«Eine Fusion ist heute kein Thema»
09.10.2026 BucktenGemeindepräsident Daniel Meier über die Pläne für sein Dorf
Die 718-Einwohner-Gemeinde Buckten will sich für die Zukunft rüsten: Der Gemeinderat soll strategischer arbeiten und die Verwaltung gestärkt werden. Das Dorf soll ein attraktiver und lebendiger ...
Gemeindepräsident Daniel Meier über die Pläne für sein Dorf
Die 718-Einwohner-Gemeinde Buckten will sich für die Zukunft rüsten: Der Gemeinderat soll strategischer arbeiten und die Verwaltung gestärkt werden. Das Dorf soll ein attraktiver und lebendiger Wohnort bleiben.
Janis Erne
Herr Meier, die Gemeinde Buckten liess ihre Organisation und Strategie überprüfen. Weshalb?
Daniel Meier: In Buckten hängt viel am Gemeinderat. Dies, weil die Verwaltung mit Teilzeitpensen arbeitet und es im Hintergrund nur wenige Spezialisten gibt. Bislang hatten wir das Glück, dass Gewählte das nötige Fachwissen mitbrachten, etwa in den Bereichen Finanzen oder Bau. Wir können aber nicht davon ausgehen, dass dieses Wissen immer vorhanden sein wird. Deshalb haben wir mit einem Berater geprüft, wie wir uns besser organisieren können. Dabei haben wir angeschaut, welche Aufgaben der Gemeinderat wahrnehmen soll, welche bei der Verwaltung besser aufgehoben sind und welche künftig vielleicht gestrichen werden können.
Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse?
Gemeinderat und Verwaltung funktionieren gut – allerdings auch deshalb, weil sich einzelne Personen über das «Normale» hinaus engagieren. Dadurch entstehen gewisse Abhängigkeiten. Gleichzeitig beschäftigt sich der Gemeinderat stark mit kleineren Geschäften, wie mit der Vermietung der Mehrzweckhalle oder mit Offerten für den Ersatz des Rasentraktors, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die Analyse hat bestätigt, dass der Gemeinderat zu stark operativ und zu wenig strategisch unterwegs ist und sich dadurch zu wenig um die Zukunft der Gemeinde kümmern kann. Wir wollen deshalb die Verwaltung professionalisieren und mehr Aufgaben dort erledigen lassen.
Wie soll das finanziert werden?
Braucht es mehr Stellenprozente?
Das ist eine der grossen Fragen, die wir im weiteren Verlauf abschliessend klären wollen. Wir gehen davon aus, dass wir mit einer besseren Organisation und klareren Verantwortlichkeiten bereits einiges auffangen können. Einen gewissen Ausbau der Stellenprozente wird es aber wohl brauchen. Im Vergleich mit ähnlich grossen Gemeinden ist unsere Verwaltung eher knapp dotiert: Wir haben eine Gemeindeschreiberin, eine Kassierin und eine Steuerangestellte. Zusammen sind das rund 130 Stellenprozente für die ganze Gemeindeverwaltung. Dazu haben wir noch 40 Stellenprozente für den Sozialdienst und eine Vollzeitstelle für die Hauswartung. Unser Ziel ist es, mit den vorhandenen Mitteln auszukommen oder sie allenfalls leicht aufzustocken.
Einen Gemeindeverwalter oder eine Gemeindeverwalterin gibt es also nicht?
Nein. Die Gesamtverantwortung für die Verwaltung liegt bei mir als Gemeindepräsident.
Ist daher geplant, eine Verwaltungsleitung einzusetzen?
Wir haben drei Stossrichtungen diskutiert: Erstens könnten wir alles belassen wie heute. Zweitens wäre ein Verwaltungsmodell mit einem stärkeren Stellenausbau und einem regionalen Verbund, wie dies Känerkinden und Wittinsburg realisiert haben, denkbar. Drittens gibt es einen Mittelweg mit klareren Aufgaben und einem leicht höheren Pensum für die Verwaltung sowie einer verstärkten Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden; diesen Weg wollen wir weiterverfolgen. Doch zuerst wollen wir auch die Meinung der Bevölkerung einholen.
Wie sieht der Zeithorizont dieser Pläne aus?
Die Anpassungen in der Organisation des Gemeinderats und der Gemeindeverwaltung wollen wir möglichst noch in der laufenden Legislatur umsetzen, also bis Mitte 2028. Für die weitere Entwicklung haben wir uns im Rahmen der Strategie «Buckten 2040 +» Überlegungen gemacht, welche langfristigen Ziele wir erreichen möchten.
Ist bei «Buckten 2040 +» auch eine Fusion – etwa zu einer Grossgemeinde «Oberes Homburgertal» – angedacht?
Eine Fusion ist heute weder bei den Behörden noch in der Bevölkerung ein Thema. In 15 Jahren könnte sich diese Frage aber stellen, falls sich für die Gemeinderäte nicht mehr genügend Leute finden lassen sollten.
Was für Schwerpunkte gibt es sonst in der strategischen Entwicklung des Dorfs?
Wir wollen Buckten weiterhin als attraktive und lebendige Wohngemeinde positionieren. Alters- und familiengerechte Wohnungen sind uns ein wichtiges Anliegen. Und auch die regionale Zusammenarbeit wollen wir weiter stärken. Ein weiteres Thema ist die Infrastruktur unserer Gemeinde: Mehrzweckhalle und Schulhaus sollten energetisch saniert werden, diverse Strassen sind erneuerungsbedürftig, und wir befassen uns mit einem LEG-Modell für Solarstrom. In finanzieller Hinsicht wollen wir langfristig handlungsfähig bleiben und unsere heutigen Aufgaben weiterhin selbstständig erfüllen können.
