Ein Unikat kehrt zurück
20.08.2026 GelterkindenOrtssammlung erhält einen Samtbandwebstuhl
Anstatt zum Schrotthändler gelangte ein Samtbandwebstuhl zurück an seinen Entstehungsort. Die Ortssammlung Gelterkinden nimmt sich seiner an und hat den Transport ins alte Zeughaus organisiert.
Brigitte ...
Ortssammlung erhält einen Samtbandwebstuhl
Anstatt zum Schrotthändler gelangte ein Samtbandwebstuhl zurück an seinen Entstehungsort. Die Ortssammlung Gelterkinden nimmt sich seiner an und hat den Transport ins alte Zeughaus organisiert.
Brigitte Keller
Es war einmal ein Bandwebstuhl. Hergestellt hat ihn in den 1970er-Jahren die dazumal an der Bahnhofstrasse 3/5 in Gelterkinden ansässige Firma Schneider-Gerster AG. Gekauft wurde der Webstuhl damals von der Seidenbandweberei Herzogenbuchsee, die seit 2006 den Namen Minnotex GmbH trägt. Auf der Maschine wurden insbesondere Achselschlaufen oder Schulterpatten für die Schweizer Armee gewoben.
Als sich die Bedürfnisse der Armee änderten und in der Folge die Aufträge wegfielen, investierte die Textilfirma in den 1990er-Jahren die Summe von 80 000 Franken, um die Maschine umbauen zu lassen für die zukünftige Produktion von Samtbändern. Diese finden insbesondere bei Trachten Verwendung. Während mehr als 30 Jahren produzierte das Unternehmen in der Folge Samtbänder, bis die Maschine 2025 aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt wurde.
Weil der Eigentümer den Samtbandwebstuhl nicht einfach verschrotten lassen wollte, machte er sich auf die Suche nach einem «Alterssitz» für die Maschine. Dabei stiess er auf die Webstuhlkoordinationsgruppe «Webstuhlrattern». Diese setzt sich dafür ein, das wertvolle Wissen im Baselbiet zum Betrieb und Unterhalt von historischen Bandwebstühlen zu vermitteln. Dort ist auch der Verein Ortssammlung Gelterkinden vertreten.
Bis dahin hatte man beim Gelterkinder Verein nichts von der Existenz dieses Webstuhls gewusst. «Wir hätten nicht gedacht, dass so eine Maschine bis vor Kurzem noch in Betrieb war», sagt Lars Conzett (28). Der gelernte Automatiker stiess vor zwei Jahren aus Interesse an alter Technik und Maschinen zum Verein. «Zuerst zögerten wir, aber als wir hörten, dass der Webstuhl von der Gelterkinder Firma Schneider-Gerster AG hergestellt worden war, stieg unser Interesse.»
Und so kam es, dass der Samtbandwebstuhl in der vergangenen Woche unter Conzetts Leitung in Herzogenbuchsee verladen und nach Gelterkinden gebracht wurde. Dort, im alten Zeughaus, hat die Gemeinde Gelterkinden einen Platz bereitgestellt, wo der Webstuhl wieder zusammengesetzt und – im besten Fall bis Ende Jahr – wieder zum Laufen gebracht werden soll. Die Verantwortung dafür liegt in den Händen von Conzett. Ihm verdankt der Verein bereits die Wiederinstandsetzung eines anderen Bandwebstuhls, der sich im «Schauschopf» im Werkhof Fääli befindet.
«Wir gehen davon aus, dass es einen solchen Samtbandwebstuhl in der Schweiz kein zweites Mal mehr gibt», erzählt Conzett. Der bisherige Besitzer, Hans-Jörg Moser, habe ihm gesagt, dass das Militär früher ebenfalls einen solchen besass, dieser existiere aber wohl nicht mehr. «Hans-Jörg Moser hat uns auch seine Unterstützung beim Aufbau und der Inbetriebnahme angeboten», fährt Conzett fort; dieses Angebot werde man spätestens bei der Feineinstellung und dem Anweben gerne in Anspruch nehmen. Auch eine Betriebsanleitung sei noch vorhanden.
Jüngster «Webstuhlratterer»
Die Vorfreude auf diese Exklusivität für die Ortssammlung ist den Vereinsverantwortlichen anzumerken. Lars Conzett investiert aktuell zwei Wochen seiner Ferien dafür, um die Maschine so bald als möglich zum Laufen zu bringen. Unterstützung erhält er dabei von den Vereinskollegen Felix Jehle, Mario Brenna, Alois Hilber und Urs Kühnis.
Conzetts Leidenschaft für die alten Bandwebstühle wurde vor zwei Jahren geweckt. Damals, bei der Jubiläumsveranstaltung der Ortssammlung Gelterkinden (50 Jahre), kam er erstmals in Berührung mit dem Verein. «… und dann sagten sie zu mir, im ‹Fääli› steht noch ein alter Bandwebstuhl, der leider nicht mehr läuft. Das wäre doch etwas für dich?» Conzett biss an und verwendet für die Aufgabe seine Überzeit. Begleitet wurde er von einem sogenannten «Götti» der Webstuhlkoordinationsgruppe. In seinem Fall war dies Denis Beuchat, der sich seit mehreren Jahren für den Erhalt des Fachwissens zum Betrieb und Unterhalt von historischen Bandwebstühlen einsetzt. «Es war mir wichtig, einen solchen ‹Götti› zu haben, weil man aus fehlendem Wissen auch Sachen kaputt machen könnte», sagt Conzett, der mit seinen 28 Jahren beim «Webstuhlrattern» der mit Abstand jüngste Fachmann ist.
Auch zur Herstellerfirma Schneider-Gerster AG hat Conzett zwischenzeitlich recherchiert und Informationen zusammengestellt. Gegründet wurde die Bandwebstuhlfabrik 1826. Sie fabrizierte über Jahre hinweg ihre Maschinen in der Bützenen. Aus deren Gebäude dort wurde später die Pension Ergolz. Darin waren die Grundschule Metall und Pfadi untergebracht. Das Gebäude habe auch als Truppenunterkunft gedient. Nach mehrmaligen Standortwechseln produzierte die Firma zuletzt an der Bahnhofstrasse 3/5, bis sie 1995 stillgelegt und 2000 liquidiert wurde.
Es waren einmal ein Samtbandwebstuhl und ein engagierter Verein, der ihn demnächst wieder zum Leben respektive Rattern erwecken wird. Fortsetzung folgt.
Am Sonntag, 20. September, führt die Ortssammlung Gelterkinden im «Schauschopf» einen Tag der offenen Tür durch. Mehr Informationen auf www.osgelterkinden.ch


