Denise Buser liest aus ihrem süss-bitteren Essay über das Alter(n) vor
Autorin Denise Buser aus Riehen hat im «Cheesmeyer» aus ihrem zweiten Buch «Die Altenboomer» vorgelesen. In einem unterhaltenden Gespräch zeigte sie auf, welche Probleme und vor allem ...
Denise Buser liest aus ihrem süss-bitteren Essay über das Alter(n) vor
Autorin Denise Buser aus Riehen hat im «Cheesmeyer» aus ihrem zweiten Buch «Die Altenboomer» vorgelesen. In einem unterhaltenden Gespräch zeigte sie auf, welche Probleme und vor allem auch Chancen auf die in die Jahre gekommenen «Babyboomer» warten.
Jürg Gohl
Die beiden ersten Lacher überlässt Denise Buser noch ihren beiden Vorrednern. «Es ist 17 Uhr», sagt Kaspar Geiger, der Hausherr im Sissacher «Cheesmeyer», und blickt in die Faltengesichter der rund 50 Gäste der Lesung, die sich alle im gleichen Altersspektrum bewegen, «ein idealer Zeitpunkt für uns.» Und Moderator Roland Plattner aus Reigoldswil doppelt nach: Denise Buser habe bereits an der Buchmesse in Leipzig, in Berlin, in Bern und sowieso in Basel gelesen. Da dürfe Sissach natürlich nicht fehlen.
Dann aber gehört die Bühne hauptsächlich Denise Buser, der Autorin aus Riehen mit Jahrgang 1959, und ihrem Buch «Die Altenboomer». Das Werk wurde in der «Volksstimme» vom 12. März bereits ausführlich besprochen. Sie trägt insgesamt vier längere Passagen aus ihrem zweiten Buch vor, das sie nach ihrer Pensionierung als Jus-Professorin verfasst hat. Roland Plattner, ihr früherer, gleichaltriger Studienkollege (und heute Präsident der Winterhilfe Baselland), findet als Moderator der Veranstaltung vom Sonntagabend stets die richtigen Worte und das richtige Timing, um die Hauptdarstellerin in Szene zu setzen. Ein äusserst experimentierfreudiger Vibrafonist legt zudem den kulturellen Rahmen.
Via Notizen und Heft zum Buch
Die Initiative zum Buch sei vom Verlag «Zytglogge» gekommen, verrät die Autorin, und der habe sie damit auf dem falschen Fuss erwischt. «Ich und alt?», habe sie etwas verdutzt reagiert. Sie habe sich dann aber gleichwohl auf einem Blatt ein paar Notizen gemacht, die schnell zu einem Heft anwuchsen. Vom Heft zum 145 Seiten umfassenden Buch war es dann nicht mehr weit.
Beim Schreiben bediente sie sich der Form des Essays, in dem sich Fakten und Recherchen bunt mit ihren eigenen Erfahrungen mischen. Darin geht es um die Ambivalenz von Erfahrungen mit Abbau und Verlusten sowie von neu gewonnenen Freiheiten und Möglichkeiten. Sehr zur Hilfe kommt ihr dabei auch ihre schöpferische Sprache, wie man sie einer Juristin – Achtung: Klischee! – nicht unbedingt zutrauen würde.
So freut sie sich über die verschwundene «Befehlsgewalt des Weckers». Umgekehrt fordert sie von ihren Altersgenossinnen und -genossen, für die sie den titelgebenden Begriff «Altenboomer» ersonnen hat, auch eine gewisse Resilienz, als Widerstandskraft. Für die goldene Mitte zwischen Jammern und dem Verdrängen von Realitäten hat sie ebenfalls ein eigenes Verb erfunden: klagjodeln.
Sensemann als Dauergast
Aus ihrem Auftritt sowie aus ihrem Buch gehen doch klare Forderungen an diese Generation hervor, die sie altersmässig einmal «zwischen Pensionierung und Gebrechlichkeit» und ein anderes Mal «die 20, 30 Jahre zwischen letzter Mens und ersten Windeln» ansiedelt. Ja, ihre Sprache ist auch unverblümt, und immer lauert auch Gevatter Tod. So empfiehlt sie etwa, sich frühzeitig mit neuen Wohnformen auseinanderzusetzen, sich ein neues Hobby zuzulegen, sich gemeinnützig oder kulturell zu engagieren, sich «Zeit für Humor» zu nehmen, Kontakte zu pflegen und vieles mehr – immer unter der Voraussetzung, dass all dies die gesundheitlichen und finanziellen Umstände zulassen.
Ihre Altenboomer hätten aber auch die «Lizenz zum Dolcefarniente» gelöst, sagt sie, man dürfe auch einmal «eine überzeugte Tagediebin» sein. Ihre ausgedehnten Spaziergänge, die sie wiederentdeckt hat, würden sie oft an einer Weide mit Ziegen vorbeiführen, die sich häufig auf einem dort hingestellten Sofa tummeln. «Wieso nicht einmal wie die Ziegen chillen?», fragt sie in die Runde und ruft in Erinnerung, welche enormen Pensen wir noch im mittleren Alter bewältigen mussten.
Und so verwundert es auch nicht, dass ihre Antwort auf die letzte Frage unverbindlich bleibt. Nach ihrem ersten Buch über zwölf Dichterinnen aus zwei Jahrtausenden und nun dem Essay übers Alter nimmt es die Gäste natürlich Wunder, welchem Thema sie sich in ihrem dritten zuwendet. «Das weiss ich nicht. Das Schöne am Alter», sagt sie, «ist auch, dass man sich keinen Massstäben mehr aussetzen muss.»