Erfolgreiche Konstante
20.08.2026 Sport, Fussball2013 ist der FC Gelterkinden in die 2. Liga aufgestiegen und ist seither im besten Sinn «langweilig»: Die Oberbaselbieter gehen in ihre 14. Saison in Folge in der höchsten Regionalliga. Die Serie ausbauen soll mit Peter Sprenger ein neuer Trainer.
Sebastian ...
2013 ist der FC Gelterkinden in die 2. Liga aufgestiegen und ist seither im besten Sinn «langweilig»: Die Oberbaselbieter gehen in ihre 14. Saison in Folge in der höchsten Regionalliga. Die Serie ausbauen soll mit Peter Sprenger ein neuer Trainer.
Sebastian Wirz
Peter Sprenger steht auf dem Kunstrasen der «Wolfstiege» und blickt auf das Spielfeld. Sein FC Gelterkinden hat soeben eine Aufwärmübung vor dem Test gegen Liestal beendet. Die Spieler sammeln die Hütchen ein. «Da muss man nichts sagen, das machen die von alleine», sagt Sprenger, der die Gelterkinder Zweitligisten auf die anstehende Saison hin übernommen hat. «Diese Mannschaft ist sehr autonom und geht Dinge selbstständig an. Das ist schon aussergewöhnlich», sagt der Trainer vor dem ersten Saisonspiel am Samstag in Möhlin (18 Uhr).
Für den gebürtigen Hölsteiner ist das Engagement in der 2. Liga der nächste Schritt. Fussballerisch gross geworden beim FC Oberdorf, hat er seine Sporen als Trainer in Pratteln, bei Bubendorfs zweiter Mannschaft, in Zwingen und Münchenstein bis hin zur 3. Liga abverdient. Das Interesse aus Gelterkinden kam für den Projekt-Koordinator bei den SBB, der nebenbei einmal pro Woche in der Fussball-Akademie des ehemaligen Bubendorf-Trainers Matthias Maeder Fördertrainings leitet, im Frühjahr zum richtigen Zeitpunkt.
Sprenger wohnt in Muttenz, aber mit Blick auf die Spieler, die sich unter Anleitung von Assistent Kevin Schneider für die nächste Übung bereit machen, sagt er überzeugt: «Diese Mannschaft ist die 30 Minuten Anfahrtsweg auf jeden Fall wert.» Dabei geht es ihm nicht primär um Fussballerisches: Wenn man so viel Zeit miteinander verbringe, seien die Beziehungen «neben dem Platz» sehr wichtig, sagt der Trainer. «Und der Teamspirit ist hier auf jeden Fall vorhanden.»
Zu wenige Tore
In Gelterkinden konnten Beobachter in den vergangenen Jahren den Eindruck gewinnen, dass dieser Zusammenhalt für den Ligaerhalt ausreicht. Jedes Jahr gibt es Niederlagen-Serien oder längere Phasen, in denen der FCG kaum punktet. Doch das Team bricht nicht auseinander – und irgendwann überrascht es mit drei oder vier Siegen am Stück, verabschiedet sich gegen oben aus dem Abstiegsrennen und spielt die Saison ohne grosse Not zu Ende.
«Die Spieler wissen, was sie können», drückt es Sprenger aus. Das Team spiele einen einfachen, aber guten Fussball. Entsprechend wolle er nicht alles ändern, was seine Vorgänger aufgebaut haben – «aber es sollten schon ein paar Tore mehr möglich sein», ist der neue Trainer überzeugt. In der vergangenen Saison trafen die Gelterkinder erstmals seit Corona knapp mehr als zweimal pro Spiel, davor waren es zwischen 1,3 (2024/25) und 1,9 (2022/23) Tore pro Partie gewesen. Erhalten haben die Oberbaselbieter mit Ausnahme der Saison 2023/24 (1,8) immer mehr als zwei Gegentreffer pro Match.
