Einst ein grosses Rebbaudorf
29.10.2026 ArisdorfDie Gemeinde ist fast schon ein typisches Beispiel für den Wandel der Landwirtschaft
war einst die drittgrösste Rebbaugemeinde im Baselbiet. Krankheiten und günstige Importweine führten zum Niedergang des Weinbaus. Heute erinnern nur noch wenige Rebflächen an die ...
Die Gemeinde ist fast schon ein typisches Beispiel für den Wandel der Landwirtschaft
war einst die drittgrösste Rebbaugemeinde im Baselbiet. Krankheiten und günstige Importweine führten zum Niedergang des Weinbaus. Heute erinnern nur noch wenige Rebflächen an die einstige Bedeutung des Weins für das Dorf.
Thomas Gubler
«Wenn die Milane kreisen, und in den Reben verstecken sich Hasen und Rehe, dann befinden wir uns in Arisdorf.» Dieser poetische Satz auf der Website von «Locher Weine» ist mit Sicherheit nicht falsch. Er gibt die Verhältnisse allerdings nur noch für einen kleinen Teil der örtlichen Terrains wieder. Denn Arisdorf, am Nordausgang des gleichnamigen Autobahntunnels und an der Spitze des Dreiecks Liestal - Arisdorf - Sissach gelegen, ist längst kein typisches Weinbaudorf mehr. Das war es aber einmal. Und «Locher Weine» hat inzwischen auch den Fokus wieder etwas auf den Arisdörfer Weinbau gerichtet.
Blenden wir also zurück in das 19. Jahrhundert. Damals waren im Kanton Baselland nicht weniger als 600 Hektaren Landwirtschaftsland mit Reben bepflanzt. «In dieser Zeit war Wein nicht wie heute ein Genussmittel, sondern ein Lebensmittel; und nicht selten das einzige verfügbare hygienisch einwandfreie Getränk», sagt der Baselbieter Rebbaukommissär Urs Weingartner gegenüber der «Volksstimme». Und Arisdorf – an bevorzugt sonniger Lage – war die drittgrösste Rebgemeinde im Kanton.
Was dann folgte, war ein dramatischer Niedergang des Rebbaus im Kanton Baselland. Zwischen 1850 und 1950 sorgten Pilzkrankheiten wie der Echte und der Falsche Mehltau und die aus den Vereinigten Staaten eingeschleppte Reblaus geradezu für eine Marginalisierung des örtlichen Weinbaus. Die Anbaufläche im Baselbiet schrumpfte auf unter 10 Prozent des einstigen Bestands. Im Jahr 1960, auf dem absoluten Tiefpunkt, betrug die Baselbieter Rebfläche gerade noch 50 Hektaren.
Konkurrenz durch Importweine
Das heisst indessen nicht, dass plötzlich kein Wein mehr in der Region getrunken wurde. Im Zuge des Niedergangs des einheimischen Weinbaus begann etwa der Liestaler Johannes Schwob 1874, Wein zu importieren – und legte damit nicht zuletzt den Grundstein für die Siebe Dupf Kellerei in Liestal, heute der grösste Weinproduzent im Kanton Baselland.
Der Import von Wein Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts hatte allerdings nicht nur den Ausfall der einheimischen Produktion kompensiert. Durch die günstigere und wegen der aufkommenden Eisenbahn auch leicht zu transportierende Ware wurde der einheimische Wein durch den importierten konkurrenziert, was für einen weiteren Niedergang des Weinbaus hierzulande sorgte.
Inzwischen hat sich der Rebbau im Baselbiet wieder erholt. Allerdings unter etwas anderen Bedingungen und mit einer anderen Philosophie. «Qualität statt Quantität» lautet die Devise, die bewirkt hat, dass sich Baselbieter Weine heute auch international nicht mehr zu verstecken brauchen. So holte der Muttenzer Winzer Urs Jauslin mit seinem Pinot Noir «Hohle Gasse» auch schon mal einen Weltmeistertitel.
114 Hektaren beträgt die Anbaufläche im Baselbiet wieder – mit einer beträchtlichen Sortenvielfalt, die von Bacchus über Blauburgunder, Chardonnay, Gutedel, Merlot, Muscaris, Riesling-Silvaner, Sauvignon Soyhière bis zu Zweigelt reicht.
Übrig blieb ein kleiner Rebberg
Arisdorf freilich wurde nicht mehr zu einem wirklichen Rebbaudorf. Der Wandel in der dortigen Landwirtschaft vom Rebbau zum Obstbau und zur Viehwirtschaft blieb nachhaltig. Rebberge wurden zu Viehweiden. Verschwunden ist der Weinbau aber auch dort nicht. Auf etwas mehr als 60 Aren werden heute Trauben der Sorten Blauburgunder, Cabernet Dorsa, Cabernet Sauvignon und Riesling-Silvaner geerntet.
Ein Grossteil dieser Trauben wird von Regina und Martin Locher unter dem Begriff «Locher Weine» vermarktet. Allerdings reicht auch für Locher Weine, die 6000 bis 8000 Flaschen pro Jahr produzieren, der Arisdörfer Rebberg nicht aus. Neben Arisdorf verfügen die Lochers über Anbaugebiete in Oberdorf und in Itingen, aus deren Trauben ihre Weine («Lideschaft us em Baselbiet, wo me schmöckt») gekeltert werden.

