«Einsparungen sind grundsätzlich möglich»
17.04.2026 Gelterkinden«Campus Loggia»-Planer Logan Amont zu den Projektkosten, «Ratio» und Know-how
Gegner des Projektierungskredits fürs neue Gelterkinder Schulhaus kritisieren insbesondere die aus ihrer Sicht zu hohen Kosten. Der Planer des «Campus Loggia» verweist auf die ...
«Campus Loggia»-Planer Logan Amont zu den Projektkosten, «Ratio» und Know-how
Gegner des Projektierungskredits fürs neue Gelterkinder Schulhaus kritisieren insbesondere die aus ihrer Sicht zu hohen Kosten. Der Planer des «Campus Loggia» verweist auf die üblichen Baukosten pro Klassenzimmer, die bei den meisten Neubauten deutlich höher lägen.
Christian Horisberger
Herr Amont, Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass mit einem alternativen Projekt der Projektierungskredit für Ihren Entwurf «Campus Loggia» zu Fall gebracht werden soll?
Logan Amont: Grundsätzlich ist es in einem öffentlichen Prozess legitim, dass alternative Vorschläge eingebracht werden, solange die gültigen Regeln respektiert werden. Entscheidend ist jedoch, dass diese auf einer neutralen und vergleichbaren Grundlage beurteilt werden. Ohne dies besteht die Gefahr, dass einzelne Aspekte isoliert betrachtet werden und kein vollständiges Bild entsteht.
Das alternative Projekt soll 4 Millionen Franken weniger kosten als Ihr «Campus Loggia». Halten Sie diesen Betrag für realistisch?
Ohne eine detaillierte, überprüfbare Grundlage ist eine solche Aussage schwer einzuordnen. Die Kosten eines Schulbaus hängen wesentlich vom Raumprogramm, der Konstruktion und der langfristigen Nutzung ab. «Campus Loggia» hat ein günstiges Verhältnis von Nutz- und Verkehrsfläche. Ein Vergleich der «BaZ» mit aktuellen Schulbauten in der Region zeigt eine grosse Bandbreite bei den Kosten. In Reinach lag die Primar Surbaum bei rund 2,7 Millionen Franken pro Klassenzimmer. Die geschätzten Kosten für «Campus Loggia» liegen bei etwa 1,35 Millionen und damit im sehr unteren Bereich der üblichen Bandbreite.
Es gibt Stimmen, die behaupten, Sie seien bereit, Ihr Projekt zugunsten tieferer Kosten anzupassen. Trifft das zu? Wie gross ist das Einsparpotenzial?
Wie bei jedem Projekt in dieser Phase beinhaltet die weitere Planung eine Kostenoptimierung in enger Abstimmung mit der Bauherrschaft. Dabei werden Konstruktion und Detailplanung weiter präzisiert. Einsparungen sind grundsätzlich in der weiteren Ausarbeitung des Projekts möglich. Das räumliche Grundkonzept basiert auf dem Raumprogramm des Wettbewerbsprogramms und bildet die Grundlage des Projekts. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich kein belastbares Einsparpotenzial in Zahlen angeben, da dies Teil der weiteren Planung ist und gemeinsam mit der Bauherrschaft entwickelt wird.
Das Referendumskomitee behauptet, Ihr Büro habe noch kein Schulhaus gebaut; es fehle Ihnen an Erfahrung für die Umsetzung eines solchen Vorhabens. Trifft dies zu und ist es fürs das Schulhaus relevant?
Aktuell arbeiten wir an einem Kindergartenprojekt mit vier Klassenzimmern, das wir 2024 ebenfalls in einem Wettbewerb gewonnen hatten. Die Ausführungsplanung haben wir soeben abgeschlossen. Unser Büro verfügt über das notwendige Know-how für solche Projekte.
Den Urhebern des Projekts «Ratio» wird vorgeworfen, sie hätten die Nutzer des Schulhauses nicht in den Planungsprozess einbezogen. Haben Sie dies denn getan?
Ja. Die zukünftigen Nutzer waren direkt in das Wettbewerbsverfahren eingebunden. Sie waren in der Jury vertreten.
Die Kostenvorgabe beim Wettbewerb war 7 Millionen Franken für den Neubau, Ihrer soll 10,8 Millionen kosten. Es sieht danach aus, als habe der Preis bei der Planung eine untergeordnete Rolle gespielt. Ist das tatsächlich so?
Die Kosten waren ein integraler Bestandteil des Wettbewerbs. Sie wurden im Auswahlverfahren für alle Wettbewerbsbeiträge von unabhängiger Seite ermittelt. Das Projekt wurde von der Jury mit Kenntnis seiner geschätzten Kosten ausgewählt. Der Entwurf erfüllt das geforderte Raumprogramm und die Anforderungen an eine zukünftige Erweiterung.
Ihr Projekt sei ein Luxusbau, für ein Schulhaus unangemessen, sagen dessen Gegner – unter anderem mit Bezug auf den Vorbau mit Säulen. Wie stellen Sie sich dazu?
Der überdeckte Bereich beim Eingang ist Teil eines strukturellen Konzepts und ein geschützter Aussenraum. Zu einem späteren Zeitpunkt kann die Struktur in Klassenzimmer umgewandelt werden. Es handelt sich somit um ein funktionales Element mit einer langfristigen Rolle.
Welche Aufgabe hat für Sie die Architektur von öffentlichen Bauten – und damit auch Schulhäusern? Wie weit soll und muss sie über die reine
Zweckmässigkeit hinausgehen?
Öffentliche Bauten müssen mehrere Dinge zugleich leisten: Sie müssen die funktionalen Anforderungen zuverlässig und effizient erfüllen und prägen als Teil des öffentlichen Raums die Identität eines Ortes. Ein guter Ort entsteht nur dort, wo Funktionalität und räumliche Gestaltung Hand in Hand gehen.
Aus Architektenkreisen wurde der Vorwurf geäussert, die Urheber von «Ratio» hätten bei Ihrem Projekt «abgekupfert», woraus Urheberrechtsstreitigkeiten entstehen könnten. Welche Schritte würden Sie einleiten, falls die Gemeinde das Projekt «Ratio» weiterverfolgen sollte?
Es gilt nun, den Ausgang der Abstimmung am 26. April abzuwarten.
Das Interview wurde schriftlich geführt.
Zur Person vs.
Der Amerikaner Logan Amont (43) absolvierte an der Accademia di architettura in Mendrisio ein Architekturstudium. Zuvor liess er sich in Japan zum Gärtner und in den USA zum Holzbootbauer ausbilden, wie seiner Website zu entnehmen ist. Nach Reisen in alle Welt ist er seit 2021 in Basel tätig, sowohl selbstständig als auch in Zusammenarbeit, an Gebäuden, Landschaften und Publikationen. Zu den aktuellen Projekten zählen ein Teetrinkpavillon in China, Trockensteinmauern im Tessin, oder der Umbau eines Kindergartens in Tschechien.

