Die ZS-Ladies erzwingen «Belle»
03.03.2026 Sport, EishockeySWHLB: Heute Abend geht es um den Halbfinaleinzug
Die ZS-Ladies gewinnen nach einer Niederlage im ersten Viertelfinal in Lyss die Heimpartie und erzwingen damit ein Entscheidungsspiel. Dabei zeigten sie eine Leistung, die ihnen viele Kritiker nicht mehr zugetraut hatten.
...SWHLB: Heute Abend geht es um den Halbfinaleinzug
Die ZS-Ladies gewinnen nach einer Niederlage im ersten Viertelfinal in Lyss die Heimpartie und erzwingen damit ein Entscheidungsspiel. Dabei zeigten sie eine Leistung, die ihnen viele Kritiker nicht mehr zugetraut hatten.
Daniel Monnin
Was für ein Drama! Die ZS-Ladies verlieren am Samstag in Lyss trotz ansprechendem Spiel und einer klaren Leistungssteigerung gegenüber der Qualifikation mit 0:3 und sind in den Viertelfinals mit einem Bein bereits ausgeschieden. Doch dann packt das Team, das in der ganzen Qualifikationsphase in 18 Spielen nie so richtig überzeugt hat, den Hammer aus und ringt Lyss nach einem packenden Spiel mit 6:5 in der Verlängerung nieder. Damit kommt es heute Dienstagabend in Lyss (19.45 Uhr, Seelandhalle) zur «Belle».
Erst einmal hatten die ZS-Ladies in dieser Saison in einem Drittel vier Tore geschossen, am 1. November in Sissach im letzten Drittel gegen den DHC Lyss (9:1-Sieg). Doch nach 40 Minuten war das Spiel damals längst entschieden und die vier Treffer eine reine Zugabe. Am Sonntagabend jedoch schossen die Oberbaselbieterinnen in der zweiten Viertelfinal-Partie gegen Lyss nicht nur vier Tore im Startdrittel, sie zeigten auch die mit Abstand besten 20 Minuten der ganzen Saison. Quasi über Nacht hatten sie ihre Spielweise auf Play-off-Modus umgestellt, scheuten keinen Körperkontakt, nahmen jeden Zweikampf an – und gewannen auch viele davon – blockten Schüsse und eben … schossen vier Tore – alle vier durch die «Freiburger» Linie mit Jana Poirrier (2), Vanessa Bärtschi (1) und Manon Jossevel (1).
Jossevels Sololauf nach einem Lysser Fehler an deren eigenen blauen Linie allein war bereits das Eintrittsgeld wert und sollte der «Dosenöffner» für eine dramatische Partie mit abwechselnden Höhepunkten sein. Die restlichen drei Tore können in einem Lehrvideo als Musterbeispiele für «dreckige Tore» verwendet werden. So stellt sich jeder Trainer sein Team vor dem gegnerischen Gehäuse vor: Hart im Nehmen, hart im Kämpfen und so viele Male auf Abpraller reagieren, bis die Scheibe hinter der Linie ist. Dass dabei Lyss-Torhüterin Amélie Paroz dreimal die Übersicht verlor, sei nur am Rande erwähnt. Die Wertschätzung geht allein an die drei Freiburgerinnen, welche die Scheibe aus dem Gewühl heraus quasi ins Tor arbeiteten.
Dreimal Joya Stettler
Lyss war zu dieser Zeit durchaus im Spiel: Die Seeländerinnen schossen 12-mal auf Selina Steiner (einmal weniger als die ZS-Ladies auf das Lysser Tor), aber die Scheibe wollte nicht über die Linie. Das sollte sich ab dem zweiten Drittel ändern. Es schien, als hätten die ZS-Ladies ein paar Prozente Einsatz aus ihrem Spiel genommen, und schon war Lyss da: Als Bailey Kehl bereits nach 35 Sekunden wegen unerlaubtem Körperangriff auf die Strafbank musste, schlug Lyss’ Kampfmaschine Joya Stettler, eine Leihgabe aus Neuenburg, ein erstes Mal zu. Bis zu ihrem zweiten Streich dauerte es viereinhalb Minuten, zwei davon ruhte sie sich auf der Strafbank aus. Kaum zurück hämmerte sie die Scheibe ein zweites Mal ins ZS-Tor und stachelte ihre Teamkolleginnen zusätzlich an.
