Drei Mitglieder, zwei Grüns und ein Bunker
03.07.2026 ArisdorfDer wahrscheinlich kleinste Golfplatz der Schweiz gehört dem «Golf- and Country Club SunnyHills»
Mitten im Wohnquartier am nördlichen Rand von Arisdorf liegt das Paradies: Jedenfalls für die drei Golfspieler, die darum herum wohnen. Sie haben sich auf einer freien ...
Der wahrscheinlich kleinste Golfplatz der Schweiz gehört dem «Golf- and Country Club SunnyHills»
Mitten im Wohnquartier am nördlichen Rand von Arisdorf liegt das Paradies: Jedenfalls für die drei Golfspieler, die darum herum wohnen. Sie haben sich auf einer freien Parzelle ihren Traum vom eigenen Golfclub erfüllt.
Peter Sennhauser
Und die Bewässerung? «Einen Moment», sagt Beda Christener. Wir sitzen auf der Veranda seines Nachbarn Jean-Philipp Sigrist am nördlichen Ende von Arisdorf. Christener zückt sein Smartphone und tippt etwas darauf. 50 Meter neben uns gleiten auf dem «Golfplatz» zwei Sprinkler aus dem Boden und besprühen das Grün in zwei Halbkreisen.
Nichts fehlt im «Golf- and Country Club SunnyHills»: Die Anlage verfügt über mehrere Abschläge, ein gepflegtes Putting-Grün, einen Sandbunker und eine Platzlänge von maximal 35 Metern. Damit handelt es sich um den wahrscheinlich kleinsten Golfplatz der Schweiz.
Dabei verfügen alle drei Mitglieder des Clubs über einen eigenen Parkplatz am Gelände und sämtliche Annehmlichkeiten bis hin zum Swimmingpool für die Abkühlung nach einer Runde Golf: Sie wohnen nämlich in den drei Liegenschaften, die an die Golfplatz-Parzelle angrenzen.
Umzingelte Parzelle
Ursprünglich zweifellos eine Bieridee, ist in den 13 Jahren seit Baubeginn so viel Initiative, Arbeit und auch Geld in den Golfplatz geflossen, dass die drei Freunde ihn nicht ohne Stolz zeigen.
Der «Club» (30 Franken Monatsbeitrag) hat die Parzelle am nördlichen Rand des Siedlungsgebiets von Arisdorf gepachtet. Sie befindet sich im Besitz des Kantons Baselland und gehört zu dessen Baulandreserve.
Die Idee zur Gründung entsprang einem Zufall: Die Fussballclub-Freunde Beda Christener und Jean-Philipp Sigrist hatten kurz nach der Jahrtausendwende gleichzeitig an besagtes Grundstück angrenzend je eine Liegenschaft gekauft. Einige Jahre später baute ihr gemeinsamer Freund Adrian Rychener auf der gegenüberliegenden Seite des Grundstücks sein Haus.
Jetzt war die Parzelle ein isoliertes Grundstück in Hanglage, und der Pächter, ein Landwirt aus Ormalingen, fand schon bald, dass sich die lange Anfahrt zur Heuernte mit dem Traktor nicht mehr lohne. Er gab die Pacht auf. Da fassten die drei Familienväter, inzwischen nach gemeinsamen Urlauben alle unheilbar vom Golfvirus gepackt, einen Entschluss: Das Grundstück zwischen ihren Häusern wäre die perfekte Übungsanlage für das sogenannte «Kurzspiel» rund um das Putting-Grün.
Keine Emissionen!
Aber schon die erste Hürde hätte der «Golf- and Country Club SunnyHills Arisdorf» beinahe nicht geschafft: Die Kantonsverwaltung wollte auf die Anfrage für die Pacht wissen, was die drei mit dem Grundstück vorhätten. Etwas überrumpelt stammelte Adrian Rychener am Telefon zunächst etwas von «vielleicht Kleintiere darauf halten oder so», was der Baulandreserven-Verwalter sofort kategorisch ablehnte: Zu viele Emissionen für die Anwohner. Wichtig sei vor allem, dass das Grundstück gepflegt werde und nicht verwildere. Rychener sah die Chance für den Club: Was ist schon gepflegter als ein Golfplatz?
