Eine vergleichsweise junge 100-Jährige
05.05.2026 SissachTrachtengruppe Sissach feiert ihr Jubiläum
Sie ist die älteste Trachtengruppe im Kanton, aber ihr Jubiläumsmotto lautet «100 Johr und immer no jung». Auf dem Primarschulhausplatz stellte der Sissacher Verein mit einem Festakt unter Beweis, dass dies mehr ist als ...
Trachtengruppe Sissach feiert ihr Jubiläum
Sie ist die älteste Trachtengruppe im Kanton, aber ihr Jubiläumsmotto lautet «100 Johr und immer no jung». Auf dem Primarschulhausplatz stellte der Sissacher Verein mit einem Festakt unter Beweis, dass dies mehr ist als nur ein Slogan.
Brigitte Keller
«Ihr seid so jung und dynamisch, jedes Mal, wenn ich euch Sissacher antreffe, habe ich das Gefühl, es sind wieder ein paar Junge mehr dabei.» Diese Worte richtete Susi Gasser, Präsidentin der Trachtenvereinigung Baselland, am Sonntagnachmittag in der Turnhalle Dorf an den jubilierenden Verein. In ihrer Trachtengruppe in Muttenz sei der Altersdurchschnitt kurz vor 80, und sie sei sehr «neidisch» auf die Sissacher. Sie freue sich, einer so dynamischen und gesunden Jubilarin zum 100. Geburtstag gratulieren zu dürfen.
Begonnen hatte der Anlass am Sonntag bereits um 10 Uhr in der reformierten Kirche St. Jakob. Der Festgottesdienst unter der Leitung von Pfarrer Matthias Plattner stand ganz im Zeichen der Wertschätzung der gelebten Gemeinschaft und dem Dank und Segen für die Menschen, die diese Tradition bereits seit 100 Jahren lebendig halten.
Die Zahl der Gäste, die sich nach dem Gottesdienst auf dem Schulhausplatz vis-à-vis einfand, war grösser als die erwarteten 300, und so mussten ein paar zusätzliche Bänke und Tische aufgestellt werden. OK-Präsident Hanspeter Misteli, der Anfang Jahr nach 23 Jahren als Vereinspräsident zurückgetreten war, richtete die ersten Grussworte an die Gästeschar. «Liebe Leute aus nah und fern, es freut mich ausserordentlich, dass ihr alle den Weg hierher gefunden habt.»
Einen besonderen Dank richtete Misteli an die «Oberbaselbieter Ländlerkapelle», welche die Trachtengruppe schon seit bald 50 Jahren begleite. «Auch die werden älter, aber auch immer besser.» Dann übergab er das Wort an den jungen Präsidenten Jan Oberli, der durch den weiteren Festtag führte. «Einige Leute haben Freude am Tanzen, andere an der Volkskultur und daran, eine Tracht anzuziehen, wieder andere haben Freude, in einer Gemeinschaft zu sein, und viele an all dem zusammen», erklärte Oberli in seiner Rede. «Und so dürfen wir den Verein noch heute führen.»
«Bei uns funktioniert es gut zwischen Alt und Jung», fuhr Oberli fort, «ihr seht, es gibt uns immer noch. Wir haben viele Junge, die nächsten 100 Jahre sind gesichert.» Er selber habe sich überlegt, weshalb er Freude am Trachtentanzen habe. «Ich habe gerne Volksmusik, ich stehe zum Baselbiet und ich will, dass dieser Brauch weiterlebt.» Danach startete der Reigen an Tänzen, ausnahmsweise als erstes mit dem immer wieder beeindruckenden «Bändelitanz» um den Maibaum. Der Laie staunt, wie die Bändel verwoben und anschliessend «knotenfrei» wieder gelöst werden. Auch die Kindertanzgruppe eroberte die Herzen vom ersten Moment an.
Vom Wappen zum Tanz
Als Höhepunkt zum Abschluss der zahlreichen Tanzdarbietungen wurde nach gut einer Stunde das Geheimnis gelüftet: Der Jubiläumstanz namens «Dr Elleböögler» wurde erstmals vor Publikum aufgeführt. Die Idee, einen neuen Tanz zu choreografieren, hatte Tanzleiterin Deborah Erhardt vor etwa einem Jahr. Sie habe dann Urs Mangold von der «Oberbaselbieter Ländlerkapelle» gefragt, ob er ein passendes Lied hätte. «Er hatte keines, aber er hat dann einfach eines komponiert und der Trachtengruppe geschenkt», wie Erhardt weiter ausführte. Die Idee und der Name stammten von Urs Mangold, es sei eine Anspielung auf das Sissacher Wappen mit den beiden Armen Ellenbogen an Ellenbogen.
Nach dem Apérobuffet der Baselbieter Bäuerinnen wurde der Festtag in der Turnhalle abgerundet mit der Vorstellung des geplanten Jubiläumsbuchs und eines Films über den Verein. Das Buch und der Film namens «Herzenssachen» konnten zwar noch nicht wie geplant fertig präsentiert werden, ein paar Probedrucke weckten aber die Neugier. Buch und Film sollen bis Mitte des Jahres vorliegen.

