Ein Sommer der Hoffnung?
08.09.2026 PolitikFredy Dinkel, Landrat Grüne, Ziefen
Die Zeitungsmeldungen dieses Hitzesommers erinnerten an den Auftakt zu einem Katastrophenfilm. Vor allem auch, da sich die Experten einig sind, dass dieser Sommer keine Ausnahme ist. Trotz aller Sorgen hat er in mir auch ...
Fredy Dinkel, Landrat Grüne, Ziefen
Die Zeitungsmeldungen dieses Hitzesommers erinnerten an den Auftakt zu einem Katastrophenfilm. Vor allem auch, da sich die Experten einig sind, dass dieser Sommer keine Ausnahme ist. Trotz aller Sorgen hat er in mir auch Hoffnung ausgelöst. Wir haben körperlich erlebt, was es heisst, wenn sich das Klima verändert, wir haben gesehen, wie der Wald leidet, wie Wiesen und Gärten sich in braune Flächen verwandeln, Bäche kein Wasser mehr führen. Erlebnisse, die mehr berühren als Artikel zu den Tonnen CO2 , die jeder von uns jährlich ausstösst, die aber noch niemand gesehen hat und die daher als theoretisches Konzept wahrgenommen werden. Das hat die Erdöllobby schon lange erkannt und viel investiert, um mit Fragen Zweifel zu säen: «Wie zuverlässig sind diese Prognosen? Gab es nicht schon immer Klimaveränderungen?»
In den vergangenen Wochen war der Tenor ein anderer. Jetzt müssen wir etwas tun, um uns und unsere Lebensgrundlagen zu schützen – um auch morgen Wasser zu haben und einen Wald, der seine wichtigen Funktionen erfüllen kann. Die- sen Sommer haben voraussichtlich alle verstanden, dass die Klimakrise für die Landwirtschaft nicht von Vorteil ist, wie dies noch vor kurzer Zeit von einem Politiker behauptet wurde.
Lösungen sind bekannt, siehe zum Beispiel Thomas Noacks «Carte blanche» vom 27. August. Entsprechend haben wir Grünen an der letzten Landratssitzung einige diesbezügliche Vorstösse eingereicht. Um diese und weitere Massnahmen umzusetzen, braucht es in einer Demokratie politische Mehrheiten. Dazu könnte dieser Sommer beigetragen haben, da alle hautnah erlebten, dass Umweltpolitik kein Nischenprojekt der Grünen ist, sondern uns alle betrifft, unabhängig von deren politischer Richtung.
Gewisse Zweifel ausgelöst hat bei mir ein Interview mit Albert Rösti in der «BaZ». Bei seiner Aussage «Wir können den Klimawandel nicht über die Wohlfahrt der Menschen stellen» stellt sich mir die Frage, ob wir unseren heutigen Wohlstand über die Wohlfahrt unserer Kinder stellen dürfen. Was wir heute nicht anpacken, wird morgen sehr teuer, vielleicht so teuer, dass sich künftige Generationen das Notwendige gar nicht mehr leisten können.
Ebenso wichtig wie der Schutz vor den Auswirkungen der Klimakrise ist es, die Ursachen anzugehen. Eine Aufgabe, welche die Menschheit nur gemeinsam lösen kann und die damit das Potenzial zu Einigkeit hat, in einer Welt, die von Konflikten geprägt ist. Das hat die Welt etwa bei der Bedrohung durch das Ozonloch aufgrund von FCKW-Emissionen schon geschafft. Statt mit den Fingern auf die anderen zu zeigen, um selbst nichts machen zu müssen, wurde 1987 ein Verbot dieser Stoffe von 198 Staaten unterzeichnet und umgesetzt. Heute hat sich die schützende Ozonschicht weitgehend erholt. Instinktiv wissen oder spüren wir, dass Aussagen wie «Die Schweiz ist zu klein, zuerst müssen die Grossen» zwar einleuchtend, aber schlicht eine Ausrede sind. So wünsche ich uns, dass die Hoffnung, dass wir etwas verändern können, und der Wille, unseren Beitrag dazu zu leisten, nicht mit dem nächsten Regen weggeschwemmt werden.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