Der Pachtvertrag kam zustande, und die drei machten sich daran, ihren Traum zu verwirklichen. Die Wiese wurde kurz gemäht und an zwei Stellen im abschüssigen Gelände wurden kleine Plateaus angelegt für die «Grüns», die Zielflächen, wo der Ball auf extrem kurzem Rasen ins Loch gespielt wird.
«Wir wollten eine richtige Anlage haben, also haben wir uns über die genaue Grün-Bauweise im Internet schlaugemacht», erzählt Beda Christener, der «Baumeister» unter den drei Freunden. Und sie lernten schnell, welcher Aufwand hinter – oder vielmehr unter – Golfplätzen steckt. Als Basis für das Haupt-Grün wurde eine Drainage aus Kiesrinnen angelegt, darüber kamen mehrere Lagen Schotter, Kies und schliesslich mit wenig Erde vermischter Sand. Das Ganze wurde gewalzt und darauf der Rasen angelegt. Dessen unmittelbarer Untergrund besteht aus nährstoffarmem Sandboden; er muss fast täglich sehr kurz gemäht, einige Male im Jahr durchlüftet und gelegentlich gewalzt werden.
Die drei Gründungsmitglieder des Clubs legten auch gleich noch einen «Bunker» an – eines der mit feinem Sand gefüllten Hindernisse, die auf Golfplätzen meist um die Grüns herum die Annäherung erschweren. Alles in allem entstand eine Anlage, auf der sich Schläge aus circa 30 Metern Distanz in diversen Richtungen und von verschiedenen Abschlägen, das Kurzspiel und die gefürchteten Sandbunkerschläge üben liessen.
«Dabei haben wir zwei Dinge gelernt: Die Bunker können nicht mit normalem Bausand gefüllt werden», sagt Jean-Philipp Sigrist, «es muss ein feinerer Sand sein.» Wie der feine Strandsand der Dünen an der schottischen Küste, wo Golf erfunden wurde und die Schafe sich in windgeschützten Kuhlen «einbunkern». «Und als Zweites: Der Bunker ist wahnsinnig arbeitsintensiv, er muss permanent gejätet werden, sonst wächst er zu.» Mit den Jahren haben die drei «redimensioniert» und den Bunker der Natur überlassen. Er bildet noch immer ein zu überspielendes Hindernis gleich unterhalb des Grüns, aber Sandschläge kann man nicht mehr üben.
«Wilson» mäht permanent
Vor diesem Vernunftsentscheid war die Detailversessenheit der drei Freunde allerdings längst mit ihnen durchgegangen: Sie hatten nicht nur die erwähnte Sprinkleranlage inklusive Fernsteuerung eingebaut. In den USA bestellten sie noch dazu einen professionellen gebrauchten Spindelmäher für Golfgrüns (und berappten auch gleich die Lieferung in die Schweiz). Ein etwas weniger spezifischer Mähroboter sorgt dafür, dass das «Fairway», die Spielbahn rund ums Grün, stets gepflegt bleibt. Seit mehr als zehn Jahren schon verrichtet «Wilson» – benannt nach dem einsamen Volleyball aus dem Tom-Hanks-Film «Cast Away» – weitgehend autonom seinen Dienst. «Irgendwie hat der sein Eigenleben», mutmasst allerdings Adrian Rychener: «Egal, was du auf dem Platz machst, ob du auf dem Grün puttest, den Baum im Zentrum schneidest oder von oben herab Bälle schlägst: Spätestens fünf Minuten nachdem du den Platz betreten hast, fährt dir Wilson gegen das Schienbein …»
Das Tüpfelchen auf dem i war schliesslich der Elektro-Golfcart, den Rychener anschaffte: Nach eigenen Angaben, um seine kranke Mutter im Dorf herumfahren zu können – die Freunde kneifen bei der Schilderung jeweils ein Auge zu.
