahrgänge mehr Wohnraum herausholen lässt. Denn viele dieser Häuser seien mit nur einem oder bestenfalls zwei Bewohnern «unterbelegt». Diese Personen würden somit in (zu) grossen Häusern auf (zu) grossen Parzellen wohnen. Zudem seien viele der rund 300 000 betroffenen Einfamilienhäuser kaum für selbstständiges Wohnen im Alter geeignet. Dies wegen ihrer zu grossen Grösse, hohen Unterhaltskosten, umfangreichem energetischen Sanierungsbedarf sowie fehlender Barrierefreiheit oder auch schlechter Anbindung an Einkaufsmöglichkeiten und öffentliche Verkehrsmittel.
Ziel dieser Studie soll eine «datengetriebene und überregionale Grundlage zur zukunftsgerichteten Transformation von Einfamilienhausquartieren» sein. Sodann sei das Entwicklungspotenzial dieser Quartiere auf nationaler Ebene zu prüfen, insbesondere vor dem Hintergrund der Wohnungsknappheit und der Alterung der Bevölkerung. Damit soll die Studie «konkrete Handlungsoptionen» liefern. Die Ausgangslage böte nämlich eine klare Chance für eine qualitätsvolle und sozialverträgliche Verdichtung. Besonders in zentral gelegenen Einfamilienhausgebieten gebe es häufig beträchtliche Baureserven. Einfacher ausgedrückt und kurz zusammengefasst: Babyboomer mit ihrem Wohneigentum und Umschwung sollen zum staatlichen Planungsgegenstand und behördlichen Transformationsgut werden – zur amtlichen Ausschöpfung von sich in privatem Eigentum befindendem Entwicklungspotenzial.
Und so etwas wird sogar noch als «sozialverträglich» qualifiziert! Nein: Verträglich ist daran rein gar nichts. Im Gegenteil: Da rollt es mir – als HEV-Direktor und SVP-Landrat – doch glatt all meine Zehennägel nach hinten! Der Staat greift nach den Eigenheimen der alternden Babyboomer. Er nimmt das private Eigentum jener Generation ins Visier, die massgeblich mitaufgebaut hat, wovon heute alle in unserem Land profitieren. Wie lautet auch schon wieder Artikel 26 Absatz 1 in unserer Bundesverfassung? Genau: «Das Eigentum bleibt gewährleistet.» Der Widerstand aus den Kreisen der Eigentümer und ihrer Verbände ist hier vorprogrammiert. Und auch jene Teile in den politischen Lagern, für die Werte wie Freiheit, Eigenverantwortung und Rechtssicherheit etwas zählen und entsprechend hochgehalten werden, sind «not amused».
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

