Zugegeben, früher habe ich Turnvereine eher belächelt. Als Fussballerin war für mich klar: Wir sind die richtigen Sportlerinnen. Wir trainieren hart, kämpfen um Punkte und Meistertitel. Und die vom TV? Machen halt von allem ein bisschen etwas und sind vor allem gesellig.
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Zugegeben, früher habe ich Turnvereine eher belächelt. Als Fussballerin war für mich klar: Wir sind die richtigen Sportlerinnen. Wir trainieren hart, kämpfen um Punkte und Meistertitel. Und die vom TV? Machen halt von allem ein bisschen etwas und sind vor allem gesellig.
Das war ziemlich überheblich. Heute wohne ich so richtig auf dem Land. Und meine Kinder sind im Turnverein. Seither sehe ich vieles anders. Hier zählt nicht, wer am höchsten springt oder am schnellsten rennt. Alle dürfen mitmachen, unabhängig vom Talent. Freiwillige Leiterinnen und Leiter schenken Woche für Woche ihre Zeit, damit Kinder sich bewegen, lachen und dazugehören können. Und ganz nebenbei hält der Turnverein ein Dorf zusammen.
Letztes Wochenende fand der legendäre Turnerabend statt. Und ich gebe ja zu, dass ich zunächst eigentlich lieber woanders gewesen wäre. Denn ausgerechnet am selben Abend spielten die FCB-Frauen gegen diejenigen des FCZ im St.-Jakob-Park, was ja auch nicht jedes Wochenende vorkommt. Aber weil inzwischen meine ganze Familie Teil des Turnvereins ist, sass ich zum ersten Mal als Zuschauerin im Saal.
Und ich war berührt. Von den kleinsten Elki-Kindern bis zur älteren Garde hatten alle über Wochen ihre Nummern einstudiert. Da wurde geturnt, getanzt, gelacht, manchmal vielleicht auch ein Einsatz verpasst. Aber vor allem war da unglaublich viel Herzblut. Auch die Moderation gehörte zur Show. Und ich weiss inzwischen, dass manch grosse Bühnentalente einst an einem Turnerabend ihre ersten Schritte gemacht haben.
Dann schlug mein Fussballerinnenherz gar noch höher: Die Frauen zeigten am Stufenbarren ihre Interpretation eines «Töggelikastens». Elegant, überraschend und wunderschön. Plötzlich war meine Lieblingssportart in der Turnhalle angekommen. Ganz anders, als ich sie kenne, und doch so vertraut. Und weitaus beweglicher, als manche von uns sich auf dem Rasen anstellen.
Natürlich liebe ich den Fussball weiterhin. Die Leidenschaft, die Emotionen, das gemeinsame Gewinnen und Verlieren. Aber an diesem Abend wurde mir einmal mehr bewusst: Jeder Verein hat auch eine soziale Verpflichtung, die weit über Leistung und Resultate hinausgeht: eine Gemeinschaft zu bilden, in der sich alle wohlfühlen.
Deshalb ein riesiges Dankeschön an alle Turnvereine. Und alle, die ihre Freizeit investieren und damit weit mehr schaffen als ein Sportangebot: ein Stück Heimat. Und, ja, ich sage es als Fussballerin: Chapeau, liebe Turnerinnen und Turner!
Vera Gmür
Vera Gmür (1985) ist Präsidentin Frauenfussball beim FVNWS. Die Ormalingerin spielte früher selber im Halbprofibereich, heute engagiert sie sich für die Entwicklung des Mädchen- und Frauenfussballs in der Region und spielt bei den Seniorinnen des SV Sissach.