Erster Werbezug auf WB-Strecke
31.03.2026 WaldenburgEin ganzes Tram im «Rero»-Design
Ab sofort prangt das Rero-Signet auf schwarzem und crèmefarbenem Grund an einer Zugskomposition der Waldenburgerbahn (WB). Es handelt sich um das erste Werbetram der WB. Die Jungfernfahrt sorgte für einige Aufmerksamkeit.
...Ein ganzes Tram im «Rero»-Design
Ab sofort prangt das Rero-Signet auf schwarzem und crèmefarbenem Grund an einer Zugskomposition der Waldenburgerbahn (WB). Es handelt sich um das erste Werbetram der WB. Die Jungfernfahrt sorgte für einige Aufmerksamkeit.
André Frauchiger
«Fullbranding mit der Waldenburgerbahn – etwas, das es so noch nie gab», schrieb Geschäftsführer Thomas Tschopp in seiner Einladung an die Gäste und Medien. In der Tat: Die Präsentation eines WB-Zugs mit dem roten Rero-Schriftzug vor allem auf schwarzem Hintergrund war nicht nur eine Premiere für das Unternehmen Rero, sondern auch für das «Waldenburgerli». Eine so grosse Werbung gab es bei dieser Bahn noch nie. Und die «alten» Farben der Waldenburgerbahn – Rot und Crème – erleben neben dem Schwarz und Rot der Rero auch eine Art Renaissance. Der Rero-Bahnzug wird nun für ein Jahr zwischen Waldenburg und Liestal pendeln und dabei zweifellos die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich ziehen.
Thomas Tschopp sagte an der Einweihungsfeier im Depot Waldenburg, an der die ganze Rero-Belegschaft teilnahm, dass die Tramwerbung eine gute Gelegenheit sei, für sich zu werben, ebenso für die BLT, um ihre Werbeeinnahmen zu steigern. Allenfalls könnten weitere Firmen zu einem solchen Auftritt motiviert werden.
Für die Rero, die auf ein mehr als 140-jähriges Bestehen blicken könne, gehe es aber um viel mehr: Mit der Bahn-Werbung werde darauf hingewiesen, dass die Firma seit ihrer Gründung in Waldenburg ansässig sei, im «Stedtli» nach wie vor ihre Wurzeln habe und ihre weiterhin gültigen Werte habe entwickeln können. Der Pioniergeist des Unternehmens lebe wieder auf – auch im Zusammenhang mit der Erneuerungsstrategie beim Projekt «Rero 2033» mit einem Investitionsvolumen von rund 10 Millionen Franken (siehe Kasten). Innovation stehe dabei im Vordergrund. Ein Zug bedeute symbolisch Bewegung in eine vielversprechende Zukunft.
Rero fast so alt wie die WB
Tschopp erinnerte an die Firmenphilosophie: «Tradition und Innovation ist kein Widerspruch.» Neugier und der Wille, die Zukunft zu gestalten, seien für Rero das Erfolgsrezept.
Die Waldenburgerbahn und die Rero AG sind übrigens fast gleich alt: Im Jahr 1880 nahm die Bahn ihren Betrieb auf, zwei Jahre später, 1882, erfolgte die Gründung des Familienunternehmens.
Die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Sulzer wies in einem kurzen historischen Abriss auf die Gründung und Entwicklung der Uhrenindustrie im Tal und insbesondere im Städtchen Waldenburg hin. Im Waldenburgertal habe schon vor mehr als 100 Jahren Unternehmergeist geherrscht. Und das Bewusstsein, es in wirtschaftlicher Hinsicht besser machen zu können, sei schon immer vorhanden gewesen. Sulzer fragte in die Runde, ob es wohl ein Fehler gewesen sei, das alte Design der Waldenburgerbahn, das ihr den Übernahmen «Crèmeschnitte» gab, aufzugeben. Sie gab die Antwort gleich selbst: Auch Liebgewonnenes müsse im Lauf der Zeit aufgegeben werden können, wenn dies für die Zukunft erforderlich sei. Die Übernahme des BLT-Designs sei richtig gewesen – und das alte Waldenburgerbahn-Signet sei ja weiterhin an der Front- und Heckseite der Züge präsent.
Gemäss Philipp Glogg, Chief Technical Officer der BLT, ist die Rero nicht nur aussen, sondern auch im Inneren des Werbezugs präsent: Auf Bildschirmen wird eine Kurzvorstellung des Unternehmens gezeigt. Ausserdem ist das Rero-Logo auch auf dem Boden des Zugs bei allen Ein- und Ausgängen zu sehen – zusammen mit dem Schriftzug «Wir wünschen Ihnen einen goldenen Tag!»
