Ein Dorf im Ausnahmezustand
25.08.2026 Tenniken800-Jahre-Dorffest unter dem Motto «Hütt für Morn»
Ein ganzes Wochenende stand Tenniken im Zeichen der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Bestehen. Herausgeputzt und mit einem attraktiven Rahmenprogramm präsentierte es sich als generationenübergreifender ...
800-Jahre-Dorffest unter dem Motto «Hütt für Morn»
Ein ganzes Wochenende stand Tenniken im Zeichen der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Bestehen. Herausgeputzt und mit einem attraktiven Rahmenprogramm präsentierte es sich als generationenübergreifender Publikumsmagnet, der Besuchende aus Nah und Fern anlockte.
Sander van Riemsdijk
Ein Dorf rüstet sich für den Ansturm: Am Freitag kurz vor Eröffnung der Feierlichkeiten des 800-Jahre-Jubiläumsfestes werden die letzten Details noch in aller Eile erledigt. Scheinwerfer werden gerichtet, Mobiliar wird verschoben, es wird noch gehämmert. Um 17 Uhr muss alles für das grosse Fest bereit sein. Endlich wird greifbar, was sich seit drei Jahren in Vorbereitung befunden hat. Tenniken wirkt um diese Zeit wetterbedingt noch gastlich. Das wird sich bald ändern.
Während die Abendsonne die beiden Harassenbogen an den Festarealeingängen mit den vielen gehäkelten Lampions noch in goldenem Licht schimmern lässt, pilgern die ersten Besuchenden ins Dorf. Passend zum 800. Geburtstag kostet der Tageseintritt 800 Rappen. Ein Schelm, der mit 800-Rappen-Münzen zahlt. Ein kurzer Blick zur Orientierung auf den Festplan, und schon steht man mitten im alten Dorfkern.
Kulinarische Höhenflüge
Nach dem offiziellen Eröffnungsteil öffnet Petrus seine Schleusen und wiederholt dies am späteren Abend. Im Nu verwandelt sich das offene Festareal mit den vielen Gästen in eine Veranstaltung unter Dach. Die Band «Camelin» spielt auf dem Areal bald vor leeren Stühlen und Bänken, während sich unter anderem die Festzelte «Hefleten» und «Saloon Wolf-Garden» mit Menschen und Musik füllen. 14 Beizli sorgen für kulinarische Höhenflüge und dafür, dass niemand verdurstet und der Hungerast aussen vor bleibt.
Das Angebot an verschiedenen kulinarischen Leckerbissen für jeden Geschmack macht den Aufenthalt trotz miesem Wetter attraktiv. Die Gondeln der Skifreunde Diegtertal, teils in luftiger Höhe und mit Raclette-Angeboten, sind schon alle besetzt. Die Alpakas am Ende der Festmeile warten auf junge Kundschaft.
Diese meldet sich dann am Samstag, als das Wetter wieder angenehm ist. Nun strömen die Gäste in grossen Scharen auf das Festareal, das bald wie überlaufen wirkt. «Ein super Fest mit einem vielfältigen Angebot», findet Tanja Hirschi aus Sissach.
Unterhaltsames Kinder-Programm
Überall stehen kleine Gruppen zusammen, die sich nach einer Weile wieder spontan auflösen, um wieder neue Gruppen zu bilden. Es herrscht eine richtige Festivalstimmung und das Dorffest wächst mit einem Hauch von Lokalpatriotismus zum Publikumsrenner. «Man spürt förmlich den Zusammenhalt im Dorf», sagt Simon Dettwiler aus Buus.
Der Festperimeter wird zur Bummelmeile, in der Sehen und Gesehenwerden zum Motto wird. Die 20 Marktstände üben eine ungeheure Anziehungskraft auf die Besuchenden aus und ein unterhaltsames Animationsprogramm mit dem Kasperlitheater und seinen witzigen Geschichten, dem Schminken und der obligaten Hüpfburg bietet den Kindern reichlich Spass und Spiel. Strassenclowns sorgen für einen Überraschungseffekt, das Alpakatrekking für tierisches Vergnügen.
Das Sportlergespräch mit Tino Polsini, Romy Tschopp und Adrian Schaub, moderiert von Landrätin Sabine Bucher, ist einer der vielen Höhepunkte. «Und solche hat es in grosser Zahl», sagt der Heimweh-Tenniker Rolf Niederhauser aus Füllinsdorf. «Das Fest macht dabei einen gemütlichen Eindruck.»
Höchste Festivalstimmung
Passend zum Jahresmotto «Gestern-Heute-Morgen» reicht in der Posamenterstube die Geschichte bis in die heutige Zeit, und die Frauen weben mittels eines alten Handwerks an der Zukunft. Draussen laufen unterdessen die Feierlichkeiten auf Hochtouren.
Martina Hausmann und Fredy Wyss aus Thürnen erleben «ein schönes Fest, gut organisiert mit vielen Details, man spürt förmlich die dörfliche Herzlichkeit». Lokalitäten mit Tenniker Flurnamen wie «d’Niidermatt» oder «dr Grützechopf» erinnern an die lebendige Dorfgeschichte. Am Abend herrscht dank den beiden Dorffest-Bühnen im Dorfzentrum und beim Pfarrhaus höchste Festivalstimmung.
Hier trifft man sich an drei Tagen, hier feiert man zusammen.
Gemeindepräsident Thomas Grüter zeigt sich sehr zufrieden mit dem Verlauf des Dorffestes. Der grosse Regen am ersten Abend könne dem positiven Gesamteindruck nichts anhaben, findet er.
Musik aus allen Ecken hörbar
Musik wird hörbar grossgeschrieben und für jeden Musikgeschmack ist etwas dabei. Aus allen Ecken erklingen die Melodien. Sie unterhalten die Festgemeinschaft und man spürt förmlich, wie viel Herzblut hinter so einer Dorfparty mit einer Mischung aus Volksfeststimmung, lokaler Verbundenheit und geselligem Zusammensein steckt und dass vom Dorf viel Energie ausgeht.
Ein kleiner Festumzug rundete am Sonntag die Feierlichkeiten schliesslich ab, und alsbald kehrte im beschaulichen Dorf im Diegtertal wieder Ruhe ein. In Zeiten digitaler Entfremdung präsentierte sich Tenniken als Dorfgemeinschaft mit grossem Zusammenhörigkeitsgefühl und als ausgezeichneter Gastgeber. Tenniken investiert in eine Zukunft, die immer näher rückt.






