Diskret im Wasser – akrobatisch in der Luft
11.09.2026 SissachNeues Buch über Libellen im Verlag Baselland erschienen
«Libellen der Region Basel» zeigt, welche Arten in der Region vorkommen, wie sich ihre Lebensräume verändert haben und was für ihren Schutz getan werden kann. Die Autoren Daniel Küry und Raphael ...
Neues Buch über Libellen im Verlag Baselland erschienen
«Libellen der Region Basel» zeigt, welche Arten in der Region vorkommen, wie sich ihre Lebensräume verändert haben und was für ihren Schutz getan werden kann. Die Autoren Daniel Küry und Raphael Krieg wollen mit dem Buch ihre Faszination teilen.
Lea Wieser
Sie schillern blau, rot oder metallisch grün, leben als Larven unauffällig im Wasser und bewegen sich später akrobatisch durch die Luft. Im Baselbiet lassen sich Libellen von Frühling bis Spätherbst an Weihern, Bächen und Flüssen beobachten. In welcher Vielfalt sie in der Region zu Hause sind, erfährt man allerdings nur mit dem nötigen Wissen. Genau dieses wollen Daniel Küry und Raphael Krieg mit ihrem Buch «Libellen der Region Basel» vermitteln. Diesen Sommer ist es im Verlag Baselland als Teil der Buchreihe «Quellen und Forschungen» erschienen.
Für den Basler Biologen Daniel Küry und den Umweltingenieur Raphael Krieg aus Muttenz ist das Buch nicht die erste Zusammenarbeit. «Bereits meine Bachelorarbeit habe ich unter Aufsicht von Daniel Küry gemacht», sagt Krieg. Der Forschungsschwerpunkt auf Libellen entwickelte sich bei beiden bereits während des Studiums.
Küry setzte sich zunächst allgemein mit Gewässern und Ökologie auseinander, ehe Libellen während seiner Doktorarbeit stärker in den Vordergrund rückten. Mitte der 1980er-Jahre war er an der ersten Roten Liste bedrohter Libellenarten in der Schweiz beteiligt. Seither ist er dem Thema treu geblieben.
Auch Krieg war unter anderem am Monitoring für die Rote Liste sowie an Kartierungen von Gewässern im Baselbiet beteiligt. Später arbeitete er an einem Projekt mit, bei dem vorhandene Informationen über Libellen zusammengetragen, ausgewertet und durch zusätzliche Erhebungen ergänzt wurden.
Von Kartierungen zum Buch
Aus diesen Arbeiten entstand schliesslich die Grundlage für «Libellen der Region Basel». Krieg untersuchte Gewässer, die als Lebensräume für Libellen besonders interessant oder vielversprechend erschienen.
Die gesammelten Erkenntnisse fasste Krieg zunächst in einem umfangreichen Schlussbericht zusammen. Schon damals hatten beide den Wunsch, die Ergebnisse einem grösseren Publikum zugänglich zu machen. Als feststand, dass daraus ein Buch entstehen würde, weiteten die Autoren den Blick über die Kantonsund Landesgrenzen hinweg aus.
«Dafür haben wir uns mit Forschungsteams aus dem Elsass und aus Baden-Württemberg zusammengetan, von denen wir Daten aus den jeweiligen Grenzgebieten erhalten haben», sagt Küry.
Die Region Basel liegt zwischen Jura, Schwarzwald und Vogesen. Gemeinsam mit dem Rhein bilden die drei Mittelgebirge ein abwechslungsreiches und gewässerreiches Gebiet, das die Verbreitung verschiedener Libellenarten beeinflusst. «Deshalb, und weil Libellen keine Kantons- und Landesgrenzen kennen, lohnt sich dieser Blick über die beiden Basel hinaus besonders», sagt Küry.
Das Buch richte sich dabei keineswegs nur an Fachpersonen. «Wir haben bewusst nicht zu wissenschaftlich geschrieben, um ein interessiertes Laienpublikum anzusprechen», sagt Krieg. Die Reihe «Quellen und Forschungen» des Verlags Baselland beinhalte zwar wissenschaftlich erarbeitete Publikationen, diese seien jedoch grundsätzlich für eine breite Öffentlichkeit gedacht, ergänzt Küry.
Gewässer brauchen Schutz
Neben der Dokumentation der verschiedenen Arten spielt im Buch auch deren Schutz eine zentrale Rolle. Die ökologische Aufwertung der Lebensräume von Libellen sei einer der Beweggründe gewesen, das Buch zu schreiben.
Denn viele Lebensräume verändern sich ohne gezielte Pflege langfristig so, dass sie für bestimmte Libellenarten ungeeignet werden. Früher sorgten die natürlichen Dynamiken der Flussebenen immer wieder für die nötigen Veränderungen im Gewässer. Durch die zahlreichen Kanalisierungen seit dem 19. Jahrhundert ist ein grosser Teil dieser Dynamik verloren gegangen, weshalb heute von Menschenhand nachgeholfen werden muss. Menschen, die sich bereits im lokalen Naturschutz engagieren, seien daher eine wichtige Zielgruppe des Buches.
Beim Management von Lebensräumen treffen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander. Im Zuge des Klimawandels werden Gewässer beispielsweise häufiger beschattet. Viele Libellen benötigen hingegen sonnige und warme Bereiche. Eine mögliche Lösung seien abwechslungsreiche Gewässerlandschaften mit sowohl beschatteten als auch offenen Stellen.
Zur Unterstützung solcher Schutzmassnahmen führen Küry und Krieg mit «Life Science AG» auch im Kanton Baselland eine Beratungsstelle für Libellen.
Faszinierende Flugkünstler
Bei aller wissenschaftlicher Beschäftigung ist es auch die Faszination für die Tiere, die beide Autoren antreibt. Für Krieg sind vor allem ihr Flug und ihr Verhalten spannend: «Bei der Prachtlibelle zum Beispiel können die Männchen mit einem Flügelschlag Weibchen anlocken und mit einem anderen Kontrahenten abwehren.»
Auch die unterschiedlichen Lebenszyklen seien bemerkenswert. «Manche Arten brauchen fünf bis sechs Jahre für die Larvenentwicklung, andere machen zwei Generationen pro Jahr», erklärt Küry. «Zu allem hin sind Libellen auch einfach unfassbar schön aussehende Tiere», fügt Krieg hinzu.
Diese Faszination möchten die beiden weitergeben – und gleichzeitig das Bewusstsein dafür stärken, dass Libellenbestände intakte Lebensräume benötigen.
Wer sich selbst auf die Suche machen möchte, hat beispielsweise an den Anwiler Talweihern gute Chancen. Noch bis in den Herbst lassen sich dort insbesondere an sonnigen Stellen verschiedene Arten beobachten. Auch zahlreiche andere Gemeinden verfügen über Naturschutzweiher, die sich fürs Libellenbeobachten gut eignen. Grundsätzlich gilt: Je vielfältiger und grösser ein Gewässer und seine Umgebung, desto mehr unterschiedliche Libellenarten lassen sich dort entdecken.
Am 22. September findet in der Kantonsbibliothek Liestal eine öffentliche Buchvernissage zu «Libellen der Region Basel» statt.



