Eine Pionierin bleibt aktiv
31.03.2026 SissachDie erste Frau im Regierungsrat wird heute 80 Jahre alt
Elsbeth Schneider-Kenel feiert heute ihren 80. Geburtstag. Die erste Frau in der Baselbieter Regierung ist weiterhin aktiv, engagiert sich lokal und blickt auf eine politische Laufbahn zurück, die den Kanton mitgeprägt hat. ...
Die erste Frau im Regierungsrat wird heute 80 Jahre alt
Elsbeth Schneider-Kenel feiert heute ihren 80. Geburtstag. Die erste Frau in der Baselbieter Regierung ist weiterhin aktiv, engagiert sich lokal und blickt auf eine politische Laufbahn zurück, die den Kanton mitgeprägt hat. Wir haben die Jubilarin in Reinach besucht.
Markus Vogt
«Mir geht es sehr gut», sagt Elsbeth Schneider-Kenel, die heute Dienstag ihren 80. Geburtstag feiert. Dass sie gesund sein darf, betrachtet sie als grosses Geschenk. Sie wirkt rüstig und sportlich, tut aber auch etwas dafür: Sie ist ein Bewegungsmensch, geht so häufig wie möglich aus dem Haus und ist seit Jahren eine leidenschaftliche Läuferin. Elsbeth Schneider ist auch unternehmungsfreudig, reist gerne und diskutiert engagiert.
Ende Juni 2007 verabschiedete sie sich aus der Baselbieter Regierung, der sie 13 Jahre angehört hatte. Die CVP-Politikerin – heute «Mitte» – verschwand damit keineswegs aus dem öffentlichen Leben. Unter anderem wirkte sie für den Kanton als Verwaltungsratspräsidentin der BLT. Erst seit ein paar Jahren nimmt sie es bewusst etwas ruhiger, was aber nicht heisst, dass sie unterbeschäftigt wäre. Sie ist auch Grossmutter von vier Buben.
Rücktritt aus familiären Gründen
Das Regierungsamt hat sie gut bewältigt. Sie hörte nicht etwa auf, weil sie ausgebrannt gewesen wäre, sondern der Familie zuliebe, insbesondere für ihren Mann, mit dem sie seit 1968 verheiratet ist. «Ich hätte gut noch länger gekonnt», blickt sie zurück. Auf noch höhere Weihen verzichtete sie ebenfalls wegen der Familie: Sie stand bei der CVP Schweiz in der engeren Auswahl, als es darum ging, einen Sitz im Bundesrat neu zu besetzen (gewählt wurde damals Ruth Metzler).
Sie ist heute auf anderen Ebenen gefragt: Sie ist in einem Verwaltungsrat tätig, sie ist Präsidentin der Frauenriege Reinach, einer «tollen Gruppe von 35 Frauen», und sie hat nach wie vor ein offenes Ohr für die Bevölkerung: «Viele Leute kommen zu mir, wenn sie etwas beschäftigt oder bedrückt.» Sie hilft mit Rat und Zuhören, beispielsweise wenn jemand Mühe hat, für ein Anliegen die richtige Behörde zu finden. «Ich schätze es sehr, dass die Leute mir so viel Vertrauen schenken», sagt sie.
Sehr aktiv betätigt sie sich bei der Zukunftsentwicklung des Klosters Mariastein, eine Herzensangelegenheit. In den vergangenen Jahren konnten dort die Weichen in eine gute Richtung gestellt werden, wie sie sagt. Sie lebt «sehr, sehr aktiv im Dorf». Ihr Mann und sie gehören in Reinach sozusagen zum «Daig». «Das Schöne ist, dass ich nicht mehr muss», stellt sie schmunzelnd fest.
Eine Stelle in Gelterkinden
Heute sei sie eine leidenschaftliche Baselbieterin, erzählt sie, die als Elsbeth Kenel im Kanton Schwyz zur Welt kam und in Arth am See (Zugersee) aufwuchs. Sie ist die zweitjüngste von vier Töchtern. Der Vater war ein profilierter Sozialdemokrat und Schwyzer Kantonsrat. Sie absolvierte die Schulen in Arth, danach das Lehrerseminar in Ingenbohl und bildete sich zur Hauswirtschaftslehrerin aus. An einem Gesangsfest in Arth nahm auch der Männerchor Reinach teil – dort lernte sie ihren Guido kennen. Als es nach der Ausbildung um die Jobsuche ging, meldete sie sich auf eine Stelle in Gelterkinden. Sie wusste damals noch nicht viel über dieses Baselbiet. Bald läuteten die Hochzeitsglocken.
