Ein seltenes Profil
12.05.2026 HölsteinGemeindeverwalter ist bald auch Politiker
Mit einem Glanzresultat wurde Pascal Liederer (parteilos) im März in den Muttenzer Gemeinderat gewählt. Aus seiner Tätigkeit als Gemeindeverwalter in Hölstein weiss er, wie Kommunalpolitik funktioniert. Wie sieht er seine ...
Gemeindeverwalter ist bald auch Politiker
Mit einem Glanzresultat wurde Pascal Liederer (parteilos) im März in den Muttenzer Gemeinderat gewählt. Aus seiner Tätigkeit als Gemeindeverwalter in Hölstein weiss er, wie Kommunalpolitik funktioniert. Wie sieht er seine Doppelrolle?
Erika Bachmann
Pascal Liederer kennt die Abläufe in Gemeindeverwaltungen bestens und wird sie künftig auch politisch mitgestalten. Der 32-jährige Gemeindeverwalter von Hölstein nimmt per 1. Juli Einsitz im Gemeinderat von Muttenz, der drittgrössten Gemeinde des Kantons. Dass ein Gemeindeverwalter zugleich Gemeinderat ist, kommt selten vor – erst recht in einem so jungen Alter.
Sein Weg dorthin war nicht vorgezeichnet. Ursprünglich zog Liederer eine Banklehre in Betracht. «Dann kam meine Mutter mit einem Inserat für eine KV-Lehre bei der Gemeinde Muttenz.» Der Einstieg in die Verwaltung erwies sich als prägend. Nach Stationen in der Privatwirtschaft und einem Master in Wirtschaftsinformatik kehrte er ins Gemeindeumfeld zurück und sammelte in Füllinsdorf erste Führungserfahrung. Nach einer Anstellung bei der Pensionskasse Basel-Stadt wechselte er vor fünf Jahren nach Hölstein. Zuvor absolvierte er den Lehrgang zum Gemeindeverwalter an der Fachhochschule Nordwestschweiz.
Die Arbeit als Gemeindeverwalter beschreibt Liederer als breit und anspruchsvoll. Es reize ihn, «die Verwaltung und die Projekte einer Gemeinde begleiten und weiterentwickeln zu können». Die Funktion verlange, sich laufend neue Fähigkeiten anzueignen und Themen aktiv voranzubringen. In Hölstein nennt er Fortschritte in der digitalen Ausrichtung der Verwaltung sowie in der Organisationsentwicklung. Pascal Liederer versteht die Verwaltung als Dienstleisterin für Bevölkerung und Gemeinderat. Eine zentrale Aufgabe sei die Umsetzung politischer Entscheide.
Projekte auf Gemeindeebene seien häufig komplex, erforderten den Einbezug vieler Beteiligter und gingen mit unterschiedlichen Erwartungen einher. «Man kann es nie allen recht machen», sagt Liederer. Entscheidungen würden nach klaren Regeln gefällt, der Gesamtblick müsse gewahrt bleiben. Entsprechend wichtig sei die Kommunikation. Als anspruchsvolle Beispiele nennt er den Verkauf des Hölsteiner Wärmeverbunds und den Umbau der Waldenburgerbahn. «Das Ergebnis ist jedoch positiv», bilanziert er.
Veränderungen stehen an
Für das 2700-Einwohner-Dorf Hölstein wünscht er sich «eine ausgewogene und nachhaltige Entwicklung, die Wachstum, Lebensqualität und Identität verbindet». Ein wichtiges Projekt ist die Arealentwicklung im Gebiet Husmatt mit neuem Wohnund Gewerberaum. Zudem hofft er, dass die Gemeinde bald wieder ein Restaurant erhält.
Geplant ist auch eine engere Zusammenarbeit mit der Gemeinde Lampenberg. Im Juni entscheiden die Gemeindeversammlungen über eine Zusammenlegung der Verwaltungen. «Es würde sicher ein bis zwei Jahre dauern, bis die Abläufe eingespielt sind», sagt Liederer. Ziel seien Synergien und eine effizientere Aufgabenerfüllung. Die Hölsteiner Verwaltung zählt derzeit fünf Mitarbeitende, dazu kommen Werkhof, Lernende und weitere Angestellte.
Neben seiner Tätigkeit in Hölstein übernimmt Pascal Liederer bald auch politische Verantwortung. Bei der Wahl im März erzielte der Parteilose deutlich mehr Stimmen als sein FDP-Kontrahent. In Muttenz wird er für rund 18 500 Einwohnerinnen und Einwohner mitverantwortlich sein. «Ich freue mich auf meinen Start und möchte gute Ergebnisse mitgestalten», sagt er. Seine Verwaltungserfahrung dürfte Pascal Liederer dabei ebenso zugutekommen wie seine Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen.

