Es braucht mehr als nur starke Arme
27.03.2026 Sport, Weitere SportartenMorgen stehen die Schweizermeisterschaften in Wintersingen an
Morgen Samstag finden in Wintersingen die Schweizermeisterschaften im Armwrestling statt. Die im Volksmund als Armdrücken bekannte Sportart geniesst wachsende Beliebtheit. Davon zeugen auch die Mitgliederzahlen beim Verein ...
Morgen stehen die Schweizermeisterschaften in Wintersingen an
Morgen Samstag finden in Wintersingen die Schweizermeisterschaften im Armwrestling statt. Die im Volksmund als Armdrücken bekannte Sportart geniesst wachsende Beliebtheit. Davon zeugen auch die Mitgliederzahlen beim Verein «Underground Armsport». Ein Besuch im Training in Wintersingen.
Tobias Gfeller
«Wenn man einmal Armdrücken gemacht hat, will man nicht mehr damit aufhören.» Olli Borutzki aus Aarau spricht aus, was die Kollegen im Trainingsraum im Keller der Familie de Vries in Wintersingen denken. «Es ist eine Sportart, die süchtig machen kann», findet Pieter de Vries, Gründer und Präsident des «Underground Armsport», dem einzigen Verein für Armwrestling im Kanton Baselland. Der gebürtige Niederländer gründete den Verein 2017.
Mit den erstmals in Wintersingen stattfindenden Schweizermeisterschaften feiert der Verein morgen Samstag (Wettkampfstart 12 Uhr) seinen bisherigen Höhepunkt. «Wir wollen aus den Schweizermeisterschaften ein kleines Dorffest machen», verrät de Vries. Damit möchten sie auch einen Anstoss geben, damit die Schweizermeisterschaften in Zukunft mehr sind als bloss der Sport an sich.
Pieter de Vries und seine Kollegen hoffen auf möglichst viel Publikum in der Mehrzweckhalle. Der Sport sei auch für jene attraktiv, die ihn selber nicht betreiben oder sich damit nicht auskennen. Auch Personen ohne Vereinsmitgliedschaft können sich für die Titelkämpfe einschreiben. Wer aber denkt, nur dank einem grossen Bizeps den Cracks Paroli bieten zu können, wird das blaue Wunder erleben. «Es braucht mehr als nur starke Arme», mahnt Pieter de Vries.
Ohne Technik chancenlos
Gemeinsam mit Redon Gashi (17), der bei den Junioren die Goldmedaille anstrebt, zeigt Pieter de Vries, worauf es beim Armwrestling wirklich ankommt: «Es braucht den ganzen Körper. Es braucht Schnellkraft, Explosivität, Ausdauer und ganz viel Technik.» Während eines Duells sei er vom kleinen Zeh bis zu den Haarspitzen angespannt, beschreibt de Vries. Schon nur die Haltung am Tisch sei entscheidend. «Man muss aufrecht stehen, den Tisch am Körper spüren und nicht breitbeinig halbliegend anlehnen, wie es viele Amateure machen.»
Pieter de Vries und Redon Gashi zeigen unterschiedliche Unterarm-, Hand- und Fingertechniken, um den Gegner zu schlagen. Ziel sei es, den Gegner mit der richtigen Strategie aus seiner optimalen Position zu bringen. In den Anfangsjahren gehe es darum, die eigenen Techniken zu optimieren. «Anschliessend lernt man, auf die Techniken des Gegners reagieren zu können», erklärt Redon Gashi.
Der 17-Jährige Möhlemer Gashi ist das junge Aushängeschild der Wintersinger Armwrestler. Der Verein ist offen für alle Niveaus. Pieter de Vries wird morgen als doppelter Titelverteidiger – mit dem rechten und dem linken Arm – antreten. Der 33-jährige Routinier sieht Armwrestling als geeignete Sportart für alle Altersklassen: «Wir sehen viele Armwrestler in der Schweiz, die erst mit 50 Jahren oder sogar noch später damit anfangen.» Ihm sei der Gesundheitsaspekt des Sports zentral, weshalb das Training des ganzen Körpers im Vordergrund steht.
Davon zeugen die vielseitigen Trainingsgeräte im Trainingsraum der Familie de Vries. Die Pokale zeugen von den vielen Erfolgen des Vereinsgründers und -präsidenten, der zugleich auch als Vizepräsident des nationalen Armwrestlerverbands amtet. Mit 15 Jahren ist Fotios Grivas aus Grellingen das jüngste Mitglied des Vereins. Ihn begeistere, dass man mit der richtigen Technik auch stärkere Gegner besiegen kann. «Ich habe in meinen ersten Monaten bereits grosse Fortschritte gemacht, was natürlich motivierend wirkt.» Auch Vater George Grivas ist Teil der Wintersinger Armwrestler-Familie. Der ehemalige Boxer fing mit Armdrücken an, als ein Freund – halb so breit wie er – ihn beim Armdrücken locker geschlagen hat. «Das hat mir nicht gut getan», erinnert sich George Grivas mit einem Lachen. Heute würde dies mit Bestimmtheit nicht mehr passieren, sind sich alle im Trainingsraum einig.
Auch als Boxer musste George Grivas einsehen, «dass Armwrestling nicht so einfach ist, wie es aussieht». Schon manches Grossmaul musste erkennen, dass man gegen die Wintersinger Armdrücker nur schwer eine Chance hat. «Das ist regelmässig ein witziges Spässchen auf Partys, wenn wir herausgefordert werden, weil starke Jungs das Ganze völlig unterschätzen», erzählt Pieter de Vries. «Es ist der grösste Fehler, uns herauszufordern», stellt der amtierende Doppel-Schweizermeister klar.
Platz wird knapp
Die Armwrestler-Szene wird schweizweit immer grösser. Auch der Verein «Underground Armsport» wächst stetig. Mittlerweile sind es 22 Mitglieder – Tendenz weiter steigend. Wenn befreundete Vereine zum gemeinsamen Training vorbeikommen, werde es im Keller schon mal eng und die Luft dick. Falls das Wachstum anhält, muss sich der Verein gemäss Präsident Pieter de Vries Gedanken machen, ob sie weiterhin hier trainieren können.
Aktuell drehen sich die Gedanken bei den Mitgliedern von «Undergrund Armsport» ganz um die Schweizermeisterschaften von morgen Samstag. Es soll primär ein tolles Fest werden. Platz für weitere Pokale im Trainingsraum in Wintersingen liesse sich mit Bestimmtheit finden.


