Ein letztes Mal am Dirigentenpult
27.10.2026 MaisprachStephan Imhof verabschiedete sich nach 36 Jahren
Mehr als drei Jahrzehnte dirigierte Stephan Imhof den Männerchor Maisprach. Nun hat er an einem Konzert in der reformierten Kirche den Taktstock an seinen Nachfolger Claudio Cotti übergeben. Dem Chor bleibt Imhof als Sänger ...
Stephan Imhof verabschiedete sich nach 36 Jahren
Mehr als drei Jahrzehnte dirigierte Stephan Imhof den Männerchor Maisprach. Nun hat er an einem Konzert in der reformierten Kirche den Taktstock an seinen Nachfolger Claudio Cotti übergeben. Dem Chor bleibt Imhof als Sänger erhalten.
Erika Bachmann
In der voll besetzten reformierten Kirche Maisprach erlebte das Publikum einen besonderen Konzertabend. Gemeinsam mit den 21 Sängern gestalteten der scheidende Dirigent Stephan Imhof und sein Nachfolger Claudio Cotti ein abwechslungsreiches Programm, begleitet von Geschichten und Erinnerungen aus der Vereinsgeschichte.
Schon früh lernte Imhof auf Wunsch seiner Mutter Klavier spielen. 1989 stiess er zum Männerchor Maisprach, dessen Leitung er nach seiner Ausbildung zum Chorleiter 1990 übernahm. Unter seiner Führung entwickelte sich der Chor weiter und erzielte an zahlreichen kantonalen und eidgenössischen Gesangsfesten Bestnoten.
Das Konzert eröffneten die Sänger mit einem Dankeslied für ihren langjährigen Dirigenten. Mit den Worten «Wir wünschen dir heute alles Glück der Welt» würdigten sie seine Geduld, seine Inspiration und die gemeinsamen musikalischen Erfolge. Zwischen den Liedern blickten die Chormitglieder auf besondere Erlebnisse und gemeinsame Höhepunkte zurück. Dabei wurde auch deutlich, welchen Stellenwert die wöchentlichen Proben für die Sänger haben.
Mit dem Lied «Die Arve» von Fritz Gerspach erinnerte der Chor an einen besonderen Erfolg: Am Aargauischen Gesangsfest in Rheinfelden, dem Geburtsort von Stephan Imhof, hatte er unter dessen Leitung erstmals die Bestnote «vorzüglich» erhalten. Auch an seinem Abschiedskonzert dirigierte Imhof mit grossem Engagement. Mit «Cekolina», einem Stück mit drei tschechischen Tanzliedern, brachte der Chor schliesslich Bewegung in das Programm.
Mehrfach erwähnt wurden die jährlichen Sängerreisen mit spontanen Gesangtseinlagen unterwegs als sehr schöne, kameradschaftliche Erlebnisse.
Zu Beginn seiner Dirigentenzeit war der Chor noch kleiner. Deshalb zog Imhof gemeinsam mit Jean-Pierre von Tür zu Tür, um neue Sänger zu gewinnen. Eine davon war der ehemalige Maispracher Gemeindepräsident Paul Spänhauer.
Chor ohne Dirigent singt falsch
Dieser begleitete am Konzert den bekannten Song «The Wellerman» auf der Gitarre und blickte mit einem Schnitzelbank humorvoll auf Imhofs Wirken zurück. «Lob, Preis und Dank sei dir, Stephan», hiess es darin. Und weiter: «Setzt sich im zweite Bass zur Rueh, mues nümme vorne fuchtle und nümme so schwitze.» Imhof übernahm dabei die Rolle des Helgenhalters. Ein Chor ohne Dirigent würde falsch singen, und so ist Dirigieren die zentrale Funktion für unvergessliche Singstunden. Dazu gehört ein grosses Vertrauensverhältnis, mit dem der Chor sicher durch die Lieder geführt wird. Das abwechslungsreiche Repertoire zeigte die musikalische Bandbreite des Chors und wurde vom Publikum mit grossem Applaus und stehenden Ovationen gewürdigt.
Neben der Musik spielt auch die Kameradschaft eine wichtige Rolle. Neue Sänger seien jederzeit willkommen und könnten jeweils dienstags um 20.15 Uhr eine Probe besuchen. Zu den Höhepunkten der Vereinsgeschichte zählen Auftritte in Dresden und im Arlesheimer Dom sowie das 175-Jahre-Jubiläum des Chors vor fünf Jahren.
Besonders eindrücklich gestalteten die Sänger den symbolischen Stabwechsel. Zu den Worten «Heute gehst du fort als Dirigent, gibst den Stab in neue Hände» verliess Stephan Imhof die Kirche, um wenig später durch eine Seitentür zurückzukehren – nun als Sänger. Mit winkenden Tüchern und einem eigens für ihn vorbereiteten Dankeslied überraschten ihn seine Chorkameraden. Auch vor der Kirche wurde der Abschied mit einer beleuchteten Botschaft zum Dank und Willkommen gewürdigt.
In seinen Abschiedsworten dankte Imhof seiner Familie, den Sängern, allen Unterstützenden und dem Publikum. Zugleich ermutigte er dazu, selbst Freude am Singen zu entdecken – ganz nach dem Motto «Luege, lose, singe». Auch der Gemeinderat würdigte sein langjähriges Engagement und seinen Beitrag zum Gemeindeleben. In Anlehnung an die musikalischen Erfolge des Chors bezeichnete er Imhof als Meister mit dem Prädikat «vorzüglich».
Die musikalische Leitung übernimmt künftig Claudio Cotti, dem die Sänger viele weitere musikalische Abenteuer wünschten. Den Abschluss des Konzerts bildete der Schlager «Über sieben Brücken musst du gehen», bei dem Stephan Imhof den Chor am Klavier begleitete. Anschliessend klang der Abend bei einem Apéro in der Turnhalle aus.

