Ein Ostergeschenk fürs Herz
14.04.2026 PolitikAndrea Kaufmann-Werthmüller, Landrätin FDP, Waldenburg
Während andere am Ostersonntag Eier gesucht haben, hat mich das Leben selbst überrascht – und mir gleich das wohl schönste Geschenk gemacht. Ich wurde Grosi. Dieses kleine Wesen zum ...
Andrea Kaufmann-Werthmüller, Landrätin FDP, Waldenburg
Während andere am Ostersonntag Eier gesucht haben, hat mich das Leben selbst überrascht – und mir gleich das wohl schönste Geschenk gemacht. Ich wurde Grosi. Dieses kleine Wesen zum ersten Mal im Arm zu halten, war ein Moment, der sich kaum beschreiben lässt. So winzig. So ruhig. Und ich? Irgendwo zwischen völlig überwältigt und dem leisen Gedanken, ob ich jetzt automatisch weiser wirken sollte. Spoiler: Es ist mir nicht gelungen.
Manchmal gibt es Momente im Leben, die alles verändern – ganz leise und doch mit voller Wucht. Genau so ein Moment war es. Seit diesem Augenblick ist mein Leben noch einmal ein Stück reicher. Erfüllt von einer Liebe, die sich kaum beschreiben lässt. Und, ehrlich gesagt, auch von der Erkenntnis, dass ich nun offiziell in einer neuen Lebenskategorie angekommen bin.
Und plötzlich steht sie im Raum, die Frage: Gehört man jetzt zum alten Eisen? Ich habe kurz darüber nachgedacht – und dann mein Enkelkind angeschaut. Die Antwort war sofort klar: Sicher nicht. Schon allein, weil ich mich beim Versuch, «alt» zu sein, ziemlich ungeschickt anstelle. Denn so viel Freude auf einmal – das hat mit «alt» nun wirklich nichts zu tun.
Natürlich hat man sofort Bilder im Kopf. «Grossmutter» – das klingt nach Stricknadeln, grauen Haaren und einem festen Platz auf dem Sofa. Nach Guetzli in Grossproduktion und einem Leben im gemütlichen Rhythmus. Und ganz ehrlich: Diese Grosis sind grossartig. Warmherzig, geduldig – und oft beneidenswert gelassen. Eigenschaften, an denen ich noch arbeite, während ich gleichzeitig mein Handy suche, das ich gerade eben irgendwo hingelegt habe. (Meistens ist es übrigens ganz in meiner Nähe.)
Nur erkenne ich mich selbst darin (noch) nicht ganz wieder. Ich habe keine Lesebrille, trinke keinen Kaffee und fühle mich ehrlich gesagt noch mitten im Leben – manchmal sogar ein bisschen zu sehr dafür, dass ich jetzt offiziell «Grosi» bin. Und trotzdem ist da jetzt etwas Neues. Etwas Grosses. Dieses kleine Wunder hat mein Herz im Sturm erobert. Ein Blick – und plötzlich ist alles andere unwichtig.
Und ich glaube, vielen geht es so: Plötzlich verschieben sich die Prioritäten. Es geht nicht mehr darum, alles perfekt zu machen. Sondern darum, da zu sein. Zu geniessen. Zu lieben. Und ganz ehrlich: Das grösste Geschenk, das mir meine Kin- der gemacht haben, sind Grosskinder. Und ich merke jetzt schon: Ich freue mich unglaublich auf meinen zukünftigen «Grosihütetag» – auf gemeinsame Stunden, kleine Abenteuer und darauf, diesen kleinen Menschen nach Strich und Faden zu verwöhnen. (Sehr zur Freude – oder vielleicht auch leichten Sorge – der Eltern.)
Und ja – auch darauf, herauszufinden, wie man Grossmutter ist und dabei trotzdem ganz man selbst bleibt. Ich werde meinen eigenen Weg darin finden – mit viel Herz und einer guten Portion Humor. Also nein, zum alten Eisen gehöre ich nicht. Ich bin einfach angekommen in einer neuen, wunderschönen Rolle, die mich erfüllt und mir jeden Tag ein Stück mehr bedeutet.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

