Ein Jahr voller Wendungen
24.07.2026 Sport, FussballJonas Uebersax blickt auf turbulente Monate zurück
Zwischen U17-Meistertitel in Basel und Super-League-Abstieg in Winterthur lagen für Jonas Uebersax nur wenige Monate. Heute Abend startet der 35-Jährige mit dem FC Winterthur in ein weiteres Abenteuer – die Challenge ...
Jonas Uebersax blickt auf turbulente Monate zurück
Zwischen U17-Meistertitel in Basel und Super-League-Abstieg in Winterthur lagen für Jonas Uebersax nur wenige Monate. Heute Abend startet der 35-Jährige mit dem FC Winterthur in ein weiteres Abenteuer – die Challenge League.
Thomas Ditzler
«Ich würde die neue Saison lieber in der Super League in Angriff nehmen», sagt Jonas Uebersax, angesprochen auf den Start der Challenge-League-Saison. Uebersax und der FC Winterthur empfangen heute Abend im Stadion Schützenwiese zum Meisterschaftsstart Yverdon Sport. Nachdem die Eulachstädter Ende vergangener Saison abgestiegen sind, heisst die neue Realität des Gelterkinders nicht mehr Basel oder YB, sondern Stade Nyonnais oder Rapperswil-Jona. Die neue Liga stellt für den Assistenztrainer des FC Winterthur ein weiteres Abenteuer dar. Es ist nur eines von vielen, die der 35-Jährige in den vergangenen zwölf Monaten erlebt hat. «Hinter mir liegt ein in vielerlei Hinsicht intensives Jahr», sagt er.
Rückblende: Obwohl Uebersax im vergangenen Sommer als Trainer der U17 des FC Basel Schweizer Meister wurde, musste er den Verein verlassen und wechselte als U21-Trainer zum FC Winterthur. Das Amt, bei dem er nebenbei auch noch Talentmanager war, übte er jedoch nur wenige Monate aus. Als Patrick Rahmen im Herbst Cheftrainer in Winterthur wurde, wurde Uebersax als Assistenztrainer in die erste Mannschaft berufen. Überbrückend übte er kurze Zeit beide Ämter aus – jenes in der U21 und jenes in der ersten Mannschaft. «Im Fussballgeschäft kann man vieles nicht planen. Dies habe ich einmal mehr gemerkt», sagt Uebersax schmunzelnd.
Auch wenn er gerne bei der U21 geblieben wäre, sei der Wechsel in den Staff von Patrick Rahmen eine einmalige Chance gewesen: «Mit Profis zusammenzuarbeiten, war für mich eine Veränderung.» Eine, die er bislang als sehr spannend und toll bewertet.
Für Unvorhersehbares bereit
Dank Rahmen, den er aus seiner Zeit als Juniorenspieler beim FC Basel bereits kannte, habe er sich schnell im neuen Team eingelebt. «Ich bin dem FC Winterthur sehr dankbar für das Vertrauen, das sie mir gegeben haben», betont Uebersax. Als er vor einem Jahr als U21-Trainer zugesagt hat, wusste er, dass ein Abenteuer auf ihn warten würde. «Winterthur ist eine Adresse mit einer tollen Vereinskultur», sagt er. Ein Verein mit anderen Möglichkeiten und Ambitionen. Dass er seine erste Saison in Winterthur aber nicht als Cheftrainer im Nachwuchsbereich, sondern als Assistent in der ersten Mannschaft beenden würde, sei zum damaligen Zeitpunkt nicht absehbar gewesen: «So ist Fussball. Du musst bereit sein auf Unvorhersehbares», scherzt der 35-Jährige.
Auch wenn diese erste Saison mit dem Abstieg in die Challenge League nicht so geendet habe, wie er und alle im Umfeld des Vereins es sich erhofft haben, sei er sehr dankbar für das Erlebte: «Ich konnte in dieser Zeit sehr viel lernen. Von einem Misserfolg kannst du für deine persönliche Entwicklung meistens mehr mitnehmen.» Er sei sich bei seiner Zusage bereits bewusst gewesen, dass der Verbleib in der Super League ein schwieriges Unterfangen werde. «Wir haben immer daran geglaubt, dass wir das Wunder Klassenerhalt aus der Vorsaison wiederholen könnten.» Entsprechend gross sei die Enttäuschung gewesen, als der Abstieg Realität war. Für Uebersax und sein Team galt es danach, die Situation zu akzeptieren und wieder nach vorne zu blicken. Der Abstieg sei mittlerweile verarbeitet und die Lehren habe er auch für sich persönlich daraus gezogen.
In neuer Rolle zurechtfinden
Mit der Umstellung vom U21-Cheftrainer zum Assistenten musste er sich zu Beginn seines Wechsels in die Super League zuerst zurechtfinden: «Nach zehn Jahren, in denen ich bei verschiedenen Vereinen Cheftrainer war, musste ich meine Rolle und meine Kompetenzen in der neuen Funktion zuerst finden.» Die Aufgabengebiete, Entscheidungsfindung oder auch die Kommunikation – als Assistent ist das anders. «Als Chef habe ich jeweils gesagt, was ich will. Nun setze ich das um, was Patrick Rahmen sagt», so Uebersax. Meistens sei es ein Miteinander zwischen Cheftrainer und den Assistenten. Von seiner neuen Rolle könne er viel für seine Karriere profitieren: «Falls ich spä- ter wieder einmal einen Chefposten innehabe, weiss ich genau, wie sich die Assistenztrainer in ihrer Funktion fühlen.»
Vorbereitung von Trainingseinheiten, Spiele analysieren, Standardsituationen planen: Das Aufgabengebiet von Jonas Uebersax im Staff ist vielseitig. «Viele Entscheidungen diskutieren wir im Trainerteam gemeinsam, dadurch bin ich in vielen Bereichen involviert», sagt Uebersax.
«Vermisse die anderen Stadien»
Mit dem heutigen Heimspiel gegen Yverdon öffnet sich für Uebersax ein weiteres neues Kapitel innerhalb der letzten zwölf Monate. Die Challenge League sei eine Liga, von der er neue Aspekte gewinnen kann. «Die Stadien aus der Super League werde ich zwar vermissen. Glücklicherweise können wir uns bei unseren Heimspielen immer über eine grosse Fan-Kulisse freuen», sagt er und hofft, dass «sein» FC Winterthur in der neuen Liga vorne mitspielen wird.
«Ich freue mich auf die neue Situation und die neue Saison», betont Jonas Uebersax und ergänzt: «Aber wer weiss schon, was uns alles erwarten wird.» Wenn einer weiss, wie schnell sich im Fussballgeschäft alles ändern kann, dann er.
Der Fussballtrainer als Festredner
td. Nicht als Fussballtrainer, sondern als Festredner wird Jonas Uebersax an der kommenden Bundesfeier in seiner Wohngemeinde Gelterkinden auftreten. Der 35-Jährige wird am Samstag, 1. August, auf dem Dorfplatz eine Ansprache halten.



