Ein Guru, eine Grätsche und Geldangebote
13.08.2026 Sport, FussballPius Kaderli, Olaf Wahl und Patrik Hersperger blicken auf ihre Spiele gegen Superligisten zurück
Spiele gegen einen Super-League-Club sind für regionale Vereine selten – und oft der Höhepunkt einer Fussballkarriere. Vor dem Duell des FC Liestal gegen die Young Boys am Samstag erinnern sich drei Oberbaselbieter an ihre unvergesslichen Begegnungen.
Thomas Ditzler
Pius Kaderli gehört zu den wenigen Oberbaselbietern, die wissen, wie es sich anfühlt, im Schweizer Cup als Regional-Fussballer gegen einen Superligisten anzutreten. Was für viele Spieler ein Traum bleibt, erlebte der Bubendörfer gar zweimal. In der Saison 2006/07 spielte der Verteidiger in der ersten Cuprunde mit dem FC Liestal gegen den FC Basel (1:6). 2021 duellierte sich Kaderli für den FC Bubendorf mit dem FC Sion (0:3) erneut mit einem Superligisten. Die Auflistung aus den vergangenen rund 25 Jahren von Cup-Duellen zwischen einem Fussball-David aus dem oberen Kantonsteil gegen einen Goliath aus der Super League wird vom FC Oberdorf als drittem Vertreter komplettiert. Die Oberdörfer spielten 2004 ebenfalls gegen den FC Basel (0:4).
Am Samstag (16 Uhr) nimmt der FC Liestal gegen die Berner Young Boys als viertes Team aus dem oberen Kantonsteil seit der Jahrtausendwende einen weiteren Anlauf gegen einen Riesen. Gerade weil solche Ernstkämpfe gegen Profis für die regionalen Amateure äusserst selten sind, bleiben die Spiele umso mehr in Erinnerung. Dies bestätigen stellvertretend für die bisherigen drei Cup-Partien Pius Kaderli (FC Liestal und FC Bubendorf), Olaf Wahl (FC Oberdorf) und Patrik Hersperger (FC Bubendorf).
Heilsbringer mit drei Treffern
«Als wir 2006 mit Liestal gegen Basel spielten, kam der FCB gerade aus einem Formtief. Umso mehr wurden wir als Underdog medial vor diesem Spiel zu einer möglichen Sensation gepusht.» Wenige Monate zuvor hatte der FC Basel die Meisterschafts-Finalissima gegen den FC Zürich verloren und auch der Start in die neue Saison verlief für das Team von Christian Gross nicht nach Wunsch. «Entsprechend war Basel unter Druck und spielte gegen uns mit der Stammelf», erinnert sich Kaderli.
Mit dem Brasilianer Cristiano hatte Basel kurz vor dem Spiel einen weiteren Transfer getätigt. «Er wurde als neuer Heilsbringer angepriesen. Gegen uns traf er dreimal», erzählt Kaderli. Während Kaderli beim Duell Liestal gegen Basel mit 24 Jahren am Beginn seiner Karriere war, bildete das Spiel als FC-Bubendorf-Akteur im August 2021 gegen Sion das Ende seiner Fussballer-Laufbahn. «Ich wollte schon die Saison davor aufhören. Als die Auslosung bekannt war, holte ich die Fussballschuhe nochmals aus dem Kasten.»
Dass er als Amateur-Fussballer zweimal im Cup gegen einen Superligisten antreten durfte, ehrt ihn: «Ich bin mir bewusst, dass viele von einem solchen Spiel träumen. Dass ich zweimal in diesen Genuss kam, ist ein grosses Privileg.» Das Bubendorf-Spiel war insofern speziell, weil dieser Anlass nach der Corona-Zeit einer der ersten mit einer grösseren Menschenansammlung war. «Umso schöner, dass wir diese Partie austragen durften – auch wenn es für meine Verhältnisse an diesem Tag auf dem Kunstrasen viel zu heiss war», sagt Kaderli und schmunzelt.
Rückblickend sei ihm vor allem die Zeit vor der Partie in Erinnerung geblieben. «Wie ein ganzer Verein Zeit in die Vorbereitungen steckt und Helfer mobilisiert, um dieses Spiel auf die Beine zu stellen, hat uns als Spieler sehr beeindruckt», erzählt der Bubendörfer. Während bei ihm als jungem FCL-Spieler vor allem der Ehrgeiz vor dem Cup-Spiel im Zentrum stand, sei es beim Bubendorf-Spiel die Dankbarkeit für das Erlebnis gewesen, die er verspürt hatte: «Natürlich war der sportliche Ehrgeiz immer da. Mir ging es in beiden Spielen nie nur ums Geniessen.» Der Gedanke einer möglichen Sensation sei beide Male im Hinterkopf gewesen.
Unverhofft in die Startelf
Eine mögliche Sensation gar mit übernatürlichen Kräften herbeizuführen, versuchten die Verantwortlichen des FC Oberdorf 2004, als der Verein unter anderem mit Olaf Wahl im Schweizer Cup gegen den FC Basel antrat. «Ein Guru verabreichte uns Spielern im Vorfeld mit Elektrostäben Stromstösse. Wir hatten uns auf dieses Experiment eingelassen, obwohl wir nicht wussten, was mit uns passieren würde», blickt Wahl zurück und lacht.
Allein diese Anekdote zeigt, dass die Partie auch 22 Jahre danach bei ihm noch präsent ist. «Das Cup-Spiel war das prägendste in meiner Karriere», sagt der Bubendörfer, der erst vor Kurzem die Fernseh-Berichte von diesem Spiel digitalisieren liess.
Die Partie sei nicht nur deshalb speziell gewesen, weil es gegen das «grosse» Basel ging, sondern weil Wahl erst kurz zuvor nach Oberdorf gewechselt hatte. «Ich ging nicht davon aus, dass ich in der ersten Mannschaft zu vielen Einsätzen kommen würde – und stand dann im Cup plötzlich in der Startelf», so Wahl.
Weil kurz zuvor Mladen Petric vom Rivalen GC zu Basel gewechselt hatte, wurde Wahl gar im Militär von FCB-Fans Geld geboten, würde er Petric in der Partie umgrätschen. Auch er bezeichnet das Drumherum und den Zusammenhalt, den diese Partie in Oberdorf ausgelöst hat, als einzigartig. Im Spiel selber hätten sich die Oberdörfer in Bezug auf das Kräfteverhältnis jedoch wie Schulbuben gefühlt.
Das Ambiente und die vielen Zuschauer seien es, die Patrik Hersperger an sein Cup-Spiel als Bubendörfer gegen den FC Sion im August 2021 erinnern. Vor der Partie sei er sehr angespannt gewesen. «Als das Spiel losging, war die Nervosität weg.» Die Cup-Partie habe damals im Team zu einem positiven Drive geführt, der auch danach noch anhielt. Auch wenn ihnen gegen Sion kein Treffer gelang, habe dies die Freude und Stimmung nicht getrübt. Sein Tipp an den FC Liestal aus seiner eigenen Cup-Erfahrung sei: «Man muss den Mut haben, auch nach vorne im Spiel etwas zu riskieren.» Egal wie die Partie enden wird, die Liestaler werden sich danach in die Liste der Spieler einreihen dürfen, die über ähnliche Erlebnisse wie Kaderli, Wahl, Hersperger und Co. berichten können.




