Eine Landfrau, wie man sie nicht erwartet
18.09.2026 GelterkindenMirjam Leuenberger (41) tritt in der neuen Staffel von «SRF bi de Lüt» auf
Mirjam Leuenberger ist Mutter, Hofbeizli-Besitzerin, Polizistin und Triathletin zugleich. Damit vertritt keineswegs eine typische Bäuerin das Baselbiet bei der «Landfrauenküche», ...
Mirjam Leuenberger (41) tritt in der neuen Staffel von «SRF bi de Lüt» auf
Mirjam Leuenberger ist Mutter, Hofbeizli-Besitzerin, Polizistin und Triathletin zugleich. Damit vertritt keineswegs eine typische Bäuerin das Baselbiet bei der «Landfrauenküche», sondern eine Frau, die das Leben auf dem Bauernhof auf ihre eigene Art gestaltet.
Lea Wieser
«Bei uns sieht selten ein Tag aus wie der andere», sagt Mirjam Leuenberger. Einerseits gehört es zum Leben auf dem Bauernhof, sich nach Jahreszeiten und Wetterbericht zu richten und am Anfang des Tages nie ganz zu wissen, was dieser mit sich bringt. Andererseits ist bei der Familie Leuenberger nichts eintönig oder ruhig. Dass immer etwas los ist und die nächste Aufgabe schon auf sie wartet, gibt der 41-jährigen Gelterkinderin Energie. Bei ihrem Ehemann Stephan sei es ähnlich.
Dazu passt auch die Teilnahme an der beliebten «SRF bi de Lüt»-Serie «Landfrauenküche». Seit zehn Jahren ist Mirjam Leuenberger Landfrau. 2016 zog sie auf den Hof Aerntholden, den ihr Mann im Jahr zuvor von seinen Eltern übernahm. Auf den Hof zu ziehen, sei eine schwierige Entscheidung gewesen, sagt Leuenberger. Die Frau eines Bauern zu werden, war keinesfalls Teil ihres Lebensplans. Die Liebe aber sei gross genug gewesen, um den Schritt zu wagen. «Heute lebe ich gemeinsam mit meinem Mann sowie unseren beiden Kindern Lenn und Malou auf dem Hof und kann mir nichts Schöneres vorstellen als das Leben, das wir uns hier oben gemeinsam aufgebaut haben.»
Neben den Eseln und Hühnern kümmert sich Mirjam Leuenberger um das «Leuebärgli». Das Hofbeizli führt eigene und andere regionale Produkte. Besuchende können diese drinnen in heimeliger Atmosphäre oder draussen mit Ausblick auf Gelterkinden und das Ergolztal geniessen. Auch für die Kinder und den Haushalt ist primär Mirjam Leuenberger verantwortlich, während ihr Mann neben dem Landwirtschaftsbetrieb noch 50 Prozent auswärts arbeitet.
Doch auch sie ist neben der Arbeit auf dem Hof noch zwei Tage pro Woche beruflich tätig: als Sicherheitspolizistin beim Kanton Baselland. Auf der Arbeit wisse sie – ähnlich wie zu Hause – nie, welche Überraschungen der Tag mit sich bringt. «Ich bin nicht dazu gemacht, Vollzeitmutter zu sein», sagt Leuenberger. «Die Arbeit als Polizistin ist für mich wie eine andere Welt, in die ich zwischendurch eintauchen darf.»
Neben all diesen Tätigkeiten ist es der Triathlon, der ihr und ihrem Mann den nötigen Ausgleich ermöglicht. Während sie früher auf hohem Niveau an Wettkämpfen teilnahm, geht es ihr mittlerweile nicht mehr um die Zeit, sondern um das Gefühl, wenn sie ihre Familie mit Fähnchen am Strassenrand stehen und sie anfeuern sieht.
Keine klassische Landfrau
Weder sind die Leuenbergers eine klassische Familie mit klarer Rollenteilung, noch widerspiegelt Mirjam Leuenberger das Bild einer typischen Landfrau. Gerade deshalb ist ihre Teilnahme bei der SRF-Serie etwas Neues. Viele der Teilnehmerinnen würden von Familie oder Freunden angemeldet. «Ich glaube nicht, dass irgendjemand auf die Idee gekommen wäre, das bei mir zu machen.» Die meisten ihrer Mitmenschen seien überrascht gewesen oder hätten schmunzeln müssen, als sie von ihrer Teilnahme bei der «Landfrauenküche» erfuhren.
Schon eine Weile hat sie mit dem Gedanken gespielt, sich anzumelden. Jedes Jahr schaut sie die «Landfrauenküche», und auch ihr Mann habe Gefallen an der Serie gefunden. «Dass ich angenommen werde, hätte ich nie erwartet. Als Landfrau kann ich mich zwar voll und ganz sehen, aber die typische Bauernfrau bin ich als Dorfmädchen, Polizistin und Triathletin nicht», sagt Leuenberger.
Nach der ersten Freude ging es ans Organisieren: «Glücklicherweise waren Familie und Freunde direkt mit an Bord. Ohne ihre Unterstützung beim Kinderhüten würde die Teilnahme nie funktionieren.» Auch auf dem Hof laufen bereits die Vorbereitungen. «Einerseits ist mir wichtig, dass Haus und Hof für den Dreh aufgeräumt sind. Andererseits muss für das Essen, das im ‹Leuebärgli› stattfindet, noch eine Wand aufgebaut werden.» Dabei packt ihr Mann mit an: «Er ist handwerklich zum Glück sehr begabt. Ich kann ihm sagen, wie ich mir etwas vorstelle, und er baut mir das genau so», sagt Mirjam Leuenberger.
Bodenständige Gerichte
Das Menü kocht sie gemeinsam mit ihrer Mutter. «Sie hat selbst zwei Kinder grossgezogen und ist daher in der Küche bestens versiert. Ausserdem ist sie noch immer meine Bezugsperson Nummer eins», so Leuenberger. Was ihr an der Teilnahme am meisten Sorgen bereitet, ist dennoch das Kochen. Leuenberger kocht zwar gerne und regelmässig, aber eher als Mutter und nicht, weil es ihr Hobby ist. Um das zu ihrer Stärke zu machen, soll ihr Menü genau das widerspiegeln: Bodenständige, regionale Küche aus eigenen Produkten und solchen von befreundeten Bauern werde sie den anderen Landfrauen auftischen. «Ohne viel Schnickschnack.» In vielen Aspekten sei sie eine durchaus chaotische Person, der es nichts ausmache, wenn etwas unstrukturiert läuft, sagt Leuenberger von sich selbst, «in anderen Fällen, so auch bei der ‹Landfrauenküche›, würde ich hingegen am liebsten noch eine Liste von der Liste machen». Das Probekochen und die anderen Vorbereitungen werden etwas Stress verursachen und Zeit beanspruchen. Mittlerweile aber habe sie das Gefühl, alles werde gut laufen.
Jetzt freut sich Leuenberger einfach, einen Blick in das Leben der anderen Landfrauen zu werfen, und ist stolz, das Baselbiet zu repräsentieren. «Mit meiner Teilnahme möchte ich zeigen, dass es nicht nur klassische Bauernfamilien gibt, sondern auch Chaosfamilien wie meine. Bei uns ist nicht immer alles Gold, was glänzt – ein schöneres Leben könnte ich mir dennoch nicht vorstellen.»


