«Einmal Schützenkönig reicht»
23.06.2026 SportBeim «Eidgenössischen» wird Roger Itins Nachfolger gesucht
Bis zum Königsausstich am 5. Juli wird am Eidgenössischen Schützenfest in Chur täglich geschossen. Für Roger Itin, den amtierenden Schützenkönig aus Thürnen, ist es die achte Teilnahme an einem «Eidgenössischen».
...Beim «Eidgenössischen» wird Roger Itins Nachfolger gesucht
Bis zum Königsausstich am 5. Juli wird am Eidgenössischen Schützenfest in Chur täglich geschossen. Für Roger Itin, den amtierenden Schützenkönig aus Thürnen, ist es die achte Teilnahme an einem «Eidgenössischen».
Noel Bühlmann
Herr Itin, wie sind Sie zum Schiesssport gekommen und wie lange üben Sie diesen bereits aus?
Roger Itin: Ich habe mit einem Jungschützenkurs angefangen, so wie viele Jugendliche. Das hat mich einfach interessiert. Nach dem Kurs habe ich ein paar Jahre mit dem Schiessen Pause gemacht. Erst nach der Rekrutenschule habe ich wieder richtig angefangen und bin seither dabeigeblieben.
Sie sind aus Thürnen, schiessen aber in Sissach, wieso?
Vor der Jahrtausendwende habe ich die Waffe gewechselt. 1996 wurde das Standardgewehr als neue Sportwaffe für das Schiessen zugelassen, vorher war dieses Modell nicht zulässig. Ich wollte unbedingt mit dieser Waffe schiessen. Da ich im Schützenverein in Thürnen zu dieser Zeit der Einzige mit dieser Waffe war, wechselte ich 2001 zum Schützenverein Sissach. Dort gab es mehrere Schützen mit dieser Waffe, und wir konnten eine eigene Gruppe bilden.
Aktuell findet das Eidgenössische Schützenfest in Chur statt.
Nehmen Sie in diesem Jahr wieder teil?
Ja, ich habe mit der Schützengesellschaft Sissach vergangene Woche in Chur geschossen. Mein erstes Eidgenössisches Schützenfest habe ich 1990 bestritten. Seitdem war ich alle fünf Jahre dabei, also 1995, 2000, 2005, 2010, 2015 und bei der vergangenen Austragung, die wegen Corona ins Jahr 2021 verschoben wurde. Es war heuer also meine achte Teilnahme an einem «Eidgenössischen».
Sie wurden in Luzern Schützenkönig, welche Erinnerungen haben Sie an den Titelgewinn?
Das war natürlich ein einmaliges und sehr spezielles Erlebnis. Der Tag selbst ist intensiv: Man schiesst zuerst die normale Qualifikation. Wenn man es unter die besten acht Schützen schafft, kommt man in den «Ausstich». Dieser Final ist eine ganz besondere Sache. Wegen der damaligen Corona-Massnahmen war alles zwar etwas anders als sonst und wir mussten mit Hygienemasken herumlaufen, aber der Sieg war trotzdem ein grosser Erfolg für mich. Ein solcher Titel bei einem Eidgenössischen Schützenfest, das nur alle fünf Jahre stattfindet, ist extrem schwer zu erreichen, weil die Konkurrenz riesig ist. Es war für mich eher die Erfüllung eines Traums als ein geplantes Ziel.
Haben Sie Ambitionen, Ihren Königstitel zu verteidigen?
Die Titelverteidigung ist kein Ziel, das ich mir vorgenommen habe. Ich werde am Königsausstich nicht teilnehmen – für mich ist einmal König Sein eigentlich genug. Eine spezielle Vorbereitung, etwa ein intensives Training, habe ich nicht gemacht.
Welche weiteren Erlebnisse aus Ihrer Karriere sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Ich erinnere mich noch sehr gut an meine allererste Medaille, die ich an einer Schweizermeisterschaft gewonnen habe. Das war ein sehr spezieller Moment für mich. Ansonsten gab es über die Jahre hinweg einfach viele schöne und lustige Erlebnisse zusammen mit den Vereinskameraden.
Was würden Sie Nachwuchsschützen mit auf den Weg geben, die am Anfang ihrer Karriere stehen?
Das ist ähnlich wie in anderen Sportarten auch: Man braucht eine gewisse Disziplin, Fleiss, Ausdauer und den unbedingten Willen, etwas zu erreichen. Man muss einfach dranbleiben. Wichtig ist aber auch, das Gesellige und die Freude am Sport nicht zu kurz kommen zu lassen. Heute muss man sich entscheiden, welchen Weg man einschlagen will. Man kann den Schiesssport national betreiben, aber wenn man international erfolgreich sein möchte, muss man das Ganze noch ernster nehmen und mittlerweile schon fast professionell betreiben. Das Niveau ist enorm hoch. Für mich selbst kam dieser Weg nie infrage. Vor 30 oder 40 Jahren lief das alles noch ein bisschen anders ab als heute.
Zur Person
nbu. Der 57-jährige Roger Itin wohnt in Thürnen und ist langjähriger Sportschütze. Zu seinen grössten sportlichen Erfolgen für die Schützengesellschaft Sissach 1822 zählen drei Silberund zwei Bronzemedaillen bei Schweizermeisterschaften sowie der prestigeträchtige Königstitel beim Eidgenössischen Schützenfest 2021 in Luzern, in der Kategorie 300 Meter Gewehr.

