Einsatz im Erdbebengebiet
10.07.2026 DiegtenKatja Heiniger suchte in Venezuela mit ihrer Hündin nach Verschütteten
Nach den schweren Erdbeben in Venezuela gehörte Katja Heiniger zum Schweizer Hilfsteam. Mit ihrer Rettungshündin Kisha suchte die Oberbaselbieterin eingestürzte Gebäude nach ...
Katja Heiniger suchte in Venezuela mit ihrer Hündin nach Verschütteten
Nach den schweren Erdbeben in Venezuela gehörte Katja Heiniger zum Schweizer Hilfsteam. Mit ihrer Rettungshündin Kisha suchte die Oberbaselbieterin eingestürzte Gebäude nach überlebenden Personen ab. Der Einsatz hinterliess bleibende Eindrücke.
Janis Erne
Hühner laufen herum, im «Lädeli» warten Most und Eier auf Käufer und die Alpakas geniessen den Schatten im Stall. Abgesehen vom kaum hörbaren Rauschen der Autobahn ist es auf dem Hof Wieseli angenehm ruhig. Katja Heiniger bewirtschaftet den Landwirtschaftsbetrieb nordwestlich von Diegten gemeinsam mit ihrem Mann Mathias im Nebenerwerb. Der Kontrast zu dem, was die 34-Jährige wenige Tage zuvor erlebt hat, könnte kaum grösser sein.
Als Hundeführerin war Heiniger zusammen mit ihrer deutschen Schäferhündin Kisha als Suchteam in Venezuela im Einsatz, wo zwei verheerende Erdbeben den Nordwesten des Landes verwüstet hatten. Bis gestern meldeten die venezolanischen Behörden mehr als 3600 Todesopfer. Zwei Wochen nach der Katastrophe gelten noch immer fast 30 000 Menschen als vermisst. Dass jetzt noch Überlebende gefunden werden, ist äusserst unwahrscheinlich.
Heiniger spricht von einem herausfordernden Einsatz – nicht nur, weil es ihr erster war, sondern auch wegen der schwierigen Anreise, des grossen Leids und der drückenden Hitze. In den Trümmern der eingestürzten Hochhäuser habe es «überall nach Tod» gerochen, erzählt sie. Trotz der Tragödie seien die Einheimischen aber nicht panisch gewesen, sondern ruhig und freundlich. Viele Venezolanerinnen und Venezolaner hätten mit handelsüblichen Schaufeln bei den Rettungsarbeiten mitangepackt. «Das war sehr beeindruckend», sagt Heiniger. Überlebende konnten sie und Kisha nicht finden, Verstorbene hingegen schon. So erhielten deren Angehörige zumindest Gewissheit. Insgesamt konnten die ausländischen Hilfsteams ein Dutzend Überlebende finden und retten.
Anstrengende Suche
Es war der 24. Juni, als sich im Nordwesten Venezuelas kurz hintereinander zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 ereigneten. Heiniger erfuhr frühmorgens in der Schweiz davon und wurde bereits am Nachmittag vom Bund aufgeboten. In der Nacht hob das Flugzeug nach Venezuela ab. Das Schweizer Hilfsteam der Rettungskette umfasste rund 80 Personen – darunter Hundeführer, Ortungsspezialisten, Rettungskräfte und Mediziner – sowie acht Hunde. Mit Heiniger und einem Hundeführer aus Lausen gehörten zwei Oberbaselbieter dem Suchteam an.
Katja Heiniger und die fünfjährige Kisha waren pro Tag jeweils zwölf Stunden am Stück im Einsatz. Die unwegsamen Trümmerfelder, die Vielzahl an Gerüchen sowie die grosse Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit forderten Mensch und Tier gleichermassen. «Die Hunde mussten so viel Energie aufwenden, dass sie jeweils nur wenige Minuten suchen konnten, bevor sie wieder eine Pause brauchten», erzählt Heiniger.
Die Oberbaselbieterin verbrachte sechs Tage in Venezuela. Vor dem Abflug sei sie durchaus nervös gewesen, sagt sie. Hinzu kam, dass sie ihren zwölf Monate jungen Sohn in der Schweiz zurücklassen musste. Vor Ort habe sie sich jedoch ganz auf die Suche nach Verschütteten konzentrieren können. Nach der Rückkehr sei sie zunächst einfach froh gewesen, wieder in einem «funktionierenden Land» zu sein. Zum grossen Ausmass der Zerstörung in Venezuela hätten nämlich auch die mangelhafte Bauweise vieler Gebäude und die schwach ausgebauten Rettungsstrukturen beigetragen.
Körperlich hat sich Katja Heiniger laut eigener Aussage ziemlich schnell erholt. Bis sie den Einsatz jedoch vollständig verarbeitet hat, wird es noch dauern. Dabei werde ihr helfen, dass sie ein «realitätsbezogener Mensch» sei und ihre Emotionen gut kontrollieren könne. Zudem kann sie auf das jahrelange Training bei «Redog» zurückgreifen, dem Schweizerischen Verein für Such- und Rettungshunde. Die Hundeführerinnen und -führer investieren viel Freizeit in ihre Ausbildung.
Zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit kam Katja Heiniger über die Rekrutenschule, die sie als Militärhundeführerin absolvierte. Zuvor schloss sie eine Lehre als Tierpflegerin ab. «Ich war schon immer eine Tierliebhaberin und wollte anderen Menschen helfen», sagt die in Arisdorf aufgewachsene Frau und blickt auf Kisha. Die Hündin liegt während des Gesprächs unter dem Tisch und hechelt in der Mittagshitze. Auch sie kann sich nun in der Idylle des Hofs Wieseli vom Einsatz in Venezuela erholen.
Kirchen zeigen sich grosszügig
je. Die Römisch-Katholische Kirche Baselland steuert 20 000 Franken an die Soforthilfe nach den schweren Erdbeben in Venezuela bei. Die Spende geht an die Hilfsorganisation Caritas. Mit den Geldern sollen laut einer Mitteilung die betroffenen Menschen mit Trinkwasser, Lebensmitteln, medizinischen Gütern und weiterer lebenswichtiger Hilfe versorgt werden. Ebenfalls ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Naturkatastrophe im südamerikanischen Land setzte die Reformierte Kirche Baselland, die 5000 Franken spendet.



