Die WM von Ormalingen
25.06.2026 SportWährend die Welt gebannt auf die Fussball-WM in Nordamerika blickt, hatten wir in Ormalingen unsere eigene Weltmeisterschaft. TV-Kameras gab es zwar keine, auch keine Millionenverträge. Dafür etwas mindestens genauso Wertvolles: leuchtende Kinderaugen und ein Endspiel, das in die ...
Während die Welt gebannt auf die Fussball-WM in Nordamerika blickt, hatten wir in Ormalingen unsere eigene Weltmeisterschaft. TV-Kameras gab es zwar keine, auch keine Millionenverträge. Dafür etwas mindestens genauso Wertvolles: leuchtende Kinderaugen und ein Endspiel, das in die Dorfgeschichte eingehen dürfte. Der grosse Final: Kindergarten Linde gegen die Eltern.
Als die Kindergärtnerin die Idee hatte, das Thema Fussball aufzunehmen, war ich Feuer und Flamme. Ich durfte die Turnstunden in Trainings verwandeln. Aus lauter Elan, den Kleinen meinen Lieblingssport näherzubringen, entwickelte ich den Ehrgeiz, jedem Kind möglichst viel beibringen zu wollen, vielleicht sogar Tricks.
Noch vor dem ersten Training erzählte mir jedoch eine Mutter, ihre Tochter freue sich gar nicht besonders. Fussball begeistert nicht automatisch jedes Kind. Schlagartig änderte sich mein Saisonziel. Auf einmal war mir nicht mehr wichtig, dass alle einen perfekten Pass spielen und elegant dribbeln können. Sondern dass jedes Kind aus den Stunden etwas Schönes mitnähme.
Und das geschah.
Sie rannten, übten und schossen auch das eine oder andere Tor. Vor allem aber erlebten die Kinder etwas Gemeinsames. Sie unterstützten sich gegenseitig, feuerten einander an und wuchsen als Team zusammen. Unabhängig davon, ob sie Fussballfans waren oder nicht. Wir lernten, was Fairplay bedeutet. Und dass das Team wichtiger ist als das, was dem Einzelnen gelingt.
Der Höhepunkt folgte vergangene Woche mit dem grossen Endspiel gegen die Eltern. Die Kinder liefen zur Champions-League-Hymne ein, am Spielfeldrand standen Fans mit Transparenten, die Stimmung war herzerwärmend. Was auf dem Papier nach einer klaren Angelegenheit für die Erwachsenen aussah, entwickelte sich zu einem emotionalen Fussballfest. Die Kinder kämpften um jeden Ball, die Eltern merkten schnell, dass sie den Gegner vielleicht etwas unterschätzt hatten, und die Menge fieberte mit wie bei einem echten Final.
Dank wohlwollender Mitwirkung des Elternteams durften am Ende die Kinder den Pokal in die Höhe stemmen. Und ich wurde als Trainerin nicht sofort entlassen. Siegerinnen und Sieger aber waren alle. Die Kinder, weil sie mutig waren. Die Eltern, weil sie einen unvergesslichen Nachmittag erleben durften. Und auch ich, weil ich daran erinnert wurde, worum es im Sport eigentlich geht: nicht um Resultate und Tabellen. Sondern um Freude, Gemeinschaft und unvergessliche Momente. Das schönste WM-Spiel? Fand nicht in den USA statt, sondern bei uns in Ormalingen.
Vera Gmür
Vera Gmür (1985) ist Präsidentin Frauenfussball beim FVNWS. Die Ormalingerin spielte früher selber im Halbprofibereich, heute engagiert sie sich für die Entwicklung des Mädchen- und Frauenfussballs in der Region und spielt bei den Seniorinnen des SV Sissach.