Mit ihrem Ehemann zog sie nach Reinach, wo die beiden Söhne zur Welt kamen. Ihr Mann, ein Ur-Reinacher, betätigte sich politisch bei der CVP, sass im Einwohnerrat, und als diese Zeit vorbei war, fragte man sie, ob sie kandidieren wolle. Was sie tat. Zuvor, als sie frisch Mutter geworden war, erhielt sie das Angebot, die Geschäftsführung einer Konkordia-Sektion zu übernehmen. Das liess sich von zu Hause aus machen, bis dahin hatte sie noch immer Schule gegeben. Mehr als 20 Jahre lang arbeitete sie für die Krankenkasse und stieg bis in den nationalen Verwaltungsrat auf.
Auch in der Politik ging es vorwärts: Sie wurde Landrätin, kam auf die Nationalratsliste und wirkte als Parteipräsidentin der CVP Baselland. Auf der Nationalratsliste eroberte sie den ersten Platz und wäre Nationalrätin geworden – doch die Partei verlor ihren Sitz.
Die nächste Chance kam rasch: Als Regierungsrat Werner Spitteler (SVP) seinen Rücktritt ankündigte, wollte die CVP in die Regierung zurückkehren – mit ihr und mit dem Slogan «D’Zyt isch do». Das funktionierte: Elsbeth Schneider-Kenel gewann im März 1994 mit mehr als 4000 Stimmen Vorsprung vor ihrem SVP-Kontrahenten Peter Holinger (Liestal). Sie wurde Baudirektorin und blieb dies 13 Jahre lang. Sie hatte «die tollste Direktion von allen», findet sie noch heute.
Im Dienst der Bevölkerung
Die Innerschweizerin musste das Baselbiet zuerst kennenlernen. Durch die politische Arbeit bekam sie die neue Heimat gerne, heute schwärmt sie vor allem vom Oberbaselbiet. Sie sah und sieht sich nicht als reine Parteigängerin, sondern als Sachpolitikerin. Sie wurde jeweils mit dem besten oder dem zweitbesten Resultat wiedergewählt, einmal auch, obwohl sie mit ihrer Baudirektion eine parlamentarische Untersuchung zu bewältigen hatte, wegen der Kostenüberschreitungen bei der Sanierung des Kantonsspitals Liestal.
Vielleicht kamen die guten Wahlresultate auch daher, dass sie die Menschen gerne hat. Sie war das einzige Regierungsmitglied, das jeden Monat eine Sprechstunde für die Bevölkerung durchführte. Das war eine unkomplizierte und geschätzte Dienstleistung, der sie grosse Aufmerksamkeit schenkte.
Als erste Frau in der Baselbieter Regierung stellte Elsbeth Schneider-Kenel etwas Besonderes dar. Sie sei überall sehr wohlwollend aufgenommen worden, sowohl von ihren Regierungskollegen als auch von den Mitarbeitenden der Bauund Umweltschutzdirektion. Den Frauen empfiehlt sie, sich zu engagieren.
Als Nicht-Bau-Frau musste sie sich einarbeiten, auf sie warteten viele Dossiers. Sie schaffte es auch dank Unterstützung, unter anderem durch den damaligen Kantonsingenieur Manfred Beck. «Mit Männern habe ich fast nur positive Erfahrungen gemacht», zieht sie Bilanz. Für sie habe stets die Leistung der Person gezählt.
Sie erzählt, als wäre vieles erst gestern gewesen. Die Erinnerung an die 13 Jahre ist präsent. Einmischen will sie sich nicht mehr, das überlässt sie den heutigen Generationen. Die Energie dafür wäre nach eigenen Worten jedoch noch vorhanden. Heute zum Feiern ohnehin.


