Eine Randsportart behauptet sich
25.04.2024 Sport
Eptinger Verein feiert 30-jähriges Bestehen
Längst zählen die «Handholzer Eptingen» zu einem der grössten und aktivsten Vereine der Schweiz im sportlichen Umgang mit Handsäge und Spaltbeil. Und dies soll auch so bleiben.
Elmar ...
Eptinger Verein feiert 30-jähriges Bestehen
Längst zählen die «Handholzer Eptingen» zu einem der grössten und aktivsten Vereine der Schweiz im sportlichen Umgang mit Handsäge und Spaltbeil. Und dies soll auch so bleiben.
Elmar Gächter
Dass diese Randsportart dereinst zu olympischen Ehren kommt, scheint eher unwahrscheinlich. Dies ist den Frauen und Männern jedoch einerlei und sie treffen sich jeden Montagabend in der «Steinägerten» oberhalb von Eptingen. An jenem Ort, der sich zu einem eigentlichen Hotspot in der Szene gemausert hat. Hier üben und verfeinern vom 12-jährigen Jungspund bis zum 78-jährigen fitten Veteran den Umgang mit jenen Geräten, die bereits die alten Ägypter gekannt haben. So hat die Tätigkeit mit Handsäge und Spaltbeil durchaus auch etwas Archaisches an sich.
Zurück zum Sportlichen: «Die Leistung, die hier erbracht wird, um an der Spitze mitzumischen, ist enorm», sagt Beat Buser als wohl bekanntestes Gesicht der «Handholzer Eptingen». Er hat zusammen mit seiner Frau Magdalena und Kollegen vor 30 Jahren jene Gruppe ins Leben gerufen, die zunächst eher lose und seit 2005 als eingetragener Verein die Karten in der Handholzerszene neu aufgemischt hat und seit Jahren zu einem der grössten und aktivsten Vereine der Schweiz zählt.
Die Spuren gehen zurück auf den Hinterbrandberg in Welschenrohr, wo seit 1982 immer wieder Schweizermeisterschaften stattgefunden haben. «An einem dieser Wettkämpfe hat es mir den Ärmel reingezogen. Auch wenn ich relativ weit hinten platziert war, stand für mich fest, dass wir auch in Eptingen solche Anlässe durchführen werden», blickt Buser zurück. Mit einem Dutzend Gleichgesinnten fand auf der «Steinägerten» 1995 ein erster interner Wettkampf statt, dem seither 15 nationale Titelkämpfe im Sägen und Spalten und ebenso viele im Sägen auf dem Dietisberg stattgefunden haben. Die «Handholzer Eptingen» sind es auch, die immer wieder für frischen Wind in der Sportart sorgen. So haben sie im Jahr 2000 als erster Veranstalter eine Juniorenkategorie eingeführt.
Attraktive Preise
Wie andere Vereine müssen auch die Handholzer den Rückgang an aktiven Mitgliedern verschmerzen. «Waren es bei meiner ersten Teilnahme an Meisterschaften rund 280 Teilnehmende, sind es heute noch 80 bis 100», so Buser. Vor allem fehle die Generation im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Die «Handholzer Eptingen» zählen rund 40 Mitglieder, von denen regelmässig gegen 15 Personen, darunter auch mehrere Frauen, an den jährlich sechs Anlässen teilnehmen. Beat Buser zeigt sich vor allem erfreut darüber, dass der Verein zurzeit auf sieben Junioren zählen darf. Sie liessen hoffen, dass die Anzahl der aktiven Erwachsenen wieder ansteige.
Beat Buser ist nach wie vor begeistert von seinem Lieblingssport, nicht zuletzt, weil auch Jungpensionierte wie er mithalten können. «Wir müssen in unserem Alter keinen 100-Meter-Lauf mehr gewinnen. Zudem spielt bei unserem Sport die Muskelkraft eine untergeordnete Rolle, entscheidender sind eine gute Technik und eine langjährige Erfahrung», sagt Buser. Das Wichtigste sei jedoch das gute Gefühl zum sauberen Sägen, ergänzt Buser, der mit 60 Jahren zu ersten Meisterehren am nationalen Wettkampf kam. Ganz stolz ist er auf die vielen Meistertitel im Einzelwettbewerb sowie im Zweihandsägen, welche die Vereinsmitglieder gegen die starke Konkurrenz aus der Ost- und Innerschweiz im Laufe der Jahre erobern konnten.
Neben dem Lorbeerkranz für die besten 30 Prozent der Teilnehmenden motiviert auch der attraktive Gabentempel dazu, an Wettkämpfen mitzumachen. Dazu weiss Buser folgendes amüsante Erlebnis zu erzählen: «An einem meiner ersten Wettkämpfe suchte ich ein Säuli als Lebendpreis aus und, da ich zu Hause als Landwirt keine Schweine im Stall hielt, verkaufte ich es noch auf dem Platz. Darob war meine Tochter so erzürnt, dass ich ihr so quasi als ‹Schmerzensgeld› einen Hamster schenkte. Sie war dann glücklich. Dass dieser jedoch dauernd ausgebüxt ist und zu guter Letzt noch das Kabel der Geschirrwaschmaschine angebissen hat, war die Kehrseite der Medaille.»
Zu ihrem 30-jährigen Bestehen haben sich die «Handholzer Eptingen», unterstützt von Sponsoren, neue T-Shirts angeschafft. Entsprechend eingekleidet führen sie am 24. August auf dem Oberbölchen zusammen mit der ebenfalls ein Jubiläum feiernden dortigen Wirtin eine weitere Schweizermeisterschaft durch. Ihrer innovativen Ader entsprechend kommt dabei auch das Hufeisenwerfen zum Zug, vorläufig noch nicht wettkampfmässig.
«Das Handholzen steht und fällt mit dem Organisieren von Anlässen. Finden wir dafür nicht mehr genügend Veranstalter, wird es schwierig», ist sich Buser im Klaren. Dies wäre nicht allein für das sportliche Messen ein Verlust, sondern auch und vor allem mit Blick auf das Gesellige, das über die Grenzen des Vereins hinaus mit den anderen rund zehn Sektionen gepflegt wird. Auf jeden Fall will sich Buser mit seiner Familie und seinen Kolleginnen und Kollegen weiterhin dafür einsetzen, dass die einmalige Sportart auch künftig gedeihen kann.