Und weil Jelena Sonderegger – sie unterschrieb Anfang Saison einen Vertrag beim SC Bern, damit sie jeweils die Morgentrainings mitmachen konnte, zum Einsatz kam sie jedoch nur ein einziges Mal – 46 Sekunden vor Drittelsende das 4:3 gelang und Joya Stettler – wer sonst – nach einer knappen Minute im Schlussdrittel mit ihrem dritten Treffer den Ausgleich realisierte, schienen den ZS-Ladies die Felle plötzlich davon zu schwimmen.
Doch weit gefehlt: Das Drama in vier Akten war noch nicht vorbei. Nach einem ausgeglichenen Drittel mit Chancen auf beiden Seiten traf Bailey Kehl, die es längst nicht mehr (nur) in der Verteidigung hielt, 68 Sekunden vor Schluss mit einer Art «Buebetrickli» zur Führung. 40 Sekunden später – 28 Sekunden vor Schluss – lag die Scheibe wieder im Tor: Lyss hatte mit 6 gegen 5 Spielerinnen mit einem Hammer von Joya Stettlers älterer Schwester Sara erneut den Ausgleich geschafft. Es ging in die Overtime.
Chapeau, ZS-Ladies!
Auf welche Seite würde die Partie in der Verlängerung kippen? Auf die Seite der ZS-Ladies, weil sie die bessere Torhüterin zwischen den Pfosten hatten. Und so kam es auch. Bailey Kehl, erneut sie, traf mit einer Handgelenk-«Bogenlampe» im Powerplay zum Sieg. Diesen feierten die ZS-Ladies, als wären sie soeben Meisterinnen geworden.
Vor dem heutigen Entscheidungsspiel gilt es festzuhalten, dass Lyss mit seinen «Women’s League»-erprobten Spielerinnen (Tanja Kunz, Joya Stettler, Ilana Leibundgut) eigentlich das um Haaresbreite bessere Team stellt, die ZS-Ladies ihrerseits jedoch das Play-off-Feuer im Team entfacht haben. Wozu dieses Feuer fähig ist, haben die letzte Saison und auch die ersten 20 Minuten im Sonntagsspiel gezeigt. Der «Underdog», der sich noch vor Wochenfrist nach schwachen Leistungen quasi selbst aus dem Rennen zu nehmen schien, ist endgültig erwacht. Chapeau, ZS-Ladies!
T E L E G R A M M E
DHC Lyss – EHC Zunzgen-Sissach 3:0 (2:0; 0:0; 1:0). Eisbahn: Seelandhalle. Zuschauer: 84. Schiedsrichter: O’Brien, Erismann. Tore: 11. Kunz (Forster) 1:0; 20. S. Stettler (Voirol, Hügi) 2:0; 60. J. Stettler (Kunz, Sencerz / ins leere Tor) 3:0. Strafen: 2-mal 2 Minuten ge- gen Lyss, 2-mal 2 Minuten gegen ZS.
Zunzgen-Sissach: Steiner; N. Rueff, Häfelfinger; Kehl, Na. Buser; Heinonen, Schafer; Kreutzer; Müller, Hehlen, Habegger; Poirrier, Bärtschi, Jos- sevel; Stahel, Ni. Buser, Gehrig; Brauen, Seibert.
*
EHC Zunzgen-Sissach – DHC Lyss 6:5 n.V. (4:0; 0:3; 1:2; 1:0). Eisbahn: Sissach. Zuschauer: 65. Schiedsrichter: Ventris/Pfister. Tore: 3. Jossevel 1:0; 9. Bärtschi 2:0; 10. Poirrier 3:0; 15. Poirrier (Jossevel) 4:0; 22. J. Stettler (Voirol, Leibundgut / Ausschluss Kehl) 4:1; 26. J. Stettler 4:2; 40. Sonderegger (Kunz) 4:3; 41. J. Stettler 4:4; 59. Kehl (Müller) 5:4; 60. S. Stett- ler (Leibundgut, Kunz / Lyss ohne Torhüterin) 5:5; 63. Kehl (Ausschluss Hügi) 6:5. Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen ZS, 5-mal 2 Minuten gegen Lyss.
Zunzgen-Sissach: Steiner; Kehl, Na. Buser; Häfelfinger, N. Rueff; Heinonen, Schafer; Knezic, Hofstetter; Poirrier, Bärtschi, Jossevel; Müller, Hehlen, Habegger; Stahel, Ni. Buser, Gehrig; Kurt, Seibert.
Entscheidungsspiel: Heute Dienstag, 19.45 Uhr, Seelandhalle Lyss.


