Einwohner rüsten sich für historisches Wochenende
12.05.2026 WisenDorf feiert 800. Geburtstag – und sucht Helfer
Bevor Wisen im September mit einem dreitägigen Fest auf der «Munimatt» seinen 800. Geburtstag begeht, marschieren die Wisner am Donnerstag gemeinsam mit der Nachbargemeinde Läufelfingen, die ebenfalls ihr ...
Dorf feiert 800. Geburtstag – und sucht Helfer
Bevor Wisen im September mit einem dreitägigen Fest auf der «Munimatt» seinen 800. Geburtstag begeht, marschieren die Wisner am Donnerstag gemeinsam mit der Nachbargemeinde Läufelfingen, die ebenfalls ihr 800-Jahre-Jubiläum feiert, am traditionellen Banntag.
Sander van Riemsdijk
Die Vorfreude ist dem OK-Präsidenten Roland Nussbaumer deutlich anzumerken. «Ich sehe dem Grossanlass mit Zuversicht und Freude entgegen. Es wird ein grosses Fest», sagt er. Vom 18. bis 20. September feiert Wisen – angelehnt an das Oktoberfest – unter dem Motto «Wisenfest» seinen 800. Geburtstag.
Exakt am 1. Januar 2025 hatte ein 15-köpfiges Organisationskomitee die Planung aufgenommen. «Wir wollen ein Fest gestalten, das weit über die Gemeinde und die Kantonsgrenze hinausstrahlt», so Nussbaumer, der am Eingang des Dorfes den Landwirtschaftsbetrieb Zelgli führt. «Dieses historische Jubiläum bietet die einmalige Gelegenheit, unsere Vergangenheit zu würdigen, die Gegenwart zu feiern und gemeinsam den Blick in die Zukunft zu richten.»
Eigentlich hatte Nussbaumer nicht vorgehabt, das Amt zu übernehmen. Als jedoch mehrere Versuche, eine Präsidentin oder einen Präsidenten zu finden, scheiterten, sagte er schliesslich zu. Mit seiner Erfahrung als langjähriger Feuerwehrkommandant, seiner Mitgliedschaft in verschiedenen Kommissionen und der Betriebsführung seines Landwirtschaftsbetriebs ist er für die Aufgabe bestens geeignet – und im Dorf tief verwurzelt.
Die ersten drei Sitzungen des Organisationskomitees fanden unter dem Patronat des Gemeinderats statt. In einer ersten, zeitaufwendigen Phase wurden im Brainstorming Ideen gesammelt. Schnell war man sich einig: Das Fest soll ein historisches Ereignis werden, das Zusammenhalt und Verbundenheit im Dorf nachhaltig stärkt. «Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren, und wir sind im Fahrplan», so Nussbaumer.
Der Festführer ist fertig, die Sponsorensuche abgeschlossen, vieles organisatorisch und logistisch aufgegleist. Einzig die Suche nach freiwilligen Helferinnen und Helfern gestaltet sich schwierig. «Einige Wochen zuvor führt auch Läufelfingen sein 800-Jahre-Jubiläumsfest durch, das ebenfalls auf Helfer angewiesen ist», erklärt Nussbaumer. Erschwerend komme hinzu, dass das Vereinsleben im Dorf wenig aktiv sei.
Gäste aus zwei Kantonen
Ein grosses Festzelt mit Platz für rund 500 Personen bildet das Herzstück der Feierlichkeiten. Eröffnet wird das Fest am Freitagabend mit einem Auftritt von 65 Kindern der Kreisprimarschule Hauenstein/Ifental-Wisen; danach legt DJ René aus Wenslingen auf. Ein besonderer Höhepunkt am Samstag ist der Holzerwettkampf, bei dem Forstwarte in mehreren Disziplinen mit der Motorsäge gegeneinander antreten. Der Sonntag steht ganz im Zeichen des Festakts: Nach dem Gottesdienst mit Zirkus-Seelsorger Adrian Bolzern sprechen Regierungsvertreter der Kantone Solothurn und Baselland. Für die musikalische Umrahmung sorgen ein Jodlerchor und eine Brassband, für das kulinarische Angebot zwei Foodtrucks.
Roland Nussbaumer beobachtet im 440-Einwohner-Dorf, das viele Zugezogene beherbergt, einen wachsenden Zusammenhalt. «Es ist mir wichtig, nach aussen zu tragen, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollen und können.» Dieser Gemeinschaftsgedanke soll über das Festwochenende hinaus wirken – etwa durch den gemeinsamen Banntag mit Läufelfingen am Donnerstag, der die beiden Nachbargemeinden diesseits und jenseits der Kantonsgrenze verbindet. Für den OK-Präsidenten ist das Fest ein Erfolg, «wenn alle Leute fröhlich sind, das Fest geniessen, Gespräche über die Kantonsgrenze hinaus stattfinden und die Gemeinschaft gepflegt wird.»
Ein allfälliger Fest-Ertrag soll einem zweiten Wisen-Buch zugutekommen. Das erste hatte der Wisner Fotograf Christian Gerber zur 700-Jahre-Feier der Schweiz 1991 mit Bildern des Dorfes und seinen damaligen Bewohnerinnen und Bewohnern herausgegeben.
Wison, Wissen, Wysen und Wisen svr.
Das Gemeindegebiet von Wisen war bereits in der Bronze- und Römerzeit besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1226 – bereits unter dem heutigen Namen – in einer Urkunde des Klosters Schönthal. Spätere Schreibweisen waren Wison (1325), Wissen (1459) und Wysen (1526).
Seit dem Mittelalter unterstand Wisen der Herrschaft der Grafen von Frohburg. 1367 ging das Dorf an die Grafen von Nidau, 1375 als habsburgisches Lehen an die Thiersteiner und 1418 an die Falkensteiner, welche die Herrschaft Gösgen innehatten. 1458 gelangte Wisen durch Kauf an die Stadt Solothurn und wurde der Vogtei Gösgen zugeordnet. Bis 1839 gab es immer wieder Streitigkeiten zwischen Solothurn und Basel über die Zugehörigkeit des Dorfes; erst seither ist Wisen rechtlich endgültig dem Kanton Solothurn zugeteilt. Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régimes (1798) gehörte Wisen während der Helvetik zum Verwaltungsbezirk Solothurn und ab 1803 zum Bezirk Gösgen.