Mit einem Augenzwinkern ist auch alles andere rund um den «Golf- and Country Club SunnyHills Arisdorf» zu verstehen: Die Website, die Clubmeisterschaften und Turniere, das eigens kreierte Logo, das auch auf den schwarzen Club-Shirts der drei Mitglieder prangt. Sie alle haben Spass am Golf und spielen auch im grossen Basler Club St. Apollinaire im Elsass, wann immer es die Freizeit zulässt. Die Leidenschaft für das Spiel ist ihnen anzumerken, aber gleichzeitig klingt stets eine satirische Note in Bezug auf den elitären Nimbus mit, den sich die Golfclubs hierzulande jahrzehntelang gegeben haben.
Satire und Schnaps
In «SunnyHills» zwischen den Häusern der drei Freunde finden wahrscheinlich mehr fröhliche Feiern auf den Sitzplätzen, an den Pools oder anlässlich von Fussballspielen statt als in jedem Schweizer Golfclub. Hier geht es um Spass und Spiel – und immer wieder um neue Bierideen, die nur zu schnell Realität werden.
Wie etwa der eigene Schnaps. In der östlichen Ecke des Golfplatzes steht nämlich ein gelegentlich sehr ertragreicher alter Zwetschgenbaum, den die Golfer liebevoll pflegen. Einige Jahre nach der Cluberöffnung liessen sie aus seinen Früchten beim Störbrenner ihre eigene «Vieille Prune Sunny Hills» brennen. «Dazu hatten wir vorher einen Nachmittag lang jede einzelne Zwetschge entsteint», schmunzelt Jean-Philipp Sigrist, «meine Hände sahen aus, wie wenn ich in einer Gerberei arbeiten würde.» Der Brenner habe sie dann bei der Lieferung entsprechend ausgelacht.
Rund sechs Liter eigenen Schnaps kann der Golfclub inzwischen jährlich herstellen. Und viel teurer als eine Flasche einer kommerziellen Marke sei ihr Produkt nicht, grinsen die Golffreunde. Ob demnächst auch ein Calvados-Eigenbrand folgt? Immerhin steht mitten auf der Golfparzelle auch ein kleiner Apfelbaum. «Kaum», sagt Beda Christener: «Den müssen wir schliesslich kurz schneiden, damit er unserem Spiel nicht in den Weg kommt …» Dabei könnte er einem wichtigen Zweck dienen. Denn für Golf braucht man gemäss Redensart drei Dinge: einen Schläger, einen Ball – und eine Ausrede.
Volkssport aus Schottland
sep. In den meisten angelsächsisch geprägten Ländern der Welt ist Golf ein regelrechter Volkssport und in keiner Weise so teuer oder elitär, wie es hierzulande einst war. Eigentlich ein Hirtenspiel aus den schottischen Küstenregionen, spielt man das ursprüngliche Golf auf sogenannten «Links-Plätzen». Das «Link» ist der Verbindungsstreifen zwischen dem kaum landwirtschaftlich nutzbaren Gebiet hinter den Sanddünen der Küste und dem Weideland der Schafe. In diesen Streifen wurden die Spielbahnen angelegt, neun in die eine Richtung, dann neun zurück zum Ursprung. Natürliche Hindernisse für die Golfspieler bestanden aus Gestrüpp und Bachverläufen entlang der Spielbahnen und den vereinzelten «Bunkern»: Kuhlen, welche sich die Schafe als Windschutz gegraben hatten und die sich langsam mit Sandverwehungen auffüllen.
Die typische Golfspielbahn ist zwischen drei- und vierhundert Meter lang; mit zwei Schlägen sollte das «Grün», die Zielfläche mit dem Loch, erreicht und der Ball darauf mit zwei «Putts» rollend versenkt werden. Das «Kurzspiel» rund ums Loch gilt als der anspruchsvollste Teil des Spiels – und braucht deswegen sehr viel Training. Das oft erwähnte «Handicap» beschreibt, wie viele Schläge mehr als verlangt eine Spielerin oder ein Spieler im Durchschnitt für 18 Löcher braucht.



