Drei Frauen, eine Leidenschaft
13.10.2026 LauwilNaturschützerinnen untersuchen das Zugverhalten der Vögel
Noch bis Anfang November zählen Freiwillige oberhalb von Lauwil Zugvögel. War die Aktion früher eine Männerdomäne, sind heute auch einige Frauen im Einsatz. Drei von ihnen erzählen von ihren ...
Naturschützerinnen untersuchen das Zugverhalten der Vögel
Noch bis Anfang November zählen Freiwillige oberhalb von Lauwil Zugvögel. War die Aktion früher eine Männerdomäne, sind heute auch einige Frauen im Einsatz. Drei von ihnen erzählen von ihren Erfahrungen.
Brigitt Buser
In diesem Herbst läuft die 65. Aktion der Beobachtungs- und Beringungsstation «Ulmethöchi». Während sechs Wochen werden Vögel gezählt, die oberhalb von Lauwil Richtung Süden ziehen. Ziel ist es, Erkenntnisse über ihr Zugverhalten zu gewinnen. Dazu werden die Vögel in grossen Netzen gefangen, kontrolliert und mit einem Ring der Vogelwarte Sempach versehen.
Damit dies nur wenige Minuten dauert, benötigt es fachkundige Personen, die im Bestimmen und Beringen der Tiere versiert sind und effizient vorgehen. Waren früher vorwiegend Männer im Einsatz, sind heute vermehrt auch Frauen auf der Ulmethöchi anzutreffen. In der ersten Woche waren es gar sieben von zwölf Personen.
Unterschiedliche Hintergründe
Gabriele Zückert, ursprünglich aus Brig, hat sich schon als Kind für Vögel interessiert. Während des Gymnasiums verbrachte sie im Rahmen eines Austauschjahres einige Zeit in den USA. «Dort hat es natürlich ganz andere Vogelarten als bei uns. Vor allem die mit knallbunten Farben in Blau oder Gelb haben es mir angetan, worauf ich mich schon bald auf ‹Birding› begab», erzählt Zückert.
Zurück in der Schweiz, schloss sie ihre Ausbildung als Kindergärtnerin ab. Aufgrund ihres Berufes zog es sie ins Baselbiet, wo sie einem Naturund Vogelschutzverein beitrat und an Exkursionen teilnahm. Mit ihrem jetzigen Partner Markus, der sich ebenfalls sehr für Vögel interessiert, startete sie einmal den Versuch, alle im Laufe eines Jahres gesichteten Vogelarten zu zählen. Es waren etwa 100. Danach schlossen beide den Kurs in Feldornithologie ab.
Als Gabriele Zückert erfuhr, dass es die Ulmetaktion gibt, war für sie klar, dass sie gerne mitmachen würde. Seit dem Jahr 2021 kommt sie jeden Herbst für eine Woche auf die Ulmethöchi und sammelt in der Vorgruppe von Martin Furler, Obmann der Ulmetaktion, Vögel aus den Netzen ein. Diese warten dann, sorgsam in Baumwollsäckchen verpackt, auf die Kontrolle inklusive Beringung. Kommen Besucher, übernimmt die Kindergärtnerin gerne die Kinder und erklärt ihnen den Sinn und Zweck der Ulmetaktion.
Identifizierung anhand Stimme
Sara Oakeley kommt seit 2014 auf die Ulmethöchi. Aufgewachsen in der Nähe von Manchester in England, kam die Biologin mit Fachrichtung Natur- und Vogelschutz nach Basel. Heute unterrichtet sie privat Englisch. Die Ausbildung als Beringerin, eine mehrjährige Spezialausbildung mit einer vom Bund ausgestellten Bewilligung, hat sie 2020 abgeschlossen. Seitdem ist sie nicht nur jährlich in Lauwil im Einsatz, sondern auch auf der Station Subigerberg bei Gänsbrunnen und der Station Col de la Croix zwischen Villars-sur-Ollon und Les Diablerets. Dabei nimmt sie die Tiere aus den Stoffsäckchen und beringt sie. Jeder Vogel wird gewogen, Art, Alter, Geschlecht und allgemeiner Zustand werden dokumentiert. Danach wird er umgehend freigelassen.
Barbara Ruf, aufgewachsen im Kanton Solothurn, ursprünglich Lehrerin und heute in der Administration tätig, interessierte sich schon als Kind für Vogelstimmen. «Ich war oft mit meinem Vater zur Vogelbeobachtung unterwegs und lernte dabei auch, Vogelstimmen zu imitieren», erzählt sie. Später war sie eine Zeit lang im Baselbiet zu Hause, wo sie auch den Feldornithologiekurs, die Ausbildung als Exkursionsleiterin und den Ulmet-Einführungskurs abschloss. Danach zog es sie nach Bern. Sie kam aber immer wieder gerne in die Region Basel, um Freunde zu besuchen. Mittlerweile kommt sie, wenn auch mit einigen Unterbrüchen, zur Unterstützung während der Ulmetaktion. «Da ich viel auf dem Feld unterwegs bin, kann ich die Vögel vor allem sehr gut an ihrem Ruf erkennen.» Ist sie nicht auf der Ulmethöchi oder im Feld unterwegs, zieht es sie zum Vogelbeobachten ins Ausland, etwa nach Finnland, Sardinien oder Spanien.
Auf die Frage, wie denn der Tagesablauf während der Ulmetwoche sei, kommt von den Mitwirkenden umgehend die Antwort: «Sehr streng!» Tagwache ist um Viertel vor sechs. Schon bald danach geht es von der vor fünf Jahren neu erstellten Ulmethütte in einem kurzen Fussmarsch zur Station, wo die Netze kontrolliert und die darin gefangenen Vögel für die Kontrolle und Beringung befreit werden. Die Arbeit dauert bis zum Eindunkeln. Das Mittagessen wird in zwei Gruppen eingenommen, damit der Betrieb durchgehend aufrechterhalten werden kann. Wird es ruhiger, kann man sich bei der Station etwas ausruhen. «Nach der letzten Runde um 23 Uhr will man nur noch schlafen», so eine Helferin.

