Erzwungene Reformen im Jakobushaus
27.03.2026 ThürnenDie Trägergemeinden treten per sofort und endgültig aus dem Stiftungsrat aus
Ihre Bemühungen um moderne Strukturen der Jakobushaus-Stiftung schienen ins Leere zu laufen. Deshalb ziehen Thürnen, Diepflingen und Böckten ihre Gemeinderatsvertreter «per ...
Die Trägergemeinden treten per sofort und endgültig aus dem Stiftungsrat aus
Ihre Bemühungen um moderne Strukturen der Jakobushaus-Stiftung schienen ins Leere zu laufen. Deshalb ziehen Thürnen, Diepflingen und Böckten ihre Gemeinderatsvertreter «per sofort» aus dem Gremium ab. Sie zwingen damit die Stiftung, die Organisation anzupassen.
Peter Sennhauser
Es sei weder ein «Eklat» noch eine «Kurzschlusshandlung», betonen die Gemeindevertreterinnen von Böckten und Diepflingen, Marissa Thommen und Stefanie Orlandi. Heute Freitag informieren sie zeitgleich und zusammen mit Gemeinderat Urs Felder von der Standortgemeinde des Alters- und Pflegeheims, Thürnen, die Öffentlichkeit darüber, dass sie sich persönlich aus dem Stiftungsrat der Mutschler-Schaffner Stiftung Jakobushaus zurückziehen. Mehr noch: Die Gemeinderäte aller drei Dörfer haben beschlossen, sich permanent aus dem Stiftungsrat zurückzuziehen. Dies sollte allerdings ursprünglich nach einer geordneten Umstrukturierung der Stiftung geschehen.
Der Stiftungsrat ist eines von zwei Lenkungsgremien der Stiftung. Er setzt sich aus vier Vertretern reformierter kirchlicher Organisationen (reformierte Synode, reformierter Kirchenrat und zwei Vertreter der reformierten Kirchgemeinde Sissach-Böckten-Diepflingen-Itingen-Thürnen) und drei Delegierten aus den Gemeinderäten der Trägergemeinden Böckten, Thürnen und Diepflingen zusammen.
Präsidentin in einer Doppelrolle
Das zweite, vom Stiftungsrat zu wählende Gremium ist die maximal sieben Personen umfassende Heimkommission, welche die Beschlüsse des Stiftungsrats umzusetzen hat. In der aktuellen Konstellation hat die Präsidentin des Stiftungsrats, Jacqueline Fürer-Kugel, auch einen Sitz in der Heimkommission inne. Eine eher ungewöhnliche Doppelrolle, die bei Konflikten schwierige Situationen bringen dürfte, gerade wenn es um eine Neuverteilung von Kompetenzen geht.
Jacqueline Fürer erklärte auf Anfrage, der Prozess sei weniger als anderthalb Jahre gelaufen, und anlässlich mehrerer Abstimmungen seien die Gemeindevertreter mit Vorschlägen unterlegen. Grundsätzlich sei man sich aber einig gewesen, dass die Gemeinden nicht mehr im Stiftungsrat vertreten sein müssten. Eine Mehrheit habe sich aber, anders als die Gemeinden, für die Beibehaltung von Stiftungsrat und Heimkommission ausgesprochen. Eine Neuverteilung der Kompetenzen scheint indes genau das zu sein, was nach dem Beschluss der Gemeinden nötig wird.
Das Heim steht mit der jüngsten Entwicklung vor dem nächsten Akt in einer Reihe von Vorfällen, die in der Öffentlichkeit zu reden gaben: zwei abrupte Leiterwechsel, eine hohe Personalfluktuation und breite Unzufriedenheit bei Angehörigen.
In Sitzungen zerredet
Warum genau es nicht möglich war, hinter verschlossenen Sitzungstüren zu einer Neuorganisation zu finden, darauf haben auch die Gemeindevertreterinnen keine exakte Antwort: Sie hätten anderthalb Jahre lang viel Zeit und Engagement eingebracht, um auf die Professionalisierung in den Leitungsgremien hinzuwirken. Aber selbst nachdem die Gemeinderäte der drei Trägergemeinden dem Ausscheiden aus dem Stiftungsrat zugestimmt hätten, sei im Stiftungsrat selber immer wieder alles «zerredet» worden.
«Viele Altersheime sind mittlerweile daran, ihre Gremien zu verschlanken und zu professionalisieren – das war auch unsere Intention», sagt Marissa Thommen. «Wir Gemeindevertreter waren der Ansicht, dass Fachpersonen mit entsprechender Branchenerfahrung eine bessere Unterstützung bieten können. Während anderthalb Jahren haben wir uns mit grossem zeitlichem Engagement dafür eingesetzt. Leider kehrten die Diskussionen jedoch immer wieder zum Ausgangspunkt zurück. Da wir letztlich keinen aktiven Einfluss nehmen konnten, war es für uns – nach reiflicher Überlegung, Diskussionen in den Gemeinderäten und rechtlichen Abklärungen – der logische Schritt, unsere Verantwortung wahrzunehmen und aus dem Stiftungsrat auszutreten.»
«Äusserst begrenzt»
So stellen die drei Zurücktretenden in einem Communiqué auch unverhohlen fest: «Die Einflussnahme der drei delegierten Gemeinderätinnen und Gemeinderäte erwies sich jedoch als äusserst begrenzt.» Zuletzt sei nur die Möglichkeit geblieben, mit vollendeten Tatsachen Bewegung in den Prozess zu bringen.
Wohin man gerne hin gesteuert hätte, beschreibt die Diepflinger Gemeindepräsidentin Stefanie Orlandi: «Unser Ziel war es, eine ähnliche Entwicklung anzustossen, wie sie in Sissach bereits umgesetzt worden ist. Dort wurden die Gemeinden aus dem Stiftungsrat herausgelöst, wodurch schlankere und professionellere Strukturen und schnellere Kommunikationswege geschaffen werden konnten. Ein vergleichbarer Ansatz wäre auch für das Jakobushaus denkbar – etwa durch eine Zusammenführung der Heimkommission mit dem Stiftungsrat und durch eine Neukonstituierung unter Einbezug zusätzlicher fachkundiger Personen.»
Jetzt werden solche Anpassungen unumgänglich. Der Stiftungsrat wird sich also ohne die Gemeindevertreter neu organisieren müssen. Dies werde ohne Nachteile für Heimbewohnende und Mitarbeiter möglich sein: Das sei auch die Auskunft der zuständigen Behörden, schreiben die Gemeindevertretenden. Man habe den Schritt nicht nur mit den Gemeinderäten, sondern selbstredend auch mit der Stiftungsaufsicht abgesprochen.

