Dorfladen in der Krise
08.04.2026 BennwilUmfrage soll Aufschluss über Bedarf geben
befasst sich mit der Zukunft seines kriselnden Dorfladens. Nach einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema soll nun eine Tür-zu-Tür-Umfrage durchgeführt werden, um den Puls der Bevölkerung zu fühlen, welchen ...
Umfrage soll Aufschluss über Bedarf geben
befasst sich mit der Zukunft seines kriselnden Dorfladens. Nach einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema soll nun eine Tür-zu-Tür-Umfrage durchgeführt werden, um den Puls der Bevölkerung zu fühlen, welchen Stellenwert der Laden für sie hat.
André Frauchiger
Unbestritten waren an der Versammlung im Gemeindesaal Bennwil zwei Punkte: Erstens wäre eine Schliessung des Dorfladens ein Verlust für die Bevölkerung. Zweitens sind die heutigen Rahmenbedingungen für einen Ladenbetreiber äusserst schwierig. Denn vom Laden allein lässt es sich nicht leben, dafür sind Umsatz und Ertrag einfach zu klein.
Als Folge muss der Ladenbetreiber einem Zweitjob nachgehen, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Dies wiederum hat eine unerwünschte Einschränkung der Öffnungszeiten des Dorfladens zur Folge, was dessen Attraktivität vermindert, wodurch Kundschaft verloren geht. Eine Negativspirale.
Grössere Mietausstände
Gerade ältere Menschen benötigen einen Dorfladen, wurde in der Diskussionsrunde mehrfach betont. Darüber hinaus waren die Meinungen, ob und wie der Dorfladen zu retten sei, aber sehr unterschiedlich. Die örtliche Milchgenossenschaft ist Besitzerin des Dorfladens. Deren Vertreter wiesen an der Versammlung darauf hin, dass es auch noch grössere Mietausstände gebe. Wenn die Ladenmiete weiterhin geschuldet bleibe, habe man wohl keine andere Wahl, als dem heutigen Ladenbetreiber zu kündigen. Ansonsten sei die Milchgenossenschaft mit ihm grundsätzlich zufrieden.
Anders tönte es aber aus der Runde: Die Öffnungszeiten seien nicht mehr klar, der Laden sei oftmals erst ab 11 Uhr offen, was eindeutig zu spät sei. Und das Angebot an frischer Ware und deren Qualität lasse immer mehr zu wünschen übrig. Insbesondere fehle es an frischem Brot; es gebe praktisch nur noch Toastbrot. Die Daten für Lebensmittel seien nicht selten abgelaufen. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass der Ladenbetreiber den Wareneinkauf zu einem grossen Teil selber besorgen muss, weil die Bezugsmengen für einen Lieferanten wie beispielsweise Volg zu klein und damit unattraktiv seien.
Eine Anwesende äusserte auch Kritik an die Adresse der Bevölkerung: Die Existenz des Dorfladens sei «nicht in allen Köpfen drin», sagte sie. Sonst würden Frischprodukte wie Brot, Milch und Butter im Laden stärker nachgefragt und gekauft.
Um die Situation des Dorfladens zu verbessern, wurden verschiedene Ideen skizziert. Zum Beispiel die Einrichtung einer Kaffee-Ecke im Laden oder eine nähere Zusammenarbeit mit Firmen, deren Belegschaft ihr «Znüni» dort einnehmen könnte. Der Einbezug von lokalen Produzenten bei der Sortimentsgestaltung – Landwirte aus dem Dorf liefern Fleisch, Würste, Eier und weitere Lebensmittel – würde den Dorfladen möglicherweise attraktiver machen und ihm mehr Identität geben. Der Betreiber hat vor Kurzem mit einem Take-away-Angebot begonnen – und stosse damit nach eigener Angabe auf Resonanz, wie er an der Versammlung erklärte.
Grundlagen erarbeiten
Zur Unterstützung des Ladenbetreibers wurde die Bildung von mehreren Arbeitsgruppen vorgeschlagen, die verschiedene Abklärungen vornehmen sollten: zur Einrichtung einer Kaffee-Ecke, zu den gefragtesten Produkten, zu den Ansprüchen an den Laden oder ob es ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell wäre, die Personalpräsenz einzuschränken und dafür eine Selbstbedienung einzurichten, wie dies kürzlich in einer Metzgerei in Zunzgen geschehen ist. Es wurde auch die Idee eingebracht, dass Kinder, Primarschule und Erwachsene mit Ausstellungen und Veranstaltungen – Kleinkunst, Arbeiten der Primarschule, Anlässe mit Musik – vor allem im Schaufenster einbezogen werden könnten.
Die Teilnehmenden der Versammlung kamen zur Erkenntnis, dass all dies im Augenblick eine Einmischung in die Kompetenz des Ladenbetreibers wäre. Davon sei Abstand zu nehmen. Werde sein Mietvertrag aufgelöst, könne aber darauf zurückgekommen werden.
Beschlossen wurde an der Versammlung lediglich eine Tür-zu-Tür-Umfrage, durchgeführt von zwei oder drei Freiwilligen, um zu erkunden, welchen Stellenwert der Laden für die Dorfbevölkerung wirklich hat und welche in diesem Zusammenhang die wesentlichen Anforderungen und Wünsche an diese Einrichtung sind. In rund einem Monat sollen die Resultate der Umfrage vorliegen. Weitere Schritte sollen folgen.

