Dorf feiert an einer langen Tafel
Seit einigen Jahren feiert Rothenfluh den 1. August mit einer langen Tafel nach dem Motto «Mir stuehle use» im Gässli, der Verbindung zwischen der Hirschengasse und der Rössligasse. Die örtlichen Begebenheiten auf dem knapp drei ...
Dorf feiert an einer langen Tafel
Seit einigen Jahren feiert Rothenfluh den 1. August mit einer langen Tafel nach dem Motto «Mir stuehle use» im Gässli, der Verbindung zwischen der Hirschengasse und der Rössligasse. Die örtlichen Begebenheiten auf dem knapp drei Meter breiten Weg bewirken, dass nur für eine einzige Tischreihe Platz vorhanden ist. Entsprechend lang ist deshalb die Reihe.
In früheren Jahren feierte man dem damaligen Zeitgeist entsprechend betont patriotisch auf dem Schulhausplatz, weitgehend ohne Raketen und Böller; dafür mit Nationalhymne unter dem Lead des Gemischten Chors, Festrede sowie Aufnahme der Jungbürgerinnen und Jungbürger. Ausserdem ging das Fest zeitweise auf der Fluh, die dem Dorf den Namen gab, über die Bühne. Das Höllenbarteam lässt grüssen.
Inzwischen hat sich der Gemischte Chor längst aufgelöst. Die Festrednerinnen und -redner verharren diskret im Hintergrund und haben sich zumindest temporär eine Schweigepflicht auferlegt. Das Höhenfeuer auf der Roten Flue darf witterungsbedingt nur noch selten leuchten.
Erinnerungen an früher
Für den Anlass im Gässli zeichnet die Dorf- und Kulturkommission verantwortlich. Sie wird von vielen Freiwilligen unterstützt, damit die Gäste den Schweizer Nationalfeiertag in vollen Zügen geniessen können. Im Mittelpunkt standen wie in Vorjahren die Grills. Der Blick auf den heissen Rost sorgte nicht nur für Appetit, sondern brachte auch eine unglaubliche Vielfalt an Bratgut an den Tag: Kleine Bratwürstli über riesige St. Gallerbratwürste, Spiessli, Chlöpfer, Plätzli, Steaks, Käsesteaks bis hin zu Maiskolben und vieles mehr legten die hungrigen Gäste auf das heisse Blech. Je nach Geschmack kamen auch Salate, Brot und andere Zutaten auf den Tisch. Einzig die Getränke konnten zum Selbstkostenpreis erstanden werden. Alles andere, insbesondere die Köstlichkeiten für das Dessertbuffet, bereiteten die Besucherinnen und Besucher in Rothenfluh selber mit.
Die Gemeinde offerierte im Gegenzug ihren Gästen den traditionellen Willkommensapéro. In diesem Jahr sorgten Hannes Fankhauser mit dem Alphorn und am Kontrabass sowie Lisa Travella an der Geige für eine dezente, gediegene musikalische Unterhaltung. Die Stimmung an der langen Tafel war unbeschwert und fröhlich. Es gab ja so vieles zu erzählen, sowohl über die Gegenwart als auch die Vergangenheit.
So erinnerte sich ein Senior und damaliger Rekrut an eine Bundesfeier und die Jungbürgeraufnahme vor sechs Jahrzehnten – in Uniform, wohlverstanden. Die Kinder genossen den Abend im Gässli auf ihre Art. Besonders angetan waren sie vom unteren Ende des Alphorns.
Die behördlichen Weisungen über das Verbot des Zündens von Feuerwerk, auch das sei gesagt, wurden vorbildlich befolgt. Keine einzige Rakete stieg in den Nachthimmel. So feierten die Rothenflüherinnen und Rothenflüher in gemütlicher Atmosphäre den Nationalfeiertag. Die angenehmen Abendtemperaturen trugen ihren Teil dazu bei.
Otto Graf