EBL behält Millionen für die Energiewende
05.06.2026 LausenHöhere Ausschüttungen an Genossenschafter auch in diesem Jahr abgelehnt
An ihrer 127. Delegiertenversammlung präsentierte die Elektra Baselland einen erfreulichen Jahresabschluss 2025. Im Zentrum standen die strategische Neuausrichtung, massive Investitionen in die ...
Höhere Ausschüttungen an Genossenschafter auch in diesem Jahr abgelehnt
An ihrer 127. Delegiertenversammlung präsentierte die Elektra Baselland einen erfreulichen Jahresabschluss 2025. Im Zentrum standen die strategische Neuausrichtung, massive Investitionen in die regionale Infrastruktur und eine erneute Debatte um die Verteilung der Gewinne.
Jo Krebs
Die Energiebranche durchlebt stürmische Zeiten. Geopolitische Krisen, schwankende Märkte und der grosse Druck der Energiewende verlangen den Unternehmen einiges ab. Dass man auch in diesem rauen Fahrwasser erfolgreich navigieren kann, bewies die Führungsriege der Elektra Baselland an ihrer 127. Delegiertenversammlung. Die EBL-Gruppe ist finanziell gesund und rüstet sich für die Zukunft – mit einem Kurs, der von den Delegierten nach den kritischen Tönen des Vorjahres nun wieder mit starkem Rückhalt mitgetragen wird.
Zwar ging der Umsatz mit 285,4 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr (288,1 Millionen) leicht zurück, doch die Ertragskraft konnte gesteigert werden. Das operative Ergebnis (Ebitda) erreichte 65,7 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte ein Jahresgewinn von 23,7 Millionen Franken (nach Minderheiten).
Diese gut gefüllte Kasse weckte jedoch auch Begehrlichkeiten. Bereits im Vorjahr gab es aus dem Plenum den – letztlich abgelehnten – Antrag, 3 Millionen Franken an die Genossenschafter zurückzuvergüten. In diesem Jahr griffen dieselben Votanten das Anliegen erneut auf und forderten gar eine Rückstellung von 5 Millionen Franken zugunsten der Genossenschafterinnen und Genossenschafter.
Andere Redner stellten sich jedoch dezidiert hinter den Verwaltungsrat. Sie bestärkten die Haltung von VR-Präsident Martin Thommen, dass Gewinnmaximierung nicht der Zweck der EBL sei und das Geld für die kommenden Herausforderungen der Energiewende im Unternehmen verbleiben müsse. Die Zahlen geben ihm recht. Im vergangenen Jahr investierte das Unternehmen netto 73,0 Millionen Franken. Davon flossen 26,5 Millionen in das Stromnetz und 26,3 Millionen Franken in Wärmeverbünde – und damit direkt in die lokale Versorgungssicherheit.
Die Delegierten folgten dieser Argumentation und nahmen die Gewinnverteilung wie auch alle anderen statutarischen Geschäfte einstimmig oder grossmehrheitlich an.
Vier Prioritäten für die Zukunft
Um den Kurs zu halten, wurde die Unternehmensstrategie weiter geschärft. Wie CEO Tobias Andrist erläuterte, stehen künftig vier Prioritä- ten im Zentrum: Verlässlicher Betrieb des heimischen Stromnetzes, Verdichtung und Ausbau bestehender Wärmeverbünde, Fokus auf den Stromvertrieb und -handel in der Schweiz und Entwicklung erneuerbarer Energien im In- und Ausland – Letztere zur Risikominderung künftig vermehrt in Kooperation mit anderen Investoren.
Ein zukunftsweisender Umbruch fand auf personeller Ebene statt. Mit einer früheren Statutenänderung machten die Delegierten den Weg frei, den Verwaltungsrat künftig primär nach fachlichen Kompetenzen ohne zusätzliche starre Mitgliederkategorien zu besetzen. Die beiden neuen und einstimmig gewählten Mitglieder stehen stellvertretend für diesen Weg.
Arlesheimer verstärkt Gremium
Die promovierte Mathematikerin Dr. Hannah König, wohnhaft in Tägerwilen (TG), bringt wertvolle Erfahrungen in den Bereichen Energieinfrastruktur und Asset Management ein. Sie übernimmt den Sitz des altershalber ausscheidenden Beat Zeller, der 17 Jahre im Amt war. Zudem verstärkt Jörg Klasen, wohnhaft in Arlesheim, das Gremium. Der Diplomingenieur und Unternehmensberater unterstützt den Verwaltungsrat mit seiner Expertise im Energiemarkt, Energiehandel und Risikomanagement.
Dass bei all den strategischen Vorhaben der Mensch nicht vergessen geht, zeigte ein besonderer Moment der Versammlung. Die Elektra Baselland holte Tim Kräher, einen angehenden Netzelektriker im dritten Lehrjahr, auf die Bühne. Er gab den Delegierten einen lebhaften Einblick in seinen Arbeitsalltag. Ein starkes Zeichen des Unternehmens gegen den branchenweiten Fachkräftemangel – denn auch die modernste Infrastruktur nützt wenig ohne die Menschen, die sie bauen und unterhalten.


