Es steht viel auf dem Spiel
21.08.2026 OberdorfGemeindeversammlung befasst sich erneut mit 2-Millionen-Kredit für Wasserwerk «z’Hof»
Nach der deutlichen Zustimmung in Niederdorf ist nun Oberdorf am Zug: Am Dienstag entscheidet die Gemeindeversammlung über ihren Anteil am gemeinsamen Wasserwerk ...
Gemeindeversammlung befasst sich erneut mit 2-Millionen-Kredit für Wasserwerk «z’Hof»
Nach der deutlichen Zustimmung in Niederdorf ist nun Oberdorf am Zug: Am Dienstag entscheidet die Gemeindeversammlung über ihren Anteil am gemeinsamen Wasserwerk «z’Hof». Für Gemeindepräsident Piero Grumelli ist es eine Investition für Generationen.
Pascal Kamber
Seit mehreren Jahren schon beschäftigt Oberdorf das neue Wasserwerk «z’Hof». Ausgangspunkt des Projekts ist die langfristige Sicherung der Wasserversorgung von Oberdorf und Niederdorf. Dies, weil die bestehenden Anlagen sanierungsbedürftig sind. Das nächste Kapitel folgt nun am kommenden Dienstag, wenn die Einwohnerinnen und Einwohner Oberdorfs über den 2-Millionen-Kredit für die Realisierung des Bauprojekts entscheiden.
Sie befassen sich bereits zum zweiten Mal mit der Vorlage: Im Mai 2025 legte der Oberdörfer Gemeinderat der Gemeindeversammlung einen Kredit von 4,6 Millionen Franken vor. Damals war vorgesehen, dass Oberdorf die gesamte Investition in ein Wasserwerk trägt, welches das Quellwasser aufbereitet und auch Niederdorf mit dem begehrten Gut versorgt. Die Nachbargemeinde hätte sich über den Preis des bezogenen Wassers an den Kosten beteiligt.
Die Vorlage erlitt jedoch Schiffbruch. Dabei wurde der Kredit nicht einfach abgelehnt, sondern mit 76 zu 71 Stimmen zur Überarbeitung an den Gemeinderat zurückgewiesen. Dieser sollte das Projekt redimensionieren. So kam vorerst auch der Vertrag mit Niederdorf und die geplante Anpassung der Wassergebühren nicht mehr zur Abstimmung.
In der Folge ging Oberdorfs Exekutive über die Bücher und passte das Projekt an. Ende 2025 bewilligte die Gemeindeversammlung dafür zusätzliche Mittel. Aus dem ursprünglichen Vorhaben wurde die Enthärtungsanlage gestrichen. Die Kosten für die abgespeckte Version reduzierten sich dadurch auf rund 4 Millionen Franken. Gleichzeitig machten die beiden Gemeinden gemeinsame Sache: Niederdorf ist zu 50 Prozent Mitinhaberin des Wasserwerks und wird entsprechend auch die Hälfte der Investitionskosten übernehmen. Im Gegenzug beteiligt sich Oberdorf mit 150 000 Franken am Nordanschluss Bachmatten in Niederdorf. Damit könnte zukünftig Wasser ab Bubendorf bezogen werden. Hölstein hat das erste Teilstück nach Bubendorf bereits erstellt. Dass dieses zweite Standbein in Zukunft wichtig wird, zeigt die momentan prekäre Trinkwasserversorgung einzelner Gemeinden, namentlich jener, die ihr Trinkwasser aus Quellen gewinnen.
«Mentale» Hilfe aus Niederdorf?
Niederdorf hat zu diesem Schritt bereits seinen Segen erteilt. Die Gemeindeversammlung genehmigte im Juni den Kredit von 2,01 Millionen Franken mit 63 zu 3 Stimmen und den gemeinsamen Vertrag mit 60 zu 3 Stimmen. Ein Referendum wurde nicht ergriffen; die Beschlüsse sind inzwischen rechtskräftig.
Nun liegt der Ball wieder bei Oberdorf. Gemeindepräsident Piero Grumelli hofft, dass die Geschichte nächsten Dienstag ein positives Ende erhält: «Es hat viele Diskussionen und Abklärungen gebraucht. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Deshalb wären wir natürlich froh, wenn der Kredit angenommen wird.» Nach der Zustimmung aus Niederdorf sieht Grumelli seine Gemeinde nicht unter Zugzwang.
Trotzdem hofft er auf einen positiven, psychologischen Effekt. «Es wäre schade, wenn man so ein deutliches Zeichen der Nachbargemeinde ignorieren würde. Das wäre für die partnerschaftliche Beziehung nicht von Vorteil», sagt Grumelli. Ihm sei aber bewusst, dass man nicht des Niederdörfer Entscheids wegen dem Bauprojekt zustimmen sollte: «Man sollte Ja sagen, weil die Vorteile auch für Oberdorf gross wären.»
Grumelli bezeichnet das neue Wasserwerk «z’Hof» als Investition für die nächsten zwei Generationen. «Wir machen etwas, das in den nächsten 40 oder 50 Jahren funktionieren soll», sagt er. Mit diesem Weitblick sei man auch die Redimensionierung angegangen: «An der geplanten Grösse des Gebäudes hat sich nichts geändert, damit man später die entsprechende Technik nachrüsten kann, falls sich die nationalen Bedingungen ändern sollten.»
Nein mit drastischen Folgen
Ein erneutes Nein des Souveräns würde laut Piero Grumelli langfristig betrachtet schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringen. «Niederdorf müsste mit der Planung komplett neu beginnen, weil sie dringender auf ein neues Wasserwerk angewiesen sind», sagt er. Die Gemeinde Oberdorf, die finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, hätte spätestens in fünf bis zehn Jahren das gleiche Problem: «Dann müssten wir die gesamten 4 oder 5 Millionen Franken aus eigener Kraft stemmen. Das würde den Wasserpreis auf das Doppelte oder Dreifache erhöhen.»
Von einer Gebührenerhöhung ist wegen der anstehenden Investition und des Beitrags an den Nordanschluss zwar auch jetzt auszugehen, diese dürfte aber moderater ausfallen als beim von Grumelli skizzierten Nein-Szenario. Wie viel die Oberdörferinnen und Oberdörfer effektiv mehr für ihr Wasser bezahlen müssen, soll zu einem späteren Zeitpunkt beantragt werden. Nach einer ersten Berechnung würde sich die Erhöhung laut Grumelli zwischen 50 und 60 Rappen bewegen.

