Eine Gemeinde namens «Obereital»
11.09.2026 Rünenberg, Kilchberg, ZeglingenFusionsprojekt nimmt mit Wappen und Namen Form an
Sieben Arbeitsgruppen untersuchen, wie eine gemeinsame Gemeinde aus Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen aussehen könnte. An einer «Echoveranstaltung» wurde unter anderem der Vorschlag eines gemeinsamen Namens ...
Fusionsprojekt nimmt mit Wappen und Namen Form an
Sieben Arbeitsgruppen untersuchen, wie eine gemeinsame Gemeinde aus Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen aussehen könnte. An einer «Echoveranstaltung» wurde unter anderem der Vorschlag eines gemeinsamen Namens vorgestellt: «Obereital».
Melanie Frei
Wie wird eine gemeinsame Gemeinde aus Rünenberg, Kilchberg und Zeglingen organisiert? Was geschieht mit Schulen, Vereinen oder Bürgergemeinden? Und: Wie soll die neue Gemeinde heissen? Seit Anfang März beschäftigen sich sieben Facharbeitsgruppen mit diesen und weiteren Fragen.
Am Dienstagabend wurden im Gemeindehaus von Zeglingen die bisherigen Ergebnisse der Arbeitsgruppen einer «Echogruppe» präsentiert: Die Teilnehmenden sollten ohne vertiefte Vorkenntnisse spontan reagieren. «Wir wollten schauen: Haben wir etwas vergessen? Kommen Reaktionen, mit denen wir nicht gerechnet haben?», erklärt der externe Projektbegleiter Peter Weber. Grundsätzlich sei der Abend gut verlaufen. Unerwartete Probleme seien keine aufgetaucht, so Weber.
Besonders greifbar wird die mögliche Fusion beim Namen. Laut Weber gingen bei einer öffentlichen Umfrage rund 250 Namensvorschläge ein. Diese wurden in die Kategorien «Gewässer», «Berg und Tal» sowie «Sonstiges» eingeteilt. In die engere Auswahl gelangten unter anderem «Obereibach», «Schönegg» und «St. Martin».
Die für die Namenssuche zuständige Facharbeitsgruppe favorisiert «Obereital». Kilchberg liegt auf der Hochebene des oberen Eitals, Zeglingen an dessen südlichem Ende. Rünenberg befindet sich auf einer Anhöhe zwischen Homburger- und Eital. Einheimischen sage der Name etwas, erklärt Weber. «Es ist kein Fantasiename.» Bislang handelt es sich jedoch lediglich um eine Empfehlung der Arbeitsgruppe. Den Entscheid treffen die drei Gemeinden. Weber räumt dem Vorschlag gute Chancen ein.
Neues Gemeindewappen
Neben dem Namen wurden zwei fast identische Entwürfe für ein mögliches gemeinsames Wappen präsentiert. Darin werden die Sonne als Symbol für die gemeinsame «Sonnenbank» auf dem Juraplateau, Quellen und Bäche sowie die Verbundenheit mit der Natur aufgegriffen. Auf den ersten Blick erinnern die Entwürfe an das Arboldswiler Wappen: Beide verbinden Blau und Grün mit einer gelben Sonne und einem silbernen Motiv. Das weisse Wellenband wiederum ähnelt dem Tecknauer Wappen, in dem ein senkrechter silberner Wellenpfahl den Eibach symbolisiert. Name und Wappen müssen vor der Schlussabstimmung vom Kanton vorgeprüft werden.
Heute zählen die drei Gemeinderäte zusammen 13 Mitglieder: je fünf in Rünenberg und Zeglingen sowie drei in Kilchberg. In der neuen Gemeinde soll ein siebenköpfiger Gemeinderat diese Aufgaben übernehmen. Noch offen ist, wie dieser gewählt würde. Separate Wahlkreise könnten in der ersten Amtsperiode sicherstellen, dass alle drei bisherigen Gemeinden im Gremium vertreten sind. Findet sich in einem Ortsteil jedoch niemand für die ihm zustehenden Sitze, droht eine Vakanz. Bei einer Wahl ohne Zuteilung könnten dagegen alle Sitze unabhängig vom Wohnort besetzt werden – dann ohne Garantie, dass jeder Dorfteil im Gemeinderat vertreten wäre.
