Für das Dorffest bekommt der SBB-Veteran Auslauf
Das legendäre SBB-Krokodil 14305 fährt am 30. August mehrmals über die alte Hauensteinlinie. Die fast ausgebuchten Nostalgiefahrten erinnern zugleich daran, wie eng die Geschichte des Dorfs seit bald 170 Jahren mit der ...
Für das Dorffest bekommt der SBB-Veteran Auslauf
Das legendäre SBB-Krokodil 14305 fährt am 30. August mehrmals über die alte Hauensteinlinie. Die fast ausgebuchten Nostalgiefahrten erinnern zugleich daran, wie eng die Geschichte des Dorfs seit bald 170 Jahren mit der Eisenbahn verbunden ist.
Lorenz Degen
Wo immer diese Lokomotive auftaucht, erscheinen sofort Kameras und freudige Gesichter. Am Dorffest «800 Joor Läufelfingen» wird das nicht anders sein, wenn am Sonntag, 30. August, gegen 9.44 Uhr vormittags das Krokodil erstmals aus dem Hauenstein-Scheiteltunnel auftauchen wird.
Um 11.13 Uhr fährt es, von Sissach (Abfahrt 10.50 Uhr) kommend, wieder zurück ins Mittelland. Ein weiteres Mal zeigt es seine grüne Schnauze dann am Nachmittag um 14.19 Uhr Richtung Sissach (Olten ab 13.45 Uhr) und verabschiedet sich um 15.48 Uhr Richtung Olten (Sissach ab 15.29 Uhr).
Wer jetzt noch mitfahren will, muss sich beeilen, derzeit sind fast alle Mitfahrmöglichkeiten bereits ausgebucht. Insbesondere für die ganze Strecke bis Sissach und zurück gibt es keine Billette mehr. Im Moment sind nur noch einfache Fahrten von Olten nach Läufelfingen verfügbar. Die Billette werden via SBB Historic auf Ticketcorner verkauft.
Verbundenheit mit der Eisenbahn
Die Nostalgiefahrten markieren den Bezug von Läufelfingen zur Schiene, die das Dorf 1857 von Sissach her erreichte. Die Schweizerische Centralbahn baute in Etappen die erste Eisenbahn durch den Jura, wobei der Durchstich eine besondere Schwierigkeit darstellte.
Im Jahr 1858 wurde der 2,5 Kilometer lange Hauensteintunnel eröffnet, seither besteht Anschluss an den Eisenbahn-Knotenpunkt Olten. Allerdings versiegten danach wichtige Quellen, sodass Läufelfingen gerichtlich für sein Wasser kämpfen musste. Ein Rückleitungsstollen wurde gebaut, um den Abfluss Richtung Trimbach aufzufangen.
Bis zur Eröffnung des Hauenstein-Basistunnels bei Tecknau bildete die Linie durchs Homburgertal die Hauptstrecke von Basel ins Mittelland, bis 1938 war sie zweigleisig ausgebaut.
Als eines der letzten «Dampfreviere» wurde das «Läufelfingerli», wie die Linie umgangssprachlich genannt wird, Anfang Oktober 1953 elektrifiziert. Um 1997 gab es Pläne der SBB und um 2017 von der Baselbieter Regierung, den Personenverkehr auf Busbetrieb umzustellen, was verhindert werden konnte. Sämtliche Stationen sind modern ausgebaut, ein kleiner Gelenktriebwagen besorgt die stündlichen Verbindungen auf der S9, wie der Fachterminus für diesen flotten Regionalzug lautet.
Ursprünglich Güterzugslok
Das Krokodil gilt als Star auf dem Schweizer Schienennetz, drei Exemplare sind noch fahrtüchtig. Der Übername leitet sich von den Vorbauten ab, die an die längliche Gestalt eines Krokodils erinnern.
Am Dorffest kommt die Nummer 14305 zum Einsatz, gemäss technischer Bezeichnung eine Ce 6/8 III. Sie wurde im Jahr 1925 erbaut und ist heute in Olten beheimatet. Ihr elektrischer Teil stammt von der Maschinenfabrik Oerlikon, die Mechanik von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur. Hauptsächlich für Güterzüge auf der Gotthardstrecke gebaut, wurde sie später auch für Kieszüge eingesetzt.
Seit 1979 gilt das Krokodil 14305 als historische Lokomotive, heute gehört es zum Bestand von SBB Historic.