Es «muht» wieder
28.08.2026 Hersberg
Elektronikpionier PJ Wassermann lässt seinen Klassiker neu aufleben
Mehr als 40 Jahre nach seinem Erfolg mit «Muh!» lässt PJ Wassermann die Kühe wieder los. Mit Filmemacher «Flume» hat der Hersberger Elektronikpionier seinen Kultsong neu eingespielt ...
Elektronikpionier PJ Wassermann lässt seinen Klassiker neu aufleben
Mehr als 40 Jahre nach seinem Erfolg mit «Muh!» lässt PJ Wassermann die Kühe wieder los. Mit Filmemacher «Flume» hat der Hersberger Elektronikpionier seinen Kultsong neu eingespielt – mit Jodel, Kuhglocken, Alphorn und einer gehörigen Portion Schalk.
Lukas Müller
Aus dem Heimstudio in Hersberg dringen mit schöner Regelmässigkeit neue blubbernde und wabernde Sounds ins Internet und gelangen absolut zeitnah auch in die gute Stube von Herrn und Frau Schweizer. Peter Jörg «PJ» Wassermann, der Daniel Düsentrieb der elektronischen Musik, werkelt und pröbelt bei sich zuhause an Klanglandschaften von A bis Z. Bei den ersten, die diese Sounds entdeckten und sie in der Folge auch der Öffentlichkeit zugänglich machten, war in den 1980er-Jahren der Radiomacher François Mürner von Radio DRS 2 respektive später auch DRS 3. PJ Wassermann hatte bei ihm eine rund eine Sekunde lange Datei deponiert. Der Fokus lag dabei auf einer elektronisch aufgeheizten Kuh, die mehrfach muht – in allen Schattierungen.
Schon damals spielte der Oberbaselbieter mit verschieden modulierten Tonhöhen und generierte auf diese Weise Kühe der verschiedensten Altersstufen. Nach grossem Erfolg in der Schweiz – «Muh!» grüsste während zehn Wochen von der Spitze der Schweizer Radiohitparade – und Achtungserfolgen in Südafrika und in Japan wurde es rund um den Kuh-Reigen langsam etwas ruhiger.
Damals bekundeten die New Yorker Musikverleger Shapiro & Bernstein Interesse. In dieser Phase hätte PJ Wassermann einen verlässlichen Manager gebraucht, der weitere Deals in Deutschland, Frankreich, den Benelux-Ländern, aber auch England oder Skandinavien hätte aufgleisen wollen. Allein: Nichts dergleichen geschah. «Muh!» muhte fortan in der Versenkung weiter.
Zusammentreffen mit Flume
Beim Herumstöbern zuhause in Hersberg stiess PJ vor einigen Monaten auf eine alte Festplatte. Darauf waren zahlreiche Versionen von «Muh!» verewigt. PJ hatte sie noch digitalisiert und dann in einer grossen Kartonkiste verstaut. «Beim Material auf der Festplatte handelte es sich um die digitale Übertragung einer 24-Spur-Aufnahme, die ich 1989 für das amerikanische Label ‹Music West› gemacht hatte. Bob Clearmountain hätte das Band mischen sollen», sagt PJ beim Interview mit der «Volksstimme»; «leider ging das Label damals Konkurs, noch bevor der Song veröffentlicht werden konnte.» Der Sound-Tüftler aus Hersberg wusste indes haargenau, was es braucht, um Erfolg zu haben. Wer einen Erfolgssong lancieren will, sollte neben steiler, zupackender Musik auch etwas fürs Auge präsentieren können. Audiovisuell muss die ganze Chose daherkommen, und sie sollte keine allzu wilden Geschichten enthalten, weil in der Schweiz sonst ein «Shitstorm» drohen könnte. Exakt an dem Punkt kam «Flume» ins Spiel. Hatte man in den 1980er-Jahren auf Kühe und auf eine leichtgeschürzte Serviertochter mit tiefem Dekolleté gesetzt, ging man das Ganze unter der Regie von «Flume» jetzt etwas ruhiger, aber durchaus neckisch und originell an.
Kreativkopf PJ Wassermann und Filmemacher «Flume» – das war die richtige Besetzung für den neuen Kuh-Song. Die beiden verstanden sich auf Anhieb. Flume war mit den Gesetzen des Musikmarkts bestens vertraut. So kreierten die beiden auf diesen Sommer hin eine neue und sehr charmante Version von «Muh!» – inklusive komplettem «Re-Recording» der Musik. Auf dem neuen Titel wird dank dem für Effekte zuständigen «Fairlight-Computer» gemuht, dank Heidi Blum gejodelt und stufenweise gejuchzt. Kuhglocken bimmeln und Alphornspieler treten auf den Plan. «Ich weiss bei meinen Kühen, wer wer ist», sagt der Pionier für moderne Sounds grinsend. Man sieht: Diesem Tausendsassa sitzt der Schalk im Nacken. Jetzt braucht es wirklich nur noch einen Manager, der das spezielle Schweizer Folklore-Panorama von PJ Wassermann und Co. optimal dechiffrieren und flächendeckend aufgleisen kann.
