Erfolgreicher Direktvermarkter
10.03.2026 RamlinsburgDer Baselbieter Obstverband lud zu einem Informationsanlass ein
Einige Mitglieder des Baselbieter Obstverbands bieten ihre Produkte in ihren Hofläden an. Sie liessen sich im «Öpfelhüsli» über eine erfolgreiche Direktvermarktung orientieren.
...Der Baselbieter Obstverband lud zu einem Informationsanlass ein
Einige Mitglieder des Baselbieter Obstverbands bieten ihre Produkte in ihren Hofläden an. Sie liessen sich im «Öpfelhüsli» über eine erfolgreiche Direktvermarktung orientieren.
Elmar Gächter
Laut dem Schweizerischen Bauernverband (SBV) haben landwirtschaftliche Betriebe mit Direktvermarktung seit 2010 schweizweit von rund 7000 auf mehr als 12 600 zugenommen. Im Baselbiet sind 20 bis 25 Prozent der Betriebe in irgendeiner Form direktvermarktend tätig, wie das Ebenrain-Zentrum auf Anfrage mitteilt. Der SBV schätzt den Anteil der Direktvermarktung am landwirtschaftlichen Ertrag der Schweiz auf 5 bis 7 Prozent. Für Eleonor Fiechter vom Ebenrain kann diese Zahl auch für die Baselbieter Betriebe relevant sein. «Der Wunsch der Konsumentinnen und Konsumenten nach regionalen, transparent produzierten Lebensmitteln sowie die Diversifikation der Betriebe haben stark zugenommen», hält sie fest.
Ein wichtiger Teil der Direktvermarkung findet in Hofläden statt. Dies gilt speziell auch für das Obst und dessen Nebenprodukte. Der Baselbieter Obstverband (BOV) hat seine Mitglieder deshalb zu einem Anlass eingeladen, um den Gedankenaustausch zu pflegen und am Beispiel eines grösseren Direktvermarkters Fragen zur Führung eines Hofladens und zur Preiskalkulation zu erörtern.
David Lüthi leitet seit Anfang 2025 den Betrieb Lüthi Obstbau in Ramlinsburg, den seine Eltern Ernst und Esther vor ein paar Jahren gegründet haben. Die Familie produziert zusammen mit Angestellten auf rund 12 Hektaren Steinobst für den Grosshandel sowie Früchte für den Direktverkauf.
Im Jahr 2018 entstand gleich neben der Station Lampenberg-Ramlinsburg der Waldenburgerbahn ein Laden- und Lagergebäude. Der Hofladen trägt den Namen «Öpfelhüsli» und erinnert an das gleichnamige, früher bescheidene Hoflädeli in unmittelbarer Nähe. Das Aushängeschild ist der rund 100 Quadratmeter grosse Hofladen, wo Kunden je nach Jahreszeit aus Lüthis Eigenprodukten von mehr als 20 Apfelsorten, Birnen, Kirschen, Zwetschgen, Aprikosen, Pfirsichen sowie Nebenprodukten wie Most, Sirup, Konfitüren, gedörrten «Öpfelringli», Spirituosen oder Apfelmus wählen können. Zusätzlich bieten sie zugekaufte Produkte wie Gemüse, Fleisch, Brot, Eier oder Teigwaren an. «Die meisten unserer Eigenprodukte sind nicht verpackt. Unsere Einstellung ist nicht eine möglichst verspielte Ladengestaltung, sondern eine breite Auswahl und effizientes Arbeiten», betont David Lüthi.
45 000 Liter Most pro Jahr
Die nahe gelegene, stark befahrene Durchgangsstrasse sowie die gute Zuund Wegfahrt zum Hofladen bezeichnet David Lüthi primär als Segen, sie lädt jedoch auch zur Selbstbedienung ein. «Da vor allem nachts gestohlen wurde, mussten wir die Öffnungszeiten auf den Tagesbetrieb begrenzen», sagt der ausgebildete Obstbaumeister. Über vier Kameras lässt sich der Hofladen sowohl innen als auch aussen mit einem Tablet überwachen.
Bezahlt werden kann mit Bargeld oder mit Twint. Ob sich Lüthis für ein erweitertes Zahlungssystem, das Jürg Bill aus Worb mit den Zahlautomaten seiner Bill GmbH den Besucherinnen und Besuchern des Anlasses vorstellte, entscheiden werden, lässt David Lüthi offen. Er führt für jedes seiner Produkte eine klare Kostenkalkulation, die er seinen Gästen anhand verschiedener Beispiele erläutert. Seit dem Bau des «Öpfelhüslis» wird direkt auf dem Betrieb gemostet. Mit der Bandpresse werden etwa 45 000 Liter Most pro Jahr produziert, die in Gebinden von 5 Litern bis zu 3-Deziliter-Flaschen verkauft werden. Kernstück des Lagergebäudes sind die grossen Kühlzellen für eine Langzeitlagerung von bis zu 200 Tonnen Äpfel und Birnen.
Michael Kaufmann, Sandrine Kellerhals und Ernst Lüthi haben als Mitglieder des Baselbieter Obstverbands den Anlass organisiert. «Auch bei den Obstproduzenten und -verarbeitern nimmt die Direktvermarktung zu und es gibt verschiedene neue Hofläden. Deshalb ist es wichtig, über Erfahrungen und aktuelle Trends informiert zu bleiben», sagt Kaufmann. Er ist Obmann der Arbeitsgruppe Direktvermarktung beim BOV und Juniorchef von Obst- und Weinbau Kaufmann in Buus mit eigenem Hofladen. Für ihn war vor allem das Thema Kostenkalkulation zentral. Eine gute Marge sei wichtig, doch müsse man realistisch kalkulieren und den eigenen Zeitaufwand mitberücksichtigen.
«Als Mitglied der schweizerischen Direktvermarktungsorganisation, die Richtpreise aushandelt, stelle ich immer wieder fest, dass einige Direktvermarkter in Baselland ihre Produkte weit unter den Richtpreisen verkaufen. Natürlich sind diese nur Vorschläge, aber man muss auch nicht nur den tiefsten Preis nehmen», so Kaufmann.

