Ein Dorffest – Fluch oder Segen?
28.04.2026 PolitikThomas Grüter, Gemeindepräsident Tenniken, parteilos
Als Gemeindepräsident von Tenniken blicke ich mit grosser Vorfreude auf ein besonderes Jahr: Wir dürfen dieses Jahr unser 800-Jahre-Jubiläum feiern. Vom 21. bis 23. August wird der ...
Thomas Grüter, Gemeindepräsident Tenniken, parteilos
Als Gemeindepräsident von Tenniken blicke ich mit grosser Vorfreude auf ein besonderes Jahr: Wir dürfen dieses Jahr unser 800-Jahre-Jubiläum feiern. Vom 21. bis 23. August wird der Höhepunkt unseres Jubeljahres mit einem Dorffest begangen, das uns noch lange in Erinnerung bleiben soll. Doch bei aller Begeisterung stellt sich auch eine Frage, die viele Gemeinden und auch Vereine kennen: Ist ein Dorffest ein Segen – oder manchmal auch ein kleiner Fluch?
Ein Fest dieser Grössenordnung lebt vom Engagement der Bevölkerung. Ohne freiwillige Helferinnen und Helfer, ohne Einsatzbereitschaft und Zusammenhalt wäre ein solches Ereignis schlicht nicht möglich. Es ist beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen bereit sind, Zeit und Energie zu investieren, um etwas Gemeinsames zu schaffen. Genau darin liegt der grosse Wert: Ein Dorffest verbindet, schafft Begegnungen und lässt uns als Gemeinschaft wachsen.
Und genau dies hat am vergangenen Wochenende die Gemeinde Zunzgen bewiesen. Bei schönstem Frühlingswetter wurde das frisch renovierte Schulhaus offiziell eingeweiht. Klar, das ist kein Dorffest, aber auch ein solcher Anlass musste organisiert werden. Sehr viele Leute sind gekommen – von den heutigen Kinder- gärtlern bis zu jenen, die vor mehr als 70 Jahren dort bereits zur Schule gegangen sind. Der Schulhausplatz war proppenvoll mit gut gelaunten, strahlenden und fröhlichen Menschen, und alle haben das Fest genossen. Also ein absoluter Erfolg und Segen für die Bevölkerung und alle Beteiligten.
Und doch zeigt sich immer wieder ein bekanntes Bild: Es sind oft dieselben Personen, die anpacken, organisieren und Verantwortung übernehmen. Ihr Einsatz ist unbezahlbar – aber er hat auch seine Grenzen. Wenn Engagement zur Selbstverständlichkeit wird, droht aus dem Segen eine Belastung zu werden.
Darum ist unser Jubiläum in Tenniken auch ein Aufruf. Ein Aufruf an all jene, die sich bisher vielleicht im Hintergrund gehalten haben. Ein Dorffest braucht nicht nur die Lauten und Sichtbaren, sondern genauso die Stillen, die Mitdenkenden, die Anpackenden im Verborgenen. Es braucht Menschen, die den Mut haben, einmal Ja zu sagen – auch wenn sie sich nicht sofort in der ersten Reihe sehen. 800 Jahre Tenniken sind nicht nur ein Blick zurück, sondern auch eine Chance für die Zukunft. Wer sich einbringt, schreibt ein Stück Geschichte mit. Vielleicht ist es genau dieser Moment, um neue Verbindungen zu knüpfen, Verantwortung zu teilen und gemeinsam etwas zu bewegen. Vielleicht auch eine Vorfreude auf die geplante Umgestaltung unseres Dorfzentrums.
Ein Dorffest ist also weder Fluch noch reiner Segen. Es ist das, was wir daraus machen. Wenn wir es schaffen, die Last auf mehr Schultern zu verteilen, wird aus Engagement echte Freude – und aus einem Fest ein unvergessliches Erlebnis für alle.
Ich bin überzeugt: Tenniken hat das Potenzial dazu. Lassen wir es gemeinsam Wirklichkeit werden.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