In zahlreichen Bereichen sollen die heutigen Strukturen bestehen bleiben. Die Arbeitsgruppe «Bildung, Kultur und Soziales» empfiehlt, beide Schulstandorte beizubehalten: Die Kindergärten würden weiterhin in Rünenberg und Zeglingen geführt, die Primarklassen 1 und 2 in Zeglingen und die Klassen 3 bis 6 in Rünenberg. Auch die Vereine und Jagdgesellschaften sollen eigenständig bleiben. Ortsteilbezogene Traditionen wie die Banntage könnten weiterhin lokal stattfinden, gemeinsame Anlässe wie die Bundesfeier oder die Jungbürgerfeier würden fortgeführt.
Offen ist dagegen die Zukunft der Bürgergemeinden. Klar sprach sich die entsprechende Arbeitsgruppe gegen deren Integration in die neue Einwohnergemeinde aus: Alle acht anwesenden Mitglieder der Gruppe lehnten diese Variante ab. Ob sich die drei Bürgergemeinden stattdessen untereinander zusammenschliessen sollen, blieb unentschieden.
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Raumplanung. Gemäss einer am Dienstag präsentierten Folie könnte eine gemeinsame Zonenplanung 300 000 bis 400 000 Franken günstiger ausfallen als drei Einzelrevisionen. Als «gewichtiges Thema» bezeichnet die Arbeitsgruppe jedoch die Bauzonenauslastung.
Auf der Folie ist ein Zielwert von 90 Prozent eingezeichnet. Zeglingen erreicht nach den bisherigen Angaben 90,1 Prozent, Kilchberg 81,8 und Rünenberg 83,6 Prozent. Für die fusionierte Gemeinde weist eine vorläufige Auslastungsberechnung sogar nur 80,8 Prozent aus. Als Fazit hält die Folie fest: «Die Auslastungsproblematik ist bereits heute für Rünenberg und Kilchberg relevant. Bei einer Fusion würde sie für alle drei Dörfer relevant.» Welche konkreten Folgen daraus entstehen könnten, ist noch offen.
Entscheid fällt noch nicht
Es könne nicht sein, dass infolge des Zusammenschlusses viel Land ausgezont werden müsse, sagt Projektbegleiter Peter Weber. Rünenberg habe allerdings bereits unabhängig von der Fusion einen Auftrag, Land auszuzonen. Welche Möglichkeiten bestehen, soll laut Weber mit dem Kanton geprüft werden. Er zeigt sich zuversichtlich, dass eine Lösung gefunden werden könne. Die finanziellen Folgen des Zusammenschlusses sind noch nicht vollständig berechnet. Die zuständige Arbeitsgruppe legt ihre Zahlen vor, sobald feststeht, welche Kosten und Einsparungen sich aus den Empfehlungen der übrigen Gruppen ergeben. Dies soll im April 2027 der Fall sein.
Weil die drei Gemeinden ihre Verwaltung und zahlreiche weitere Aufgaben bereits seit Jahren gemeinsam organisieren, sei das zusätzliche Sparpotenzial kleiner als bei anderen Fusionen, sagt Weber. Ein Ausschlussgrund sei dies aber nicht. Offen sind unter anderem noch die Auswirkungen auf den Finanz- und Lastenausgleich.
Bis zum 27. November müssen die Facharbeitsgruppen ihre Schlussberichte einreichen. Anschliessend prüft die Projektleitung, ob wesentliche Punkte fehlen. Daraus erstellt Weber einen Schlussbericht. Nach der Freigabe durch die Projektleitung und die drei Gemeinderäte sollen sowohl die Zusammenfassung als auch die einzelnen Arbeitsgruppenberichte veröffentlicht werden.
Auf dieser Grundlage entscheiden die Gemeinderäte, ob ein Zusammenschlussvertrag ausgearbeitet und die Fusion den Gemeindeversammlungen empfohlen werden soll. Ein formeller Einspruch gegen die Arbeitsgruppenberichte ist nicht vorgesehen. «Es geht darum, sich zu informieren und sich ein Bild zu machen», sagt Weber. Abgestimmt werde später über den Zusammenschlussvertrag.
Eine zweite «Echoveranstaltung» ist für den 13. April im kommenden Jahr geplant, eine öffentliche Informationsveranstaltung für den 23. Juni 2027. Am 1. September sollen ausserordentliche Gemeindeversammlungen über die Fusion abstimmen. Sagen alle drei Ja, müssen die Entscheide an der Urne bestätigt werden – am 21. November 2027. Bei einer Zustimmung zur Fusion könnte die neue Gemeinde am 1. Januar 2029 starten.