Der FC Gelterkinden mag kein Zweitligist sein, vor dem sich die Konkurrenz fürchtet, aber er legt für einen ländlichen Verein, der keinen Geldsäckel für Transfers vor sich her trägt, eine beeindruckende Konstanz an den Tag. Nachdem der lang ersehnte Aufstieg im Jahr 2001 endlich klappte, stieg der Verein nach zwei Jahren zwar schon wieder ab. Doch er setzte sich dafür mit acht Podestplätzen in zehn Jahren an der Spitze der 3. Liga fest. Weil der Gruppensieg jedoch nicht den direkten Aufstieg bedeutete, wurde die Rückkehr in die 2. Liga lange nicht Realität. Erst 2013 spielte der FCG wieder in der höchsten Regionalliga – und ist seither von dort nicht mehr wegzubringen.
«Mittelfeldteam» als Lob
In 13 2.-Liga-Saisons retteten sich die Gelterkinder dreimal auf Rang 11 knapp über dem Strich, ebenso häufig knackten sie aber auch die Top 5. Überraschend viele Meisterschaften beendete der FCG im oft zitierten «gesicherten Mittelfeld» und lieferte «langweiliges» Zweitligahandwerk ab. Zum Vergleich: In dieser Phase stieg Bubendorf zweimal auf, holte einen Basler-Cup-Sieg und musste einmal die Relegation antreten. Der SV Sissach ist in dieser Zeit zweimal auf- sowie dreimal abgestiegen, und bei den Rossoneri ging es je zweimal hoch und runter. Im «Volksstimme»-Gebiet gibt es kein anderes Team in der 4. Liga oder höher, das in diesen 13 Jahren nie die Spielklasse gewechselt hat.
Diese Konstanz erklärt sich wohl auch in der Kontinuität im Kader: Es gibt beim FCG meist wenige Veränderungen, und wenn, stammen die Neuen mehrheitlich aus dem eigenen Nachwuchs respektive der zweiten Mannschaft in der 3. Liga. Auch diesen Sommer stossen keine strahlkräftigen Einkäufe zum Team, sondern vier FCG-Spieler mit Jahrgängen 2004 bis 2006.
Der FC Gelterkinden bleibt sich also treu, und Neuling Peter Sprenger darf damit rechnen, dass der Verein nicht gleich nervös würde, wenn die Resultate einmal ausblieben. Gleichzeitig sollte die 14. 2.-Liga-Saison in Serie auf der «Wolfstiege» nicht als automatische Verlängerung eines Dauerabos in der höchsten regionalen Spielklasse verstanden werden. Gelterkinden verfügt nicht über viele Individualisten, die eigenhändig Matches gewinnen, und der Ligaerhalt der zweiten Mannschaft in der 3. Liga dürfte den Verein auch fordern. Der FC Gelterkinden wird weiterhin jeden Punkt nehmen müssen, der sich ihm bietet. Entsprechend sagt Sprenger angesprochen auf die Saisonziele, während er seine Spieler beim Aufwärmen beobachtet: «Wir wollen uns von Anfang an vom Tabellenende fernhalten – und dann schauen wir, was möglich ist im Mittelfeld der Tabelle.»
Kader 2026/27
Tor: Marc Kühn (2005, neu von 2. Mannschaft), Jannis Lüthy (2002),
Cyril Saladin (1996).
Verteidigung: Marco Belser (1994), Timo Di Biase (1994), Manel Grieder
(2006, neu, 2. Mannschaft), Peppino Martin (2000), Benjamin Pierer (1995),
Toni Rauch (1998), Andrin Vaterlaus (2006), Livio Zurflüh (2002).
Mittelfeld: Marek Binjas (2005), Timo Buess (2005), Lukas Burkhardt (1994),
Oliver Dudler (1999), Fabio Hammernick (2000), Konrad Jan Koszyk (2004),
Linus Martin (2004, neu, 2. Mannschaft), Fabio Spinella (1995),
Viorel Trüeb (1996), Numa Tschopp (1997), Gian Ivo Vaterlaus (2004),
Milo Weber (2005, neu, 2. Mannschaft), Justin Wüthrich (2006).
Sturm: Nico Geneto (2008), Lars Lutz (2004), Mirco Schumacher (1999).
Staff: Peter Sprenger (Trainer, neu, FC Münchenstein), Kevin Schneider,
Marco Burtschi (beide Assistenten), Daniel Eichenberger (Torhütertrainer).