Auf der Aussenseite in der Zugmitte ist ferner ein grossflächiges Foto eines Mitarbeitenden im Arbeitsumfeld angebracht. Dazu heisst es: «Wir sind Rero. Metallveredelung aus Waldenburg.»
10 Millionen für Metallveredelung
fra. Die Rero AG in Waldenburg ist ein auf die Metallveredelung spezialisiertes Unternehmen. Trotz aktuell unsicherer wirtschaftlicher Lage weltweit investiert die Firma in den kommenden Jahren grosse Summen: Ein klares Bekenntnis zum Standort Waldenburgertal.
2032 kann die Rero AG ihr 150-jähriges Bestehen feiern. Dies an ihrem Geschäftssitz an der Hauptstrasse 96 in Waldenburg, wo Heinrich Tschopp die Firma gegründet hatte. Aktueller Geschäftsführer ist Thomas Tschopp. Er hat die Verantwortung für das Unternehmen, das sich in Familienbesitz befindet, 2015 nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Reinhold zusammen mit seinem Cousin Adrian übernommen.
Die Rero AG ist auf das Galvanisieren, Elektropolieren und Eloxieren von Metall spezialisiert. Sie produziert veredelte Metallteile auf Bestellung von Händlern, die dann ihrerseits den Verkauf an weiterverarbeitende Betriebe übernehmen, darunter auch die Medizinaltechnik.
Beim Galvanisieren werden metallische Schichten auf eine Oberfläche gebracht. Es stehen unterschiedliche galvanische Verfahren zur Auswahl: Nickel, Gold, Silber, Chrom, Zink und Kupfer. Beim Elektropolieren geht es um Stahl, der durch dieses Verfahren glänzend, korrosionsfest, grat- und partikelfrei wird und reine und glatte Oberflächen erhält. Neben dem Elektropolieren zählen auch Entgraten, Beizen und Passivieren zum Verfahrensspektrum des Unternehmens. Eloxieren ist die elektrische Oxidation von Aluminium. Die Oxidationsschicht ist dann hart und verschleissfest. Die Oberschicht kann auf Wunsch auch eingefärbt werden.
Der Automatisierungsgrad ist hoch. Aber es gebe nach wie vor auch viel Handarbeit, betont Tschopp. Gute Chemie- und Mathematikkenntnisse der Mitarbeitenden seien dabei neben den handwerklichen Fähigkeiten besonders gefragt.
Spezielle Förderung und Unterstützung erhalten die rund 90 Angestellten, davon neun Lernende. Bewusst wird mit den Beschäftigten ein sogenanntes «Entwicklungsgespräch» geführt, losgelöst von den Lohngesprächen. Dabei geht es um die individuelle Klärung der beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten aus Sicht der Arbeitnehmenden und des Unternehmens. Die Frage nach dem Wohin sei motivierend und führe in der Regel für alle zu guten oder zumindest befriedigenden Ergebnissen. Die Weiterbildungen und Schulungen erfolgen intern und extern. Dies lohne sich für das Unternehmen, unterstreicht Tschopp.
Die Rero hat laut dem Geschäftsführer vor einiger Zeit einen neuen Galvanikautomaten in Betrieb genommen. 2027 werde es einen neuen Elexomaten geben und für 2029 sei die Modernisierung der wichtigen Lüftungssysteme geplant. Diese Investitionen basieren auf der Strategie «Rero 2033», die auf zehn Jahre ausgelegt ist. Mit Innovationen und Investitionen in die modernsten Branchen-Technologien sowie in IT und Automatisierung werde eine erfolgreiche Zukunft angestrebt. Das Investitionsvolumen beträgt gesamthaft rund 10 Millionen Franken.
Die vergangenen zehn Jahre seien für die Firma mehrheitlich gut gewesen, sagt Tschopp. Die Auswirkungen der Pandemie hätten einen Einbruch von Umsatz und Ertrag bewirkt. Nach Corona sei die Geschäftslage zwei Jahre lang sehr gut gewesen und habe dann wie viele andere Unternehmen die weltwirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs zu spüren bekommen. Dies dürfte auch beim Krieg im Iran gelten. Seit diesem Jahr stünden die Zeichen aber wieder auf stärkerem Wachstum, sagt Thomas Tschopp.
Für die Rero von grosser Relevanz sind insbesondere die stark schwankenden Energiepreise, da die Metallveredelung viel Energie erfordert. Langfristverträge beim Strom hätten eine gewisse Erleichterung gebracht, wenn auch zeitlich begrenzt.
Trotz gewisser Unsicherheiten hat sich das Unternehmen ehrgeizige Ziele gesetzt. Thomas Tschopp: «Als Zehn-Jahres-Ziel hoffen wir, eine Verdoppelung von Umsatz und Ertrag zu erreichen.»

