Ein Stutz bewegt den Klimaschutz
15.10.2026 PolitikFlorence Brenzikofer, Nationalrätin Grüne, Oltingen
Wie schaffen wir es, dass junge Menschen auch nach ihrem 18. Geburtstag selbstverständlich mit Bus und Bahn unterwegs sind? Für mich ist die Antwort klar: Der öV muss attraktiv und bezahlbar ...
Florence Brenzikofer, Nationalrätin Grüne, Oltingen
Wie schaffen wir es, dass junge Menschen auch nach ihrem 18. Geburtstag selbstverständlich mit Bus und Bahn unterwegs sind? Für mich ist die Antwort klar: Der öV muss attraktiv und bezahlbar sein. Deshalb unterstütze ich die U-Abo-Initiative der Jungen Grünen, Juso, Jung EVP, Jungen «Mitte» und Jung GLP.
Wer als Teenager für jede Zugfahrt das Sackgeld zusammenkratzen muss, überlegt sich die Fahrt zweimal. Wer dagegen unkompliziert und günstig mit dem U-Abo unterwegs ist, steigt eher in den Bus, trifft Freundinnen und Freunde, besucht ein Konzert oder fährt selbstständig zur Schule und in die Lehre. Mobilität bedeutet Freiheit – wer erinnert sich nicht an seinen ersten selbstständigen Ausflug ohne Begleitung der Eltern?
Klimapolitik entscheidet sich nicht nur an grossen Konferenzen oder in politischen Programmen. Sie entscheidet sich jeden Morgen auf dem Weg zur Schule, zur Lehrstelle oder zur Arbeit. Nehme ich das Velo, den Bus oder doch das Auto der Eltern? Steige ich für den Ausgang in den Zug oder lasse ich mich fahren? Solche Entscheidungen treffen wir immer wieder. Mit 18 beginnt für die Jugendlichen ein neuer Lebensabschnitt: Ausbildung, erster Job, Ausgang, eigene Wohnung: Plötzlich wird Mobilität wichtiger – und teurer. Wer früh erlebt, dass Bus und Bahn selbstverständlich dazugehören, nutzt sie später eher auch im Berufsleben und im Alltag. Wer dagegen schon als Jugendliche oder Jugendlicher auf das Auto setzt, legt diese Gewohnheit nicht mehr ab. Ein günstiges U-Abo ist deshalb mehr als eine Entlastung fürs Budget: Es ist eine Investition in klimafreundliche Mobilität von morgen.
Gerade auf dem Land macht der Preis einen Unterschied. Wo der Bus nicht alle zehn Minuten fährt, ist das Auto oft ohnehin die bequemere Wahl. Wenn dann auch noch das ÖV-Abo teuer ist, wird der Umstieg erst recht schwierig. Wir können nicht ständig klimafreundliches Verhalten fordern und gleichzeitig dafür sorgen, dass es für junge Menschen ins Geld geht.
Die Verkehrswende gelingt nicht, indem wir den Menschen ein schlechtes Gewissen machen. Sie gelingt, wenn die klimafreundliche Entscheidung auch die naheliegende und bezahlbare ist. Wenn Jugendliche selbstständig unterwegs sein können, Familien ihr Budget entlasten und Menschen im Baselbiet eine echte Alternative zum Auto haben. Ein Blick nach Basel-Stadt zeigt, dass heute ein Drittel mehr Jugendliche das U-Abo gegenüber vor der Einführung im Frühjahr 2024 besitzt.
Einen Stutz am Tag auszugeben, damit junge Menschen auch mit 20, 25 oder 30 noch selbstverständlich mit Bus und Bahn unterwegs sind, ist gut investiertes Geld. Es macht den öV bezahlbar, unkompliziert und selbstverständlich. Damit stärken wir den öffentlichen Verkehr und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag für eine zukunftsgerichtete und umweltfreundliche Mobilität. Wer will, dass die nächste Generation anders mobil ist, muss ihr heute ermöglichen, anders mobil zu sein. Ein bezahlbares U-Abo ist dafür ein konkreter Schritt – für mehr Freiheit im Alltag und für wirksamen Klimaschutz.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