Auf den ersten Blick erscheint als gut funktionierende Gemeinde mit Gewerbe, ÖV-Anschluss, Vereinen, Dorfladen, Restaurant und stabilen Einwohnerzahlen. Gleichzeitig sanken in den vergangenen Jahren die Steuereinnahmen. Weshalb?
Bei uns bezahlen vor allem natürliche Personen Steuern, Firmen gibt es nicht sehr viele. Wir haben also generell kein hohes Steueraufkommen. Der Steuerertrag deckt nur etwa drei Fünftel unserer Einnahmen – das heisst, wir bleiben bis auf Weiteres auf den Finanzausgleich angewiesen. Eine Steuererhöhung wäre aus meiner Sicht wenig zielführend: 1 Prozentpunkt mehr würde nur rund 40 000 Franken zusätzliche Einnahmen bringen, könnte aber Zuzüger abschrecken und Einwohnende verärgern.
Buckten unterstützt zwei Gemeindeinitiativen: Der Kanton soll konsequent die Kosten seiner Entscheide tragen, und die BLKB soll einen Drittel ihres Gewinns an die Gemeinden abliefern. Weshalb brauchen die Gemeinden mehr Geld?
Wir erachten diese beiden Ansätze als gangbare Wege. Die BLKB zahlt im Kanton keine Steuern und ist die Hausbank der allermeisten Gemeinden. Deshalb sind wir der Meinung, dass die Gemeinden einen Anteil am Bankgewinn erhalten sollen, der nach der Reservebildung übrig bleibt. Bei der anderen Initiative geht es darum, das Bewusstsein des Landrats für die Gemeindefinanzen zu stärken. Denn viele seiner Entscheide haben Kostenfolgen auf kommunaler Ebene. Die beiden Initiativen sind aus finanziellem Druck entstanden. So steigen die Kosten der Gemeinden teilweise stark an – zum Beispiel in den Bereichen Schule, Soziales, Alter oder Infrastruktur –, während die Einnahmen stagnieren.
Die SVP lancierte ebenfalls Initiativen, die Geld vom Kanton zu den Gemeinden verlagern sollen – über die Grundstückgewinnund Handänderungssteuer, die Erbschafts- und Schenkungssteuer sowie ebenfalls die BLKB-Gewinne. Wie stehen Sie zu diesen Vorschlägen?
Ohne die Details zu kennen, klingt die Grundidee einer Aufteilung dieser Steuererträge für mich als Finanzchef einer Gemeinde grundsätzlich gut. Bei den BLKB-Gewinnen finde ich es jedoch schade, dass kein gemeinsames Vorgehen zustande kam. Das überparteiliche Komitee unserer Gemeinde-Initiative hatte Kontakt zur SVP und war dann überrascht, dass die Partei ein ähnliches Begehren lancierte.
Kanton und Finanzdirektor Anton Lauber sind verständlicherweise wenig erfreut über die Umverteilungsinitiativen …
Das ist nachvollziehbar. Jede Staatsebene muss darauf achten, dass sie genügend Einnahmen hat. Letztlich geht es aber um die angemessene Verteilung der Steuergelder, denn auch die Gemeinden müssen ihre Aufgaben erledigen können. Unsere Forderungen erachten wir nicht als überbordend, ein Drittel des BLKB-Gewinns entspricht etwa dem Anteil der Gemeindesteuern im Kanton.
Ist zusätzliches Geld vom Kanton langfristig die Lösung – oder gibt es auch Sparmöglichkeiten?
Sparen ist sowohl bei den Gemeinden als auch beim Kanton wichtig. Bei den Schulen und im Bauwesen könnten die Gemeinden aus meiner Sicht Einsparungen erzielen, wenn es weniger Vorgaben des Kantons gäbe. Zudem wird immer wieder die Zahl der Verwaltungsstellen beim Kanton diskutiert. Ich denke, dort könnte man Geld sparen, aber keinesfalls im Sinne eines Kahlschlags. Die Gemeinden sind um viele Dienstleistungen des Kantons froh, beispielsweise um die fachliche Unterstützung in rechtlichen und finanziellen Fragen.
Zurück zum Anfang: Wie soll Buckten in zehn Jahren aussehen?
Buckten soll eine lebendige Gemeinde mit einer guten Durchmischung bleiben – mit Familien und älteren Menschen und einem regen Vereinsleben wie heute. Vielleicht gelingt es uns, eine Art Dorfzentrum zu schaffen. Wichtig ist ein gesundes Wachstum. Dabei müssen wir auch den Wandel im Wohnungsbestand im Blick behalten: Einfamilienhäuser könnten frei werden, während im Zentrum Mehrfamilienhäuser modernisiert werden könnten. Unsere Stärke liegt im Gemeinschaftsgefühl, in der naturnahen Umgebung und in der Infrastruktur mit Schule, Dorfladen und Restaurant sowie in der guten ÖV-Anbindung.
Zur Person
je. Daniel Meier (61) ist seit 1997, also bald 30 Jahre, Mitglied des Buckter Gemeinderats und seit 2020 Gemeindepräsident. Der Finanzspezialist arbeitet seit Langem bei den SBB in der Zentrale in Bern, wo er für Infrastrukturprojekte zuständig ist. In seiner Freizeit singt Meier im Chor Buckten, engagiert sich im Freilichttheater «Bühne12» in Läufelfingen und ist gerne mit der Kamera in den Alpen unterwegs. Zudem hilft er regelmässig in einer SAC-Hütte im Tessin mit.
Anlass zur Organisations- und Strategieentwicklung (Vorstellung der Analyse des Gemeinderats sowie Austausch mit der Bevölkerung), mit Apéro, Dienstag, 13. Oktober, ab 19.30 Uhr, in der Mehrzweckhalle Buckten.



